Die Diagnose Diabetes stellt das eigene Leben oft auf den Kopf. Daten von 4,5 Millionen AOK-Versicherten zeigen, wie viele tatsächlich betroffen sind - und wo sie leben.
Jeder Zehnte im Land leidet an Diabetes. In diesem Text geht es um die Fakten zu Diabetes im Südwesten, basierend auf Daten der AOK Baden-Württemberg. Diese werten wir für unser Projekt „Gesundheitsatlas“ aus.
Ist Diabetes eine Art Volkskrankheit? Zumindest bei den Älteren könnte man das so sagen. Mehr als jeder Vierte über 65 hat es, bei den Über-80-Jährigen gar mehr als jeder Dritte. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Zudem wird von einer sehr großen Dunkelziffer ausgegangen.
Ältere Menschen sind überdurchschnittlich oft von Diabetes betroffen, weil mit zunehmendem Alter die Insulinresistenz steige, sagt der AOK-Mediziner Ralph Bier - der Körper verkraftet einen ungesunden Lebensstil immer schlechter. „Zu den wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes zählen Alter, genetische Vorbelastung, Übergewicht, mangelnde körperliche Aktivität, Bluthochdruck, Überernährung mit hohem Fleischanteil sowie Rauchen", zählt er auf.
Die Tabelle zeigt die Verteilung nach Altersgruppen und Geschlechtern:
Noch in den 1960er Jahren lag der Anteil der Diabetiker in Deutschland unter einem Prozent. Seither stieg er an - bis ungefähr 2010, als Präventions- und Aufklärungsprogramme zu wirken begannen. „Es gibt Hinweise darauf, dass die Entwicklungen beim Lebensstil mit Blick auf die Diabetes-Prävention in die richtige Richtung weisen“, sagt der AOK-Mediziner Ralph Bier. Die Deutschen ernährten sich mittlerweile gesünder. Allerdings bewegten sich viele Menschen in Deutschland immer noch zu wenig.
Eine Folge des insgesamt etwas gesünderen Lebensstils: verglichen mit 2012 ist der Anteil der Menschen mit Diabetes in Baden-Württemberg nicht angestiegen, sondern sogar minimal gesunken - von 10,7 auf 10,0 Prozent. Blickt man auf die einzelnen Altersgruppen, dann ist der Anstieg bei jungen Frauen (1,5 auf 2,3 Prozent Betroffene) besorgniserregend. Bei den Senioren ist der Anteil der Erkrankten dagegen verglichen mit 2012 minimal gesunken.
Kann man Diabetes verhindern? Ralph BIer dazu: "Eine Veränderung des Lebensstils hin zu einer pflanzenbasierten mediterranen Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität mit moderater bis hoher körperlicher Belastung kann Übergewicht und damit auch der Entstehung von Diabetes Typ 2 vorbeugen."
Diabetes in Baden-Württemberg
Wie verteilen sich Diabetes-Diagnosen in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart? Das zeigen die folgenden Karten. Zunächst visualisieren wir die Verteilung über alle Altersgruppen hinweg. Dunkelblau eingefärbte Stadt- und Landkreise liegen über dem Landesschnitt, hellblau eingefärbte darunter.
Vor allem im Nordwesten von Baden-Württemberg wird überdurchschnittlich oft Diabetes diagnostiziert, im Schwarzwald, auf der Ostalb und südlich von Stuttgart deutlich seltener. Klicken Sie auf einen Landkreis für den exakten Wert:
Am häufigsten sind Hochbetagte über 80 Jahren von Diabetes betroffen. Auch in dieser Altersgruppe fällt der Nordwesten Baden-Württembegs ins Auge, darüber hinaus der Kreis Freudenstadt Vier von zehn Männern über 80 haben hier Diabetes – in Baden-Baden sind es nur drei von zehn.
Die folgende Karte zeigt nach Geschlechtern getrennt, wie sich der Anteil der Diagnosen bei Hochbetagten in den Stadt- und Landkreisen verteilt. Ein Klick auf den Kreis zeigt Ihnen auch hier den exakten Wert an:
Diabetes in der Region Stuttgart
Diabetes wird in der Region Stuttgart außerhalb der städtischen Zentren besonders häufig diagnostiziert – mit Ausnahme etwa von Stuttgart-Mühlhausen oder Esslingen-Berkheim. Auf der Karte liegt der Anteil in den dunkler eingefärbten Gemeinden über dem Landesschnitt. Stuttgart-Mühlhausen hat mit 14,3 den höchsten Anteil in der Region, am niedrigsten ist er in Bad Boll (Kreis Göppingen) mit 5,73 Prozent.
Klicken Sie in der Karte auf die Gemeinde, die Sie interessiert, um den Anteil der Bewohner mit Diagnose Diabetes zu sehen:
Die Daten in diesem Beitrag stammen von der AOK Baden-Württemberg. Sie ist mit rund 4,6 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Baden-Württemberg. Für zwölf ausgewählte Krankheiten stellt uns die AOK aggregierte Diagnosedaten ihrer Versicherten zur Verfügung.
Bis hinunter auf Postleitzahlebene kann man damit sehen, wie verbreitet die Krankheiten sind – aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, von Kindern bis zu Hochbetagten. Die Verteilung der Diagnosen unter ihren Versicherten entspricht in etwa der Verteilung unter allen Einwohnerinnen und Einwohnern.
Zu unserem Projekt „Gesundheitsatlas“ gelangen Sie über diesen Link.
Zum Datenprojekt „Gesundheitsatlas“
Daten
Wie alle Krankenkassen erhält die AOK zu Abrechnungszwecken von Ärzten und Krankenhäusern Daten zu Diagnosen und der Therapie ihrer Versicherten. Diese Daten aggregiert sie nach Wohnort, Geschlecht und Alter der Patienten. Damit kann die AOK errechnen, wie hoch unter ihren Versicherten der Anteil einzelner Krankheiten in bestimmten Altersgruppen oder Postleitzahlbereichen ist.
Repräsentativ
Die Zusammensetzung der AOK-Versicherten entspricht bei Geschlecht und Altersgruppe in etwa der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg. Bei Unter-45-Jährigen liegt der Anteil höchstens fünf Prozent über dem der Gesamtbevölkerung, bei Älteren höchsten 15 Prozent darunter. Lässt man Einkommensunterschiede außen vor, sind die Daten zur Verteilung einzelner Krankheiten unter AOK-Versicherten also annähernd repräsentativ für Baden-Württemberg.