Klaus-Peter Wagner ist Facharzt für Diabetologie. Foto: Carmen Brockhammer

Wer die Diagnose Diabetes erhält, könnte mit der Situation zunächst überfordert sein, denn mit der Erkrankung gilt es einiges zu beachten.

Wie erkennt man eine Diabetes-Erkrankung? Warum erkranken immer mehr Menschen an Diabetes? Und welche Behandlungsmethoden gibt es? Felicitas Winz, die die Selbsthilfegruppe der Typ-1-Diabetiker einst gründete, nach wie vor leitet und selbst von Diabetes Typ 1 betroffen ist, sowie Klaus-Peter Wagner, leitender Arzt für Altersmedizin an der Helios-Klinik und Facharzt für Diabetologie, der die Selbsthilfegruppe der Typ-2-Diabetiker ehrenamtlich betreut, haben unserer Redaktion die wichtigsten Fragen rund um die Volkskrankheit beantwortet.

Wie unterscheiden sich die Typen?

Im Gegensatz zu Typ-2-Diabetikern haben Typ-1-Diabetiker gar kein eigenes Insulin, erklärt Winz. So sind Typ 1 Diabetiker vollständig auf zugeführtes Insulin angewiesen. Bei Typ-2-Diabetikern unterscheide man zwischen Übergewichtigen, deren eigenes Insulin durch das zusätzliche Gewicht nicht mehr ausreiche. Daneben gebe es aber auch die schlanken Typ-2-Diabetiker, die kein hundertprozentig eigenes Insulin mehr produzieren.

Welche Möglichkeiten gibt es in der Therapie?

Es gebe zweierlei Insuline, erklärt Wagner: ein langwirksames und ein schnellwirksames. Dabei könne es zu folgenschweren Verwechslungen kommen. Probleme können sich auch beim Medikament Medformin einschleichen. Dieses müsse morgens und abends eingenommen werden, wobei die abendliche Dosis, laut Wagner, nicht zu früh eingenommen werden sollte. Außerdem verweist Wagner auf ein neues Medikament, welches nicht nur den Zuckerstoffwechsel verbessere, sondern auch Appetit regulierend wirke und das Fasten erleichtern könne. Allerdings müsse der Arzt dafür die Indikation stellen.

Felicitas Winz klärt über Diabetes Typ 1 auf. Foto: Hezel

Auch bei Typ-1-Diabetikern seien mehrere Therapieformen möglich, berichtet Winz. So gibt es die intensivierte Therapie über die Spritze und es gibt die Insulinpumpentherapie, die, laut Winz, „bisschen bessere Therapie“, da im Gegensatz zur Spritze nur mit einem Insulin gearbeitet werde. Es könne mit der Insulinpumpe die Dosierung in einem zeitlichen Takt eingestellt werden, wodurch nicht zu viel Insulin auf einmal zugeführt werde. Über die Anwendung der Insulinpumpe entscheide der Arzt mit dem Patient, denn der Patient müsse auch bereit sein, so ein Gerät rund um die Uhr zu tragen, teilt Winz mit.

Was sollte man mit der Erkrankung beachten?

Typ-2-Diabetes habe fünf Säulen erklärt Wagner. Die erste Säule sei über die Krankheit Bescheid zu wissen. Die zweite Säule sei die Blutzuckermessung. Als dritte und vierte Säule nennt er die Komponenten Ernährung und Bewegung und als letzte Säule schließlich die ärztliche Versorgung. Über diesen Säulen stehe der Patient. Er entscheide, wie er die Informationen zur Krankheit umsetzt, über seine Blutzuckermessung, über seine Bewegung, aber auch über seine Ernährung.

Auf Ernährung zu achten sei auch bei Typ-1-Diabetiker kein Fehler, so Winz, denn wird im Übermaß gegessen, droht auch diesen Übergewicht, zumal Insulin auch in der Tiermast eingesetzt werde, weshalb durch einen erhöhten Bedarf an Insulin auch das Risiko steige, zuzunehmen. Ein wichtiger Rat an alle Menschen sei, auf ausreichend Bewegung zu achten, so Wagner. Dabei könne bei Zuckerkranken jedoch der so genannte „diabetische Fuß“ zum Problem werden. Dies beschreibt Schäden an Nerven und Blutgefäßen an den Beinen durch erhöhten Blutzucker. „Joggen würde ich dann nicht mehr“, rät Wagner. Eine gute Form der Bewegung sei das Spazierengehen.

Wie entwickelt sich die Anzahl Erkrankter?

Die Anzahl von Diabetes-Typ-2-Betroffener steige an, betont Wagner deutlich. Was ehemals „Altersdiabetes“ genannt wurde, betreffe auch zunehmend Kinder und Jugendliche. „Die Kinder haben weniger Bewegung, als notwendig wäre“, erklärt Wagner besorgt.

Welche Symptome deuten auf eine Erkrankung hin?

Typische Symptome seien extremer Durst und häufiger Harndrang, Gefühlsschwankungen, Schlappheit und Konzentrationsstörungen oder auch der Verlust von klarem Sehen durch Wassereinlagerungen in den Augen, berichtet Winz.

Wann treffen sich die einzelnen Selbsthilfegruppen?

Die Gruppe der Typ-1-Diabetiker trifft sich im Regelfall am letzten Donnerstag im Monat, die Typ-2-Diabetiker jeden ersten Dienstag im Monat. Zusätzlich treffen sich die Patienten, die eine Insulinpumpe nutzen, an jedem ungeraden Monat in der Monatsmitte.Beide Diabetikerselbsthilfegruppen werden im Mai 30 Jahre alt. Dann wird es eventuell ein Diabetestag in Rottweil geben.

Weitere Informationen gibt es auf der Website der Diabetes-Typ-1 Selbsthilfegruppe oder unter https://www.kv-rottweil.drk.de/angebote/selbsthilfegruppen/diabetiker.html