Mit guter Laune bezieht die Fußball-Nationalmannschaft die WG-Hütten, trifft sich virtuell mit Angela Merkel und absolviert die erste Trainingseinheit.
Herzogenaurach - Nein, staatstragend war es nicht, wie Joachim Löw den kurzen Weg zum Adi-Dassler-Stadion bestritt. Auf dem E-Bike radelte der Bundestrainer am Donnerstagnachmittag wie seine Spieler vom nahen EM-Quartier in Herzogenaurach zum Trainingsplatz auf dem Gelände – wo die erste Einheit der DFB-Elf im Camp vor dem ersten EM-Spiel am Dienstag gegen Weltmeister Frankreich anstand.
Auf dem Adidas-Campus in Herzogenaurach waren alle 26 für die EM nominierten Spieler dabei – so wie auch bei einem virtuellen Treffen der Mannschaft am selben Tag, das so gar nicht in das Bild passte, das Löw und seine Elf auf dem Platz und auf dem Weg dahin boten. Da ging es locker zu, der Flachs blühte vor der Einheit, als die Spieler den Ball hochhielten – und ein paar von ihnen hatten vorher von ihren Rädern auf der Tartanbahn aus fröhlich auf die kleine Medientribüne gegrüßt. „Servus zusammen“, rief etwa Thomas Müller: „Habt’s viel Spaß!“
Die EM als „nationale Angelegenheit“
Beim virtuellen Austausch mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag dagegen waren die Ansagen und Dialoge wohl ein bisschen ernster – das konnte man zumindest nach den Aussagen des DFB-Direktors Oliver Bierhoff vermuten. „Das ist eine riesige Wertschätzung“, sagte Bierhoff über die Videoschalte mit der Kanzlerin. Und dann, genau, wurde es staatstragend: „Jedem im Land wird dadurch noch mal deutlich, ohne es zu hoch hängen zu wollen, dass die EM eine nationale Angelegenheit und das Ergebnis wichtig für uns alle ist.“ Bierhoff also gab den Regierungssprecher der DFB-Elf und steckte das Feld gegenüber Angela Merkel klar ab.
Von ihr erwartete der ehemalige Stürmer eher weniger fußballspezifisches Wissen, denn: „Es ist nicht ihre Aufgabe, ein Fußballfachmann zu sein.“ Das wird dann wohl auch eher schwierig als Frau, aber das ist ein anderes Thema.
Jeweils vier Mann in einer WG
Wichtiger war da am Donnerstag die Wohngruppenbelegung der Nationalspieler in ihrem so genannten „Home Ground“, also ihrem Quartier in Herzogenaurach. In eigens gebauten Holzhütten gibt es Drei- bis Vier-Mann-WGs. Es gibt etwa die Gaudi-Wohngruppe mit den Spaßvögeln Thomas Müller und Robin Gosens. Oder das Mehrgenerationenhaus mit Teamsenior Manuel Neuer (35) und dem gerade erst volljährig gewordenen Bayern-Youngster Jamal Musiala (18).
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Die Belegung der Holzhäuser erfolgte nach einem System aus Setzen und Losen, wobei die Akteure mit den meisten Länderspielen zu WG-Chefs ernannt wurden. Geachtet wurde laut Bierhoff auf „eine gute Mischung. Drei Bayern-Spieler in einer Villa ist nicht ganz so gut.“ Die 26 Profis wurden auf sieben Häuser verteilt. In jeder Villa regiert einer der sieben WG-Chefs, jene sieben Spieler also mit den meisten Länderspielen, damit sich niemand beschweren konnte. So hat etwa Ilkay Gündogan als einer der Hauswarte dafür geworben, dass neben Serge Gnabry und Marcel Halstenberg auch sein Kumpel Emre Can mit auf seine Bude darf.