Tübingens OB Boris Palmer will die Menschen mit finanziellen Anreizen vom ÖPNV überzeugen. Samstags kann man in der Unistadt kostenlos Bus fahren, das Deutschlandticket gibt es 15 Euro günstiger. Foto: imago/Eibner, dpa/Jan-Philipp Strobel

Das Deutschlandticket soll 2025 teurer werden. Der Tübinger OB Boris Palmer sieht das kritisch. In der Unistadt wird das 49-Euro-Ticket zusätzlich bezuschusst – und erfährt eine enorme Nachfrage. Aber ob die Stadt die Ermäßigung halten kann?

Das Deutschlandticket wird teurer – nicht sofort, aber im kommenden Jahr soll es eine Preiserhöhung geben. So haben es die Verkehrsminister der Länder angekündigt. Dann ist Schluss mit der Nutzung des ÖPNV in ganz Deutschland für 49 Euro monatlich. Wie viel mehr das beliebte Ticket dann kosten wird, wollen die Verkehrsminister bei weiteren Beratungen im Herbst entscheiden.

 

Einnahmen aus Parkgebühren fließen in Zuschuss für Deutschlandticket

Kritisch blickt man in Tübingen auf diese Entwicklung, dort erfährt das Deutschlandticket eine besonders hohe Nachfrage. Denn die Unistadt wollte ihren Bürgerinnen und Bürgern im vergangenen Jahr für die ÖPNV-Nutzung einen noch größeren finanziellen Anreiz bieten: Statt 49 Euro zahlen alle mit Wohnsitz in Tübingen lediglich 34 Euro für das deutschlandweite Ticket. Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) ist überzeugt, damit eine „relevante Gruppe“ von Menschen zu erreichen, die das Auto bei solch einem Preis eher mal stehen lasse.

Insgesamt rund zwei Millionen Euro lässt sich die Stadt den Zuschuss im aktuellen Haushalt kosten – finanziert aus den Mehreinnahmen von etwa vier Millionen Euro durch die Erhöhung von Parkgebühren. Das 15 Euro günstigere Ticket lockt offenbar viele an: Rund 30.400 verkaufte Deutschlandtickets betreut das Tübinger Abocenter des zuständigen Verkehrsverbunds, davon knapp 23.000 in einer der vergünstigten Tübinger Varianten. Mit Blick auf die rund 90.000 Einwohner in der Unistadt nutzt also etwa jeder Dritte das Deutschlandticket. Bundesweit sind es monatlich 11,2 Millionen Abonnenten, also ungefähr jeder Siebte.

Samstags kostenlos Bus fahren in Tübingen

In Baden-Württemberg ist dem Städtetag keine andere Stadt bekannt, die dem Tübinger Beispiel mit der Ermäßigung für alle Bürger der Stadt folgt. Doch wegen der von den Bundesländern angekündigten Preiserhöhung im kommenden Jahr sagt Palmer: „Dann wird es auch in Tübingen teurer. Denn dass wir den Zuschuss von 15 Euro pro Ticket noch einmal erhöhen, ist ausgeschlossen.“ Dafür sei die Haushaltslage zu angespannt.

Selbst die aktuelle Ermäßigung stehe wegen der finanziellen Lage auf der Kippe, aber darüber werde der Tübinger Gemeinderat im Herbst beraten. Die Stadt versucht, die Menschen auch mit anderen Anreizen vom ÖPNV zu überzeugen: Samstags etwa kann man in der Unistadt kostenlos Bus fahren. Jenes Angebot gilt aber nicht nur für die Tübinger, sondern für alle.