Auch durch Meßstetten rasten die Radfahrer der Deutschlandtour. Foto: Wysotzki

Die Deutschlandtour rauschte auch durch Meßstetten und Obernheim. An den Straßen standen die Zuschauer und staunten über den rasanten Sport. In Obernheim war eine Partymeile aufgebaut zum radsportlichen Ereignis. Dort herrschte eine grandiose Stimmung.

Das ist Obernheim! Satte 18 Prozent Steigung auf der Bergetappe der „Lidl Deutschland Tour“, eine von vielen Besuchern gesäumte Rennstrecke und im Ortszentrum Party pur. Da freute sich am Samstag die erfahrene Radelite.

 

Fähnchen, Rasseln, Hupen, Pfeifen, aufgeregte Zuschauer, fröhliche Kinder, dazu Medienvertreter auf Motorrädern: Da war ordentlich was los in der Randgemeinde des Zollernalbkreises auf knapp 1000 Metern! „Wann kommt ein Radrennen schon einmal durch Obernheim, quasi an der Haustüre vorbei?“, brachte es eine Obernheimerin auf den Punkt, die sich schnell mit kühlem Mineralwasser versorgte. Kein Wunder also, dass der gesamte Ort auf den Beinen zu sein schien, alt wie jung. Manch einer, der sich den Stich zu Fuß bei knapp 30 Grad hoch quälte, empfand tiefes Mitleid mit den Profiradsportlern. Obernheim heizte der Elite also mächtig ein – und zwar in jeder Hinsicht.

Bergetappe bei Tanneck

Denn lange vor der Durchfahrt des weit mehr als 100 Mann starken Radlertrosses fanden sich die Fans an der Bergetappe in Richtung Tanneck ein. Die einen waren auf den Heuberg gewandert, die anderen stilecht mit dem Bike angereist. Und dazu waren auch die Obernheimer selbst interessierte Zaungäste. Die Strecke führte aus Richtung Oberdigisheim an Schäferbrunnen und Festhalle vorbei über Tanneck in Richtung Landkreis Tuttlingen dem Ziel Villingen-Schwenningen zu. Überall entlang der Trasse im Ort wurden Campingstühle und Gartenbänke geschleppt und Kühlboxen fürs Getränk hervorgesucht. Die einen organisierten sich einen Pavillon gegen die Sonne, die anderen orderten beim Nachbar noch einen großen Schirm für die jüngsten Gäste, die erwartungsfroh „Laola-Wellen“ probten und die Girlanden schwangen. Fotoapparate und Smartphones wurden angesichts dieser Fülle gerne gezückt.

Der Tross kündigt sich lange vorher an

Der Radlertross kündigte sich – zur Freude der Fans – schon lange vorher an. Teamfahrzeug um Teamfahrzeug, beladen mit Rädern und allerlei Equipment, schob sich hupend die Strecke entlang. Dazu kamen die Begleitfahrzeuge der Tour und zig Polizeimotorräder. Sie wurden ebenfalls frenetisch gefeiert. Kurz vor 15.30 Uhr war es dann so weit: Der Tross fuhr in Obernheim ein. Kaum zu glauben, dass die Herren zu diesem Zeitpunkt rund 150 Kilometer in den muskulösen Waden hatten. In rasantem Tempo flitze die Vorhut durch, kurz darauf folgte das Hauptfeld. Mit dabei: Radgrößen wie Simon Geschke, bekanntermaßen Bergexperte. Er beendet demnächst seine Karriere und wird Vater.

Am Schluss wird „abgeschildert“

Während im Obernheimer Zentrum rund ums „Posthaus“ fröhlich der laue Sommerabend zelebriert wurde, fuhr die Nachhut des Rennens durch. Zuerst räumte die Mannschaft eines großen Lasters alle Straßensperrungen ab. Danach folgte die Agentur „Inflame Events“, die für das Abschildern zuständig ist. Jens Mengel-Vornhagen und Arnd Mengel waren begeistert von der Obernheimer Radsport-Partymeile. „Was für eine Stimmung“, staunten beide. Eingeteilt zum „Abschildern“ der Streckenmarkierungen fuhren sie mit gut einer Stunde Zeitversatz die komplette Strecke hinter dem Feld der Deutschlandtour her. Eine spannende Aufgabe, erzählten die beiden begeistert und nahmen dankbar ein kühles Getränk an.

Auch die Frauen kommen in die Region

Mitte September ist ihr Team übrigens wieder in der Region: beim „Women’s Cycling Grand Prix“ in Stuttgart. „Die coole Szenerie hier bei Euch“, sagte Mengel-Vornhagen beim Abschied und schmunzelte, „macht definitiv große Lust darauf.

Auch in Meßstetten schwitzen Zuschauer und Radsportler

Die Zuschauer schwitzten bei 29 Grad in Meßstetten. Viele verzogen sich in die Schatten eines größeren Gebäudekomplexes direkt an der Hauptstraße. Die Reaktionen waren eher zurückhaltend. Die Handys liefen dafür um so mehr. Erst nach der Vorbeifahrt unterhielten sich die Leute etwas angeregter. In der Nähe des Rathauses im Schatten eines großen Wohnblocks warteten die nicht gerade zahlreichen Zuschauer auf die Deutschlandtour, die auch durch Meßstetten rauschte. In der Eisdiele im Erdgeschoss herrschte Hochbetrieb. Mit einiger Verzögerung zur vorhergesagten Zeit jagte ein Viererfeld die steile Hauptstraße von der Volksbank in Richtung Rathaus. Der Vierergruppe folgte dicht auf ein Kamerateam auf einem Motorrad. Wenig später raste das Peloton dicht an dicht ebenfalls an dieser Stelle vorbei. Manche Zuschauer machte das Zusehen sprachlos: „Wie kann man so schnell so dicht an dicht fahren?“ Nach der rasanten Vorbeifahrt sprachen die Zuschauer über das Gesehene.