Ein Mädchen greift zu seinem Blutzuckermessgerät. (Symbolfoto) Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Diabetes-Ambulanz am Klinikum Freudenstadt betreut Jugendliche, die an Diabetes Typ 1 erkrankt sind. Besonders in der Pubertät macht ihnen die Krankheit zu schaffen.

Typ 1 ist eine unheilbare Autoimmunerkrankung, auf die der Patient keinen Einfluss hat. Typ 2 ist eine organische Verschleißerkrankung, die mit eingedämmt werden kann. Dass beides oft vermischt wird, ist für Patienten belastend. Die Rede ist von Diabetes.

 

„Solltest du wirklich ein Eis essen?“ Solche Fragen nerven die Patienten von Jasmin Brühler. 45 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 20 Jahren betreut die Oberärztin laut einer Mitteilung in der Diabetes-Ambulanz des Klinikums Landkreis Freudenstadt, wo junge Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 versorgt werden.

Dazu gehört auch, Frust und emotionale Nöte anzuhören. Denn eines erleben Brühlers Patienten oft: Zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2 wird in der Gesellschaft kaum unterschieden. Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Typ 2 ist eine organische Verschleißerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin produziert. Die Ursachen liegen auch in Ernährung und Lebensgestaltung. „Wer an Diabetes erkrankt, wird daher oft angeschaut, als sei er selbst dran schuld“, berichtet Brühler.

Workshop für Schulsanitäter im Landkreis

Für junge Menschen, die eine Diagnose bekommen, die das komplette Leben dominieren wird, ist das eine Belastung. Aufklärung ist Brühler deshalb wichtig: „Ich kann meinen Patienten die Belastungen der Krankheit nicht abnehmen. Aber ich kann versuchen, hier im Landkreis etwas mehr Verständnis zu schaffen.“

Zum Welt-Diabetes-Tag am 14. November hat die Oberärztin mit dem Gesundheitsamt und Diabetes-Beraterinnen einen Workshop für Schulsanitäter im Landkreis mit dem Titel „Diabetes mellitus Typ 1 im Schulalltag – Was soll ich wissen? Wie kann ich helfen?“ organisiert. Denn wie komplex und lebensdominierend Diabetes Typ 1 ist, zeigt Brühlers Alltag in der Diabetes-Ambulanz.

Regelmäßige Treffen mit der Ärztin

Mindestens einmal im Quartal sieht sie ihre Patienten für eine Stunde. Zuerst werden in einem Anamneseblatt detailliert körperliche Entwicklungen und Therapiewirkungen der letzten Monate erfasst, danach wird die Entwicklung der Blutzuckerwerte analysiert. Diese werden mithilfe eines elektronischen Glukose-Trackers und eines in der Haut eingesetzten Sensors aufgezeichnet.

Einstichstellen von Insulinspritzen oder Insulinkathetern werden auf Reizungen und Unverträglichkeiten untersucht. Zum Schluss werden die Ergebnisse besprochen und bei Bedarf die Therapiepläne angepasst. Dann folgt der Teil, der für die Patienten oft der wichtigste ist: Fragen, Anliegen und alles, was im Alltag plagt.

Diagnose ist ein Einschnitt ins Leben

„Durch die technischen Möglichkeiten hat sich die Therapie für die Beteiligten immens verbessert“, sagt Brühler. Doch die psychischen Belastungen bleiben. „Jemand, der im Kleinkindalter mit Diabetes diagnostiziert wurde, tut sich mit der Anpassung oft leichter, da er nichts anderes kennt“, weiß sie. Besonders hart trifft es die Patienten, die in der Pubertät mit der Diabetes-Diagnose konfrontiert werden. Denn Klassenfahrt, Ausflüge, Sport – all die Dinge, die zum Aufwachsen dazugehören, erfordern bei Diabetes Typ 1 besondere Planung und Aufmerksamkeit.

Ab der weiterführenden Schule können die meisten Patienten ihre Therapie selbst managen. Doch Blutzuckermessungen und Insulingabe müssen gewissenhaft erfolgen. Über- und auch Unterzuckerung führen zu Langzeitproblemen. In der Pubertät sinkt oft die Bereitschaft, Zeit und Disziplin zu investieren. „Man muss deshalb hellhörig sein, wenn sich emotionale Schwierigkeiten abzeichnen“, so Brühler.

Typische Anzeichen eines Diabetes

Warnsignale
Typische Warnsignale bei Kindern sind ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme und stetige Müdigkeit. Es sei wichtig, die Anzeichen eines Diabetes früh zu erkennen, so Oberärztin Jasmin Brühler. Denn je länger die Krankheit unentdeckt bleibe, desto höher sei der Schaden, der im Körper angerichtet werde.

Langzeitstudien
Die Diabetes-Ambulanz am Klinikum Landkreis Freudenstadt ist eines von 100 Zentren in Deutschland, die ihre Daten im Rahmen von Langzeitstudien mit anderen Kliniken vergleichen. „Wir können unseren Therapieansatz so stetig optimieren.“ Für die Patienten seien dies medizinisch gesehen beste Voraussetzungen.