Stolz auf ihre Mitarbeiter sind Einsatzleiterin Nachbarschaftshilfe Gisela Waidelich (von links), Geschäftsführer Roland Sackmann, Einsatzleiterin Hauswirtschaft Karin Krause und Pflegedienstleiter Michael Münster (für das Foto legten sie die Masken kurz ab). Foto: Stadler

Diakoniestation Altensteig und die Veränderungen seit Ausbruch des Coronavirus.

Pflegebedürftige greifen auf ambulante Angebote von Pflegediensten wie der Diakoniestation Altensteig zurück, um möglichst lange im häuslichen Umfeld bleiben zu können. Auch da sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich zu spüren.

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Altensteig - Sie veränderten nicht nur den Arbeitsalltag der rund 190 Mitarbeitenden der Daikoniestation. Bei den betreuten Personen sind Ängste und Verunsicherungen ebenso zu spüren wie Einsamkeit durch die Kontakteinschränkungen. Oft ist der tägliche Besuch der Diakonie der einzig verbliebene Kontakt der Betroffenen.

Aufmunternde Berührungen entfallen

Gesichter sind nicht gänzlich zu erkennen, das miteinander Reden ist viel schwieriger, und aufmunternde Berührungen entfallen wegen der Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus komplett. Das sind nur einige der Veränderungen neben den umfangreichen Hygienemaßnahmen, mit denen sich auch das Personal der Diakoniestation Altensteig auseinandersetzen muss.

Geschäftsführer Roland Sackmann, Pflegedienstleiter Michael Münster, Einsatzleiterin Hauswirtschaft Karin Krause und Einsatzleiterin Nachbarschaftshilfe Gisela Waidelich berichten dem Schwarzwälder Boten von der seit bald einem Jahr vorherrschende Situation der Diakoniestation im Umgang mit den von ihnen betreuten Personen.

Als gemeinsame Einrichtung der Kommunen und der Kirchengemeinde kommen die Mitarbeitenden mit persönlicher und individueller Pflege in die Häuser und Wohnungen der Pflegebedürftigen. Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich die unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Altensteig stehende Diakoniestation im Stadtgebiet sowie in Egenhausen, Simmerfeld und bis Haiterbach um Kranken- und Altenpflege. Darüber hinaus gehören hauswirtschaftliche Dienste, Nachbarschaftshilfe und Betreuungsdienste sowie die Versorgung mit "Essen auf Rädern", Hausnotruf und ambulante Hospizdienste zu den Serviceleistungen.

Menschen wünschen sich mehr Zeit von Pflegekräften

Die Pandemie hat im Bereich der Altensteiger Diakoniestation zu Verschiebungen geführt. Vor dieser Zeit wurden 530 Patienten pflegerisch betreut, derzeit liege die Zahl bei 503, so Geschäftsführer Roland Sackmann. Während es in der Pflege eher ruhiger geworden ist, bedingt durch die Angst der Patienten, sich mit dem Virus zu infizieren, berichtete Karin Krause, dass im hauswirtschaftlichen Bereich die Einsätze erhöht wurden. "Oft wünschen sich die Menschen mehr Zeit von den Pflegekräften, um bei ihrer Haushaltsführung, aber auch bei Einkäufen unterstützt zu werden", so die Erfahrungen von Krause.

Bei der Nachbarschaftshilfe, sagt Einsatzleiterin Gisela Waidelich, mussten schon während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr die Hilfsangebote heruntergefahren werden. Nicht nur bei den Betreuten, auch bei den Beschäftigten und den Helfern kursierte große Angst vor einer Infektion.

Das Team der Diakoniestation Altensteig mit seinen 190 meist in Teilzeit beschäftigten Mitarbeitern ist in den vergangenen Jahren gewachsen und damit personell gut aufgestellt. Darüber hinaus wird aufgrund der demografischen Entwicklung bis ins Jahr 2035 ein weiterer Anstieg im Bereich der Pflege und Betreuung erwartet – vor allem von Menschen, die mithilfe der ambulanten Pflege trotz Betreuungsaufwand weiter zuhause leben können.

Pflegedienstleiter Michael Münster geht aber davon aus, dass auch künftig alternative Wohnformen hinzukommen. Die ambulanten Angebote sollen aber weiterhin dabei helfen, Aufenthalte in Pflegeheimen nach hinten zu verschieben.

"Vieles bleibt auf der Strecke"

Besonders stolz ist die Führungsmannschaft auf das gesamte Mitarbeiter-Team. "Hut ab", so Geschäftsführer Sackmann unisono mit Pflegedienstleiter Münster, "die Mitarbeiter gehen gut mit dieser Krise um und ziehen super mit – und das, obwohl die Krise großen Mehraufwand bedeutet."

Trotz eines guten Teamgeistes und eines tollen Miteinanders sei die Stimmung beim Personal nicht mehr so gelöst wie vor der Pandemie. "Vieles bleibt in dieser Zeit einfach auf der Strecke, da alle Teamsitzungen, Besprechungen, aber auch Schulungen und Begegnungen flachfallen", sagte Sackmann. Fortbildungen finden nur noch online statt und auch gemeinsame Freizeitgestaltungen, wie Wanderungen oder das traditionelle Jahresessen mussten gestrichen werden. Das gilt auch für alles, was im Monat Januar geplant war. Ein Jahresplan liege zwar vor, dieser lebe aber augenblicklich nur von Streichungen und Absagen.

Probleme sehen die Verantwortlichen in der Diakonie bei den älteren Menschen momentan dort, wo keine Angehörigen den Pflegebedürftigen unterstützend zur Seite stehen können, insbesondere wenn es beispielsweise darum geht, einen Impftermin im Kreisimpfzentrum zu bekommen und diesen dann auch wahrzunehmen. Oftmals mangle es an den erforderlichen Informationen, es gebe aber auch Schwierigkeiten im Umgang mit modernen Medien. Aber auch hier wird die Diakoniestation unterstützend tätig, wenn niemand aus dem Umfeld da ist.

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