Elke Armbruster fühlt sich an ihrem Arbeitsplatz im alten Pfarrhaus sehr wohl. Foto: Kratt

Die neue Leiterin der Beratungsstelle, Elke Armbruster, spricht im Interview über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Klienten – und somit auf ihre Arbeit

VS-Schwenningen - Im Mai vergangenen Jahres hat Elke Armbruster die Nachfolge von Reinhold Hummel bei der Diakonie angetreten und leitet seither die Beratungsstelle in Schwenningen. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten blickt die Sozialpädagogin auf ein ereignisreiches und herausforderndes erstes Jahr zurück.

 

Frau Armbruster, Ihr erstes Jahr bei der diakonischen Beratungsstelle war durch und durch von der Corona-Krise geprägt. Welche Auswirkungen hat es auf die Arbeit von Ihrem Team und Ihnen gehabt?

Die ersten beiden Monate des Lockdowns hatten wir geschlossen und die Klienten nur telefonisch beraten. Das hat sich jedoch als relativ schwierig praktikabel herausgestellt. So hatten die Klienten zum Beispiel keine richtige Möglichkeit, erforderliche Unterlagen mitzubringen. Ab Mai 2020 hatten wir wieder geöffnet und konnten die Beratungsgespräche wie gewohnt in Präsenz durchführen – glücklicherweise bis heute. Es ist immer noch die beste Möglichkeit, um die Menschen zu erreichen. Es braucht eben eine enge persönliche Begleitung. Dadurch haben wir auch unsere Arbeitsstrukturen angepasst und zum Beispiel die Terminfenster vergrößert, um keinen so großen zeitlichen Druck zu haben.

Was hat sich durch die Corona-Krise bei Ihren Klienten verändert? Oder anders gesagt: Hat sich der Klienten-Kreis verändert?

Ein anderes Klientel haben wir durch die Corona-Krise eigentlich nicht hinzubekommen. Denn die Bürger haben sich während dieser Zeit ja nicht verändert. Die allgemeine kirchliche Sozialarbeit spricht nach wie vor Menschen mit Migrationshintergrund an sowie Menschen aller Nationen, die das Arbeitslosengeld zwei beziehen. Es sind also vor allem diejenigen Menschen, die am Existenzminimum leben. Durch die Corona-Krise haben sich aber zum Teil deren Lebensverhältnisse verändert: Sie hatten beziehungsweise haben Kurzarbeit oder mussten Lohnausfälle in Kauf nehmen. Durch die Schul- und Kindergartenschließungen gab es auch bei Ihnen zu Hause eine ganz andere Konstellation. Es ist also eine ganz andere Dynamik hineingekommen, und das hat natürlich Auswirkungen.

Können Sie beschreiben, welche?

Durch diese Dynamik hat sich auch die Kurzfristigkeit und Dringlichkeit bei manchen Maßnahmen, für die die Menschen Hilfe benötigen, verändert – zum Beispiel bei einer Haftandrohung oder einer Mieterstromunterbrechung. Damit ist auch der Druck bei den betroffenen Menschen größer geworden.

Ist dieser Druck bei den Beratungsgesprächen auch zu spüren?

Jeder bringt sein Päckchen mit, das wird eigentlich im Laufe jedes Gesprächs deutlich. Die Anspannung lässt die Verarbeitungsmechanismen dann oft ins Leere laufen. Viele versuchen, den Druck während des Gesprächs abzulassen – wenngleich ich es noch nie erlebt habe, dass ein Gespräch völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

Haben Sie stets eine Antwort beziehungsweise Hilfestellung parat?

Natürlich haben wir nicht immer adhoc eine Antwort parat, auch wenn wir über den Dachverband gut vernetzt sind und Hilfestellungen von anderer Seite holen können. Der Diakonieverband hat neben der Caritas vor allem hier in der Region ein Alleinstellungsmerkmal und weckt die Hoffnung bei vielen, die nicht mehr weiter wissen. Das Angebot ist sehr niederschwellig und breit gefächert, aber zaubern können wir natürlich auch nicht. Es ist allerdings schön zu sehen, dass manche Personen und auch Familien immer wieder kommen und Vertrauen in die beratende Person gefunden haben. Manchmal zieht es sich sogar über Generationen hinweg.

Sie haben bereits angesprochen, dass es seit rund anderthalb Jahren den Dachverband des Diakonischen Werks im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt, dem auch die Dienststelle in Schwenningen angehört. Welche Vorteile sehen Sie in der gemeinsamen Arbeit?

Auch wenn die Arbeit bisher leider fast nur digital stattgefunden hat, können wir die Synergieeffekte gut nutzen. Durch die Standorte in Villingen, Schwenningen, Donaueschingen und St. Georgen bildet sich ein Team auf unterschiedlichen Ebenen. Ich habe schon viel gelernt, wie man als Team zusammenwachsen kann. Die Vielfalt an Wissen, das man abrufen, und an Angeboten, auf die man zurückgreifen kann, ist ein enormer Schatz. Es macht also absolut Sinn, sich im Landkreis als ein Träger zu präsentieren. Und ich hoffe, dass sich das Ganze noch weiter festigen und in Präsenz deutlicher spürbar wird.

Sie sind gebürtige Unterkirnacherin, haben Ihre Ausbildung beziehungsweise ihr Studium in Schwenningen absolviert und fahren jetzt wieder seit mehr als einem Jahr jeden Morgen nach Schwenningen zur Arbeit im alten Pfarrhaus. Haben Sie die Neckarstadt seither anders wahrgenommen?

Ich konnte schon recht bald ein Gespür dafür entwickeln, wie die Schwenninger ticken. Nun habe ich noch einen neuen Blickwinkel hinzugewonnen: Ich habe im Laufe des vergangenen Jahres gemerkt, wie viele Familien sich hier ehrenamtlich engagieren. Das wird unter anderem auch in der Flüchtlingsarbeit deutlich, die – auch dank des Engagements von Ehrenamtskoordinatorin Evelyn Preuß – während der Pandemie keinen Ehrenamtlichen verloren hat. Dieses nahezu Selbstverständliche habe ich während meiner Ausbildung gar nicht so zu schätzen gewusst.