Der Weg, den Julian Nagelsmann bis zum Trainerposten in München zurückgelegt hat, wird steiniger. Foto: Balk

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat seine Trainerausbildung fast komplett auf den Kopf gestellt. Die Ausbildung wird 2022 länger, teurer und hat zudem höhere Zulassungsbeschränkungen. Vor allem für junge Trainer ohne höherklassige Spielererfahrung wird es damit schwieriger.

28 Jahre und 205 Tage alt war Julian Nagelsmann, als er zum ersten Mal in der Bundesliga an der Seitenlinie stand. Damit ist er der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten. Ob dieser Rekord in der Zukunft gebrochen wird, steht in den Sternen. Durch die Umstrukturierung der Trainer-Ausbildung, die der DFB in großem Stile vorgenommen hat, wird es zumindest nicht einfacher, die Bestmarke von Nagelsmann zu unterbieten.

Zum einen dauert die Ausbildung nämlich länger, zum anderen wird sie auch erheblich teurer. Und während früher bei der Anmeldung zu DFB-Lehrgängen das Prinzip „Wer zuerst kommt, malt zuerst“ angewendet wurde, gibt es nun ein Bewertungssystem (Aufnahmeprüfverfahren), welches die Spieler-, Trainerkarriere und sonstige Leistungen wie zum Beispiel ein Sportstudium bewertet.

Die Ausstellung der B-Lizenz obliegt weiterhin den Landesverbänden, in Württemberg geschieht dies in der Sportschule Ruit, im badischen ist die Sportschule Schöneck Anlaufpunkt und im südbadischen Verbandsgebiet geht es nach Steinbach.

Wie sieht der Weg nun aus?

Auf DFB-Ebene geht es nun mit der B+-Lizenz los, welche mit der ehemaligen DFB-Elite-Lizenz gleichzusetzen ist. Im Anschluss gibt es jetzt eine Spezialisierungsmöglichkeit. Die A-Lizenz richtet sich an Erwachsenentrainer im Leistungsfußball, die A+-Lizenz ist speziell für Trainer im Jugendbereich, die sich dahingehend noch mehr spezialisieren wollen. Als höchste Lizenzstufe ist die Pro Lizenz ausgewiesen, die als Äquivalent zum bisherigen Fußball-Lehrer zu sehen ist.

Wie teuer ist die Ausbildung?

Die DFB-Elite-Lizenz kostete im alten Format zwischen 1700 und 2200 Euro, je nach Standort. Die neue B+-Lizenz kostet circa 3900 Euro. Noch größer ist die Diskrepanz auf der nächsthöheren Lizenz-Stufe. Die alte A-Lizenz kostete circa 3000 Euro, die neue A-Lizenz circa 9500 Euro. Richtig tief in die Tasche greifen, muss man als Teilnehmer bei der A+-Lizenz. Diese kostet circa 18.000 Euro. Für die Pro Lizenz werden 19.000 Euro an Lehrgangsgebühren fällig, hinzu kommen noch Kosten für Verpflegung und Unterkunft.

Wie rechtfertigt der DFB diese Kostensteigerung?

Auf unsere Nachfrage erklärt Markus Nadler, Abteilungsleiter für die Aus-, Fort- und Weiterbildung beim DFB ist, folgendes: „Für mehr Detailtiefe bei den Inhalten und der Umsetzung eines ganzheitlichen Ansatzes in der Ausbildung brauchen wir auch deutlich mehr Zeit. Dies können wir nur durch höhere Umfänge und längere Ausbildungsdauer erreichen. Für mehr Individualisierung und Begleitung der Teilnehmer brauchen wir deutlich mehr Ausbilderkapazität pro Teilnehmer. Das bedeutet schlussendlich: Qualitätserhöhung heißt auch Kostenerhöhung.“

Wie lange dauern die neuen Lizenzen?

Laut der Homepage der DFB-Akademie ist die B+-Lizenz aufgeteilt auf circa vier Präsenz- und Anwendungsphasen innerhalb von drei bis vier Wochen. Die Elite-Jugend-Lizenz hatte vor der Pandemie eine Dauer von drei Wochen, die zumeist direkt am Stück absolviert wurden. Ähnlich sah es bei der A-Lizenz aus. Diese hat nun circa neun Präsenz- und Anwendungsphasen in einem Zeitraum von sieben bis acht Monaten. Die A+-Lizenz hat sogar 13 Präsenz- und Anwendungsphasen innerhalb von zehn bis elf Monaten. Die Pro-Lizenz dauert 12-15 Monate mit circa 15 integrierten Präsenz- und Anwendungsphasen.

Wie funktioniert das Aufnahmeprüfverfahren?

Neben den allgemeinen Zulassungsvoraussetzungen wie einem polizeilichen Führungszeugnis, der Mitgliedschaft in einem Verein und einer bestimmten Punktzahl in der vorangegangenen Lizenz, werden nun weitere Faktoren in einem Punktesystem berücksichtigt.

Zunächst einmal zählt die Trainererfahrung. Pro abgeschlossener Saison gibt es entsprechend des Niveaus eine bestimmte Punktzahl. Als Cheftrainer in einer der vier höchsten Ligen gibt es zum Beispiel 7,5 Punkte pro Saison. Als Cheftrainer in der Oberliga oder Co-Trainer in der Regionalliga bekommt man hingegen nur noch einen Punkt, bei allen weiteren Tätigkeiten 0,5 Punkte.

Der zweite Faktor ist die Spielererfahrung. Auch hier gibt es pro gespielter Saison Punkte. In der 1. Liga sind es fünf, in der 2. Liga vier und so weiter. Ab der Verbandsliga gibt es dann noch 0,5 Punkte pro Saison. Die maximal erreichbare Punktzahl in dieser Kategorie ist auf 35 beschränkt. Jedoch fallen Länderspiele nicht in diese Beschränkung. Pro Länderspiel in einer Herrenmannschaft gibt es nochmals 0,5 Punkte, bei der U21 0,25 Punkte pro Spiel und bei den U15-U20 Teams noch 0,25 Punkte pro Spiel.

Zu guter Letzt spielt noch die Kategorie „Relevante Bildung“ eine Rolle. Ein abgeschlossenes Studium der Sportwissenschaften mit Master ist 15 Punkte wert, beim Bachelor sind es noch zehn Punkte. Auch Berufsausbildungen oder Fortbildungen können noch Punkte für die Gesamtwertung bringen.

Was waren die Hauptgründe für die Umstrukturierung?

Markus Nadler erklärt: „Im Projekt Zukunft haben wir eine umfangreiche Status Quo-Analyse durchlaufen und darauf basierend eine ganzheitliche Konzeption der Trainerentwicklung erarbeitet. Bisher durchliefen alle Trainer den gleichen Bildungsweg. Es gab nur wenig Möglichkeiten der Individualisierung und Differenzierung (Jugend- vs. Erwachsenenfußball). Zukünftig stellen wir den Menschen in den Mittelpunkt. Das heißt, dass wir von den Spielern und Trainern ausgehen, Dinge ableiten. Nicht, wie bisher, umgekehrt.“

Er nennt zudem noch einen weiteren Punkt: „Des Weiteren hat die UEFA in ihrer Coaching Convention 2020 neue, deutlich erhöhte Anforderungen hinterlegt, die wir mit alten Formaten nicht mehr hätten abdecken können.