Der italienische Weltklassesprinter Jonathan Milan siegte in Villingen. Das freute VS-Oberbürgermeister Jürgen Roth und auch die Schwarzwald-Marie. Foto: Wittmann

Das große Radsport-Fest in der Region brachte die Königsetappe der Deutschland-Tour. Der italienische Topsprinter Jonathan Milan siegte in Villingen im Massenspurt.

Tausende von Radsportfans jubelten Milan zu, als er aus dem 211 Kilometer entfernten Schwäbisch Gmünd als Erster über die Ziellinie bei der Neuen Tonhalle in Villingen fuhr. VS-Oberbürgermeister Jürgen Roth mit Trachtenträgern aus Villingen und Schwenningen gratulierte als Erster und übergab dem Gewinner eine Wanduhr.

 

Zuschauer begeistern die Profis

„Die Zuschauer waren toll, haben mich voll motiviert. Dank aber auch an meinen Teamkameraden Mads Pedersen, der mir den Sprint angefahren hat“, so der 23-jährige Milan, der seinen dritten Etappensieg bei der Deutschland-Tour feiern konnte. „Ich habe Jonathan gerne geholfen, er gehört zu den besten Sprintern der Welt. Wir sind als Team mit dem Ausgang dieser Etappe mehr als glücklich“, meinte der am Samstag weiter im Gesamtklassement führende Petersen.

Wer in Villingen sah, mit welchem Tempo die Radprofis nach über 200 Kilometern und rund 3000 Höhenmetern bei großer Hitze in die Schlussrunde und in den Schlussspurt gingen, war doch einigermaßen ungläubig. Oder war die Strecke doch nicht so schwer, wie von den Organisatoren angekündigt? „Ich kann versichern, die Strecke war sehr schwer, vor allem im ersten Teil, als es ständig rauf und runter ging“, sagte Pedersen unserer Redaktion.

Simon Geschke wird gefeiert

20 Kilometer vor dem Ziel, war die Steigung „Zur Zolltafel“ in Weilersbach zu bewältigen, hier wurde der einstige Tour-de-France-Etappensieger Simon Geschke besonders gefeiert. Der Spitznamen des 38-Jährigen, „Simoni“, der nach der Saison sein Rad an den Nagel hängt, war vielfach auf die Straße gepinselt worden.

„Etwas Besonderes“ für Jonas Koch

„Es war ein brutales Rennen, die Hitze war extrem“, erklärte Jonas Koch im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Rottweiler musste für sein Bora-Team Helferdienste für Jordi Meeus leisten, der im Sprint Dritter wurde. Koch kam dennoch mit dem Feld als 58. ins Ziel, zeitgleich mit dem Sieger gewertet. „Es war wirklich was ganz Besonderes. Als wir immer mehr auf die Heimat zugesteuert sind, wurde die Freude immer größer“, berichtete Koch. Und der 31-Jährige bekam Unterstützung von Familie und Bekannten am Straßenrand. „Familie und Freunde konnten die ganzen Anstrengungen vergessen machen. Es war eine einmalige Sache die ich sehr genossen habe.“

OB Roth, der die Glocke zur Zusatzschlussrunde in Villingen hatte läuten dürfen, hätte sich für seine Stadt einen deutschen Etappensieger gewünscht. Dies wäre tatsächlich beinahe so gekommen. Max Kanter aus Cottbus vom Team Astana belegte vor den Augen des bislang einzigen deutschen Tour-de-France-Gesamtsiegers (1997) Jan Ullrich den zweiten Rang.

Jan Ullrich vor Ort

Ullrich war begeistert: „Ich liebe den Radsport und freue mich, wenn ich ihn irgendwie voranbringen kann. Die Gegend hier mag ich ohnehin besonders.“ Klar: Nur wenige Kilometer von der Doppelstadt, in Bad Dürrheim, hatte Ullrich jüngst sein eigenes Museum eröffnet, das sich großer Beliebtheit erfreut. Er war 2001 in der Kurstadt deutscher Meister geworden.

Jens Voigt betreut die Kleinsten

Und noch ein großer ehemaliger deutscher Rennfahrer war vor Ort: Jens Voigt, der 2001 und 2006 jeweils Etappen bei der Tour de France gewann und 2006 und 2007 die Gesamtwertung der Deutschland-Tour für sich entschied. Voigt begleitet die gesamte Tour, betreut dort jeweils das Kinder- und Laufradrennen der Kleinsten im Rahmenprogramm.

Ein großes Lob an Villingen-Schwenningen

Voigt, selbst sechsfacher Familienvater: „Die Kids haben hier in Villingen-Schwenningen großartig mitgemacht. Außerdem habe ich gelernt, dass es einen Unterschied zwischen Villingen und Schwenningen gibt. Villingen gehörte früher zu Baden und Schwenningen zu Württemberg.“

Richtig, Jens Voigt, und der Mann aus Berlin wurde auch darüber aufgeklärt, dass Villingen mit Vogel-„V“ und nicht wie mit Willingen-„W“ ausgesprochen wird, wie es nicht nur Voigt, sondern auch so manch anderer Fernsehexperte getan hatte. Schließlich sind in Willingen im Sauerland die Skispringer aktiv und in Villingen im Schwarzwald die Radfahrer.

Toller Zuschauerzuspruch

Und dann gab es noch mal Lob für VS. Matthias Pietsch, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Radsports mbH, die die Deutschland-Tour veranstaltet, zog ein zufriedenes Resümee: „In Villingen-Schwenningen hat alles reibungslos geklappt, wir hatten tollen Zuschauerzuspruch, das war ein Top-Publikum.“