Wahrscheinlich blicken auch viele Fußball-Talente skeptisch auf die DFB-Nachwuchsreform. Foto: Eibner/Neis

Ein verwunderter Weltmeister, verständnislose Ex-Nationalspieler – die geplante Reform der Nachwuchsförderung beim DFB sorgt für große Diskussionen. Wir haben uns deshalb im Schwarzwald-Baar-Kreis umgehört.

Toni Kroos sagt in seinem Podcast „Einfach mal Luppen“ zu den geplanten Neuerungen: „Am Ende hast du keine Tabelle und keine Bestätigung. In dem Alter ist es aber so, dass die Kinder gewinnen wollen.“ Ex-Nationalspieler Thomas Helmer kritisiert die angestrebten Neuerungen ebenso, bezeichnet sie beim TV-Sender Welt sogar als „grotesk“. Ähnlich äußerte sich mit Dietmar Hamann ein weiterer ehemaliger DFB-Akteur: „Ohne Ergebnis kein Erlebnis. Deswegen kann ich den Schritt, den der DFB gemacht hat, überhaupt nicht nachvollziehen.“

 

Die Pläne

Von der U6 bis zur U11 (G-, F- und E-Jugend) soll es keine Meisterschaftsrunden mehr geben. Stattdessen sollen Spielenachmittage und Festivals ausgetragen werden, bei denen unabhängig vom Ergebnis gespielt werden soll. Zudem soll die Junioren-Bundesliga in der U17 und U19 durch eine DFB-Nachwuchsliga ersetzt werden. Alle Vereine mit Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) sind dauerhaft in der Nachwuchsliga vertreten, Abstiege sind daher nicht möglich. Maximal elf Amateurvereine könnten zur Hauptrunde zusätzlich zum Teilnehmerfeld dazukommen. Das Ziel der Form: Druck aus der Ausbildung nehmen.

Armin Bader

Armin Bader, der Verbandsjugendausschuss-Vorsitzende des Südbadischen Fußballverbandes, sagt zur geplanten Reform: „Für die Talentförderung, mit dem Ziel Spitzenfußballer auszubilden, sehe ich hier kein Nachteil. Auch der Wettbewerb bleibt. Es werden weiterhin deutsche Meister bei den B- und A-Junioren ermittelt – und die NLZs haben die Chance, den Leitungsdruck vor Erfolgsdruck zu stellen. Jugendspieler, die im Profifußball ankommen wollen, werden sich weiter voll einbringen müssen.“ Und welche Auswirkungen hat diese Reform für unsere Region?

„Für die Amateurvereine im SBFV wird dies keine Auswirkungen haben, da augenblicklich keiner dieser Vereine sportlich mit den NLZ mithalten kann. Trotzdem ist nach der Umstrukturierung weiter die Möglichkeit gegeben, sich sportlich für diese Eliteklasse zu qualifizieren. Für unseren einzigen Profiverein, den SC Freiburg, wird es Vorteile haben, da damit die Arbeit mit den Talenten besser gesteuert werden kann. Ich bin mir sicher, dass es für die Talente nicht einfacher wird, aber diese noch zielgerichteter gefördert werden können.“

FC 08 Villingen

Denis Stogiannidis, Vorstand Sport & Jugend des FC 08 Villingen, betont:„Für mich persönlich machen diese Veränderungen keinen Sinn. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb es im Juniorenbereich nicht um Ergebnisse gehen sollte. Die Talente müssen doch auch lernen, wie man mit Niederlagen – und auch mit Siegen – umgeht. Das gehört doch zum Fußball dazu. Wenn Spieler dann in den Aktivenbereich kommen, geht es dann vor allem doch um die Ergebnisse. Das ist ja auch in fast allen Lebensbereichen so.“

Armin Bader sieht keine Auswirkungen für die Amateurvereine im SBFV. Foto: Kienzler

Mustafa Gürbüz, der Trainer der A-Junioren der Nullachter (Oberliga), meint: „Wir schauen einfach einmal, was da am Ende herauskommt. Es gibt ja in jedem Jahr Veränderungen, auf die wir uns einstellen müssen“, geht es dem A-Junioren-Coach des FC 08 vor allem darum, mit seinen Schützlingen in der Oberliga eine gute Rolle zu spielen, die eigenen Talente weiterzuentwickeln.

Jackson Agbonkhese

„Das ist ein schwieriges Thema. Man muss einfach abwarten, wie es wirklich umgesetzt wird und daraus dann Schlüsse ziehen“, will sich Jackson Agbonkhese, der Coach des Bezirksligisten SV Aasen, Stützpunkttrainer und Gründer der Talentsoccer-Academy, erst später ein Urteil bilden.

SSC Donaueschingen

Da ist Markus Böll, Jugendleiter des SSC Donaueschingen, schon weiter: „Wir finden es gut, dass es bei der G-, F- und E-Jugend Veränderungen gibt, so den ganz jungen Spielern etwas der Druck genommen wird.“ Ab den D-Junioren sei es aber sinnvoll, dass es um Siege und Punkte gehe. „Da sollte der Wettbewerb beginnen“, wünscht sich der Donaueschinger, dass dann die Saison bei den D-Junioren in eine Herbst- und eine Frühjahrsrunde getrennt werden. „Im Herbst könnten aus der bisherigen Bezirksliga und den beiden Kreisligen drei Klassen gebildet werden, im Frühjahr ermitteln dann die besten Teams dieser drei Ligen den Bezirksmeister“, würde Böll es gut finden, wenn bei den D-Junioren mit neun Spielern agiert wird.