Teil des deutschen Trainerteams um Julian Nagelsmann (li.) und Sandro Wagner: Mads Buttgereit (re.). Foto: imago/osnapix

Der deutsch-dänische Standardcoach Mads Buttgereit trifft im Achtelfinale an diesem Samstag auf seine Heimat Dänemark – und auf sein ehemaliges Team, mit dem er 2021 das EM-Halbfinale erreichte.

Die Nationalspieler Joshua Kimmich und Thomas Müller staunten damals nicht schlecht im Spätsommer des Jahres 2021. In der Vorbereitung auf ein Länderspiel in Stuttgart übten sie auf dem Gelände der Kickers auf der Waldau Freistöße – und ein Mann platzierte eine Kamera knapp über der Grasnarbe. Er richtete das Objektiv genau auf die Schüsse von Kimmich und Müller. Diese Analyseform war neu: weil der Mann mit der Kamera neu war im Kreise der DFB-Elf. Standardtrainer Mads Buttgereit war vom neuen Bundestrainer Hansi Flick in den Stab geholt worden. Jetzt ist Flick Geschichte beim DFB, Buttgereit durfte unter dessen Nachfolger Julian Nagelsmann bleiben – und steht jetzt vor dem Fußballspiel seines Lebens.

 

Denn das EM-Achtelfinale gegen Dänemark an diesem Samstag (21 Uhr/ZDF) ist für den Sohn einer Dänin und eines Deutschen qua seiner Familienvita ein spezielles. Zwei Herzen schlagen in der Brust des im dänischen Esbjerg geborenen und dort sowie in Flensburg aufgewachsenen Buttgereit – auch, weil der 39-Jährige bei der EM 2021 die dänische Elf als Standardcoach begleitete und mit Trainer Kasper Hjulmand, der noch heute im Amt ist, das Halbfinale erreichte.

Jetzt sitzt Buttgereit gegen die Dänen auf der deutschen Bank und hofft qua seines Amtes, na klar: auf ein Standardtor der DFB-Elf. Und darauf, dass man dänische Freistöße oder Eckbälle unbeschadet übersteht. Auch das gehört neben Einwürfen und dem Anstoß zum Aufgabengebiet Buttgereits. Wohin seine Arbeit im Idealfall führen kann, zeigte sich im März, als Florian Wirtz eine vorher nicht trainierte, aber von Buttgereit auf der Leinwand vorgeführte Anstoßidee im Test gegen Frankreich zum schnellsten deutschen Länderspieltor veredelte.

Buttgereit sagt, dass er Standards allgemein „geil“ findet – allein: Bei dieser EM waren Freistöße oder Ecken aus deutscher Sicht bisher eher nicht so geil, um im Buttgereit-Sprech zu bleiben. So resultierte der erste von zwei Gegentreffern in der Gruppenphase im Eröffnungsspiel aus einem Freistoß der Schotten. Und nach eigenen Standards hatte die DFB-Elf noch keinen Erfolg – im Gegensatz etwa zum Titelgewinn bei der WM 2014 in Brasilien, als Freistöße und Ecken echte Waffen des deutschen Teams waren. Maßgeblich dafür verantwortlich: Der damalige Assistent Flick, dessen Faible für Standards dann später auch als Bundestrainer Bestand hatte – weshalb er unbedingt einen Spezialisten in seinem Stab haben wollte: Mads Buttgereit.

Fakt ist: An der fehlenden Akribie des Deutsch-Dänen liegt die aktuelle Talsohle bei ruhenden Bällen der DFB-Elf nicht. So nutzt Buttgereit ein modernes System: den Trackman. Dabei handelt es sich um ein bis zu 25 000 Euro teures Gerät, das vor allem im Golf, aber auch im American Football eingesetzt wird. Mit dem Trackman, so erklärt das Buttgereit, werde etwa im Golf die Schwungtechnik präzise analysiert. Rund um die Schützen der Fußball-Nationalelf stellt sich Buttgereit nun diese Fragen: Mit welcher Schuhfläche wird der Ball getroffen? Mit welcher Geschwindigkeit fliegt er? Mit welchem Spin? Der Coach sieht bei der Auswertung, was passiert, wenn man den Ball zu hart, zu weich oder mit zu viel Spin tritt – und korrigiert Details bei und mit den Spielern.

Womöglich führt diese Arbeit nun zum Erfolg nach einem ruhenden Ball der DFB-Elf gegen Dänemark. Mads Buttgereit würde es freuen. Trotz zweier Herzen in der Brust.