Deutschrap-Ikone Sido spielte am Samstagabend das letzte Konzert des des diesjährigen „Heroes“-Festival. Foto: Piskadlo

Das „Heroes“-Festival lockte am Wochenende Zehntausende Musikfans auf das Freiburger Messegelände.

19.38 Uhr – die Blicke Tausender Hip-Hop-Fans richten sich am Freitagabend gespannt auf die Hauptbühne des „Heroes“-Festival Freiburg. Die meisten von ihnen sind junge Leute, augenscheinlich Mitte 20, und schon seit rund fünf Stunden auf dem Messegelände am feiern. Hinter ihnen liegen knapp zehn Konzerte aufstrebender Musiker wie Babyjoy, Levin Liam oder Soho Bani. Müde scheint von den Besuchern jedoch niemand zu sein. Kein Wunder: Laut Zeitplan soll in zwei Minuten mit „Ufo361“ nämlich die erste von drei Deutschrap-Größen des ersten Festival-Tages zu hören sein. Dementsprechend groß ist die Vorfreude – aber auch die Erwartungshaltung. Immerhin ist der Berliner Erfolgsrapper unter anderem für seine eindrucksvollen Liveshows bekannt.

 

Dann ist es soweit: Raucheffekte setzen ein und hüllen die Bühne in dichtem Nebel. Die Hitze der kontrollierten Stichflammen, die aus der Bühne schießen, lässt sich auf der Haut spüren. Und der tiefe Bass geht in den ersten Besucherreihen hinter der Barriere durch den ganzen Körper. „Ufo“, mit reichlich Schmuck und auffälliger Designer-Reisetasche gekleidet, spielt eine Auswahl seiner bekanntesten Songs. Besonders passend ist das Lied „Power“, das seinen energetischen Auftritt wohl am besten beschreibt.

„Ski Aggu“ überzeugt mit skurrilem Bühnenbild

Quasi nahtlos geht es nach rund einer Stunde auf der Nebenbühne weiter. Während „Ufos“ Konzert war diese mit einem Vorhang verdeckt. Als dieser fällt und „Ski Aggu“ als zweites Zugpferd des Abends zu sehen ist, offenbart sich, warum. Der Party-Rapper begeistert mit einem eindrucksvollen Bühnenbild, das während des vorigen Auftritts aufgebaut wurde. Zu sehen ist ein überdimensionaler, mit Luft aufgeblasener Ballon, der den Kopf des Künstlers nachstellt – samt Vokuhila und Skibrille. Rund eine Stunde lang zelebriert der Gute-Laune-Macher den Rausch in seinen Liedern, während die Fans nahezu jeden Songtext Wort für Wort mitsingen.

Mittlerweile ist es 21.45 Uhr. Obwohl „Ski Aggu“ noch fünf Minuten auf der Uhr hat, gehen immer wieder einige Blicke auf die Hauptbühne, die genau neben an steht. Diese wird nämlich für den Hamburger Rapper und gleichzeitigen Höhepunkt des Abends „Bonez MC“ vorbereitet. Allein auf der Streaming-Plattform Spotify wird seine Musik von mehr als 4,5 Millionen monatliche Hörern gefeiert. Und augenscheinlich Zehntausende davon heißen ihn nun in Freiburg willkommen. Eine Stunde lang liefert der 39-Jährige eine guten Mischung aus düsterem Gangster-Rap und stimmungsvollen Dancehall-Liedern. Mit „Blaues Licht“ verabschiedet sich der Kopf der „187 Straßenbande“ pünktlich um 23 Uhr von dem Publikum, während hinter der Bühne ein minutenlanges Feuerwerk den Abschluss des ersten Tages einläutet.

Sido mischt sich unter das Publikum

Ob der Samstag an den starken Auftakt anknüpfen kann? Ja – zumindest, wenn es nach den Namen auf dem Flyer geht. Mit unter anderem Chapo102, OG Keemo, Bausa und Pashanim reiht sich ein Hochkaräter nach dem anderen. Was auffällt: Nicht nur das Wetter ist am zweiten Tag besser, auch die Besucherzahl scheint größer. Vor allem als Deutschrap-Ikone Sido um 21.50 Uhr die Hauptbühne betritt, ist das Messegelände brechend voll. Angekündigt wurde der Berliner zuvor mit einem Kurzfilm, in dem seine Karriere vom aufstrebenden Rüpel-Rapper mit Totenkopfmaske zum radiotauglichen Familienvater mit Brille und Bart wiedergibt. Zu hören ist an diesem Abend eher Letzterer. Der guten Stimmung tut dies – auch bei langjährigen Fans – jedoch keinen Abbruch. Besonders weil Sido sich viel Zeit für seine Zuhörer nimmt und seine Späße mit ihnen treibt. Einen Höhepunkt nimmt das Ganze, als er die Bühne heruntersteigt, über die Barrikade klettert und inmitten seines Publikums rappt – natürlich stets unter den strengen Augen der Sicherheitskräfte.

Großes Parkchaos nach den Festival-Tagen

Zum Abschluss bekommt die Zuhörerschaft mit einem Lied, dessen Namen nicht in eine Zeitung gehört, eine Portion des „alten“ Sidos, ehe auch dieser Tag mit einem lauten Feuerwerk zu Ende geht. Einige Fans erhaschen anschließen noch einen Blick auf den Berliner Rapper, als dieser im Bademantel hinter der Bühne in einen Transporter steigt und von dem Gelände kutschiert wird. Einen Luxus, den sich viele Festivalbesucher sicher auch wünschen würden. Wer nämlich mit dem Auto angereist ist, muss rund 20 Minuten im Verkehrschaos warten, um vom Parkplatz auf die Straße zu kommen. Die Zuschauer gaben sich somit an beiden Abenden gegenseitige Zugaben in Form von Hupkonzerten.