Die "Montfort-Uhr" wird mit einem dreisprachigen Flyer, ein Foto des Bludenzer Werkes und ein Bild von Hugo II. von Tübingen ausgestellt. Foto: Kouba

Geschichte: Exponat im Uhrenmuseum mit Überlegungen zu altem Grafengeschlecht

Furtwangen (kou). Wieder hat das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen ein beziehungsreiches Objekte für den Monat Oktober ausgewählt: eine "Montfort-Uhr" – ergänzt mit Adels-Historik.

Der stellvertretende Leiter des Museums, Johannes Graf, versteht es hierbei wieder, auf wirtschaftliche Interessen und Reminiszenzen an bedeutende Adlige aufmerksam zu machen. Schon in früherer Zeit praktizierte man Steuerflucht, Umgehung von Zöllen und internationale Standbeine. Doch zunächst zum Objekt: Es handelt sich um eine recht harmlos aussehende Taschenuhr einer Schweizer Firma, produziert im österreichischen Bludenz um 1930. Auffallend ist also "Made in Austria". Wieso Bludenz? 1903 eröffnete die Firma Obrecht & Cie. aus Grenchen/Solothurn im vorarlbergischen Grenzgebiet einen Betrieb zur Montage von Taschenuhren. Seit den späten 1880er Jahren hatte Österreich-Ungarn Schweizer Uhren mit Einfuhrzöllen belegt. Um diese Abgaben zu umgehen, importierten die Schweizer Fertigungsteile nach Bludenz, um dort die Uhren zusammen zu bauen.

Die Cleverle errichteten daneben weitere Montagebetriebe im deutschen Konstanz und im französischen St. Louis (Haut Rhin). 1922 übernahmen die Brüder Josef und Otto Plangg sowie Oskar Pfluger das Unternehmen Obrecht & Cie.

Als Markenname wurde "Montfort" gewählt, der Titel eines Adelsgeschlechts, das in der Bodenseeregion seine Spuren hinterließ. Die reichsunmittelbar regierenden Grafen blickten auf eine bis ins 10. Jahrhundert zu datierende Geschichte zurück. Zu den bedeutenden Anfängen trug Hugo II., Pfalzgraf von Tübingen (gestorben 1182) bei. Durch die Heirat mit einer Bregenzer Gräfin bereicherte er sein Habe mit Besitz in Bregenz, Montfort und Sigmaringen. Das Territorium wurde um Feldkirch und Tettnang erweitert. Die Vertreter des Hauses Montfort hatten Sitz und maßgebliche Stimme bei Reichstagen und noch heute kann man "Montfort" dank zahlreicher Zeugnisse in Oberschwaben, Ostschweiz und Vorarlberg erkennen.

Beim Ausstellungsstück kann man die Stiftankerhemmung in "Roskopf-Bauweise" entdecken, benannt nach einem Uhrmacher. Die Werke zeichneten sich durch eine robuste, preiswerte Bauart mit gekröpftem Anker und großem Federhaus aus. Ein Sekundenzeiger fehlte.

Vor dem zweiten Weltkrieg wurden täglich rund 900 Uhren fabriziert. Nach Rückgängen in den Kriegsjahren wurden die Schriftzüge verändert, aber technische Veränderungen mit billigen Erzeugnissen rissen das Ruder nicht herum. 1967 musste Konkurs angemeldet werden und trotz Übernahme durch die Uhrenfabrik Silvalux war ein Jahr später endgültig Schluss. Weitere Informationen im Internet unter: blog.deutsches-uhrenmuseum.de