Dem Bundekanzler gehen seine treuesten Fans von der Fahne. Die Junge Union hat gute Argumente für ihre Rebellion gegen die Rentenpolitik, kommentiert unser Autor Reiner Ruf.
Der Auftritt von Friedrich Merz auf dem Deutschlandtag der Jungen Union im Freizeitpark Rust hat die Qualität, zum Menetekel für den Kanzler zu werden. Über Jahre hinweg wurde Merz frenetisch gefeiert, wo immer er beim Parteinachwuchs der Union auftauchte. Das verhielt sich dieses Mal anders, und man muss sagen: Es war brutal anders.
Fiel der Empfang noch warm aus, herrschte während der Äußerungen von Merz zu den Rentenplänen der Bundesregierung gespenstische Stille. Das verwunderte nicht. Die Rede war schwach, die Junge Union hat gute Argumente für ihre Rebellion gegen die Rentenpolitik. Eine schrumpfende Bevölkerung und versicherungsfremde Leistungen, die aus der Rentenkasse finanziert werden, bedeuten eine Last für die Zukunft. Dazu kommt die Schulden-Billion, mit der die Union ihr Versprechen gebrochen hat, die Schuldenbremse nicht anzutasten.
Eine Erbengeneration, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab
Auf der anderen Seite konnte man in Rust nicht übersehen, dass mit den Jungunionisten eine Erbengeneration, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab, in der Halle saß. Investitionen, die jetzt nachgeholt werden, nützen den Jüngeren mehr als den Alten.
Dass die Renten in Deutschland hoch wären, kann auch niemand behaupten. Das sieht bei den Beamtenpensionen anders aus. Äußerungen wie jene von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, dass die Rente künftig nicht mehr zum Leben reichen werde, tragen sicher nicht zum gesellschaftlichen Frieden bei.
Reform oder Stabilität – Merz muss beides leisten, sonst könnte es schneller mit seiner Kanzlerschaft vorbei sein, als er denkt.