Jeden Tag werden in Deutschland 15 000 Blutspenden benötigt. Wie es sich anfühlt, Blut zu spenden, wollte eine Reporterin der Redaktion in Calw hautnah erfahren.
Die Nadel wird angesetzt, ein kurzer Druck, dann ein Stich. Ich halte den Atem an. Kurz spüre ich ein Ziehen, dann fließt das dunkelrote Blut in den Schlauch.
Das Blut der Vene ist sauerstoffarm, was die dunkelrote Färbung bewirkt. Neben mir erklärt die Ärztin: „Der Blutspendeapparat macht kein Geräusch – das Blut läuft schnell genug aus.“
Wie es dazu kam – das ist für die Spende wichtig
Zurück zum Anfang: Ich hatte mich online über das Deutsche Rote Kreuz (DRK) für einen Termin in der Schwarzwaldhalle in Altburg angemeldet. Vor mir bildet sich eine lange Schlange der wartenden Teilnehmer – ich habe mir wohl die Stoßzeit ausgesucht. Trotzdem werde ich überraschend schnell aufgerufen.
„Erstspende?“, fragt die DRK-Mitarbeiterin prüfend. Ich nicke. Sie überreicht mir mehrere Formulare und führt mich zu einem Tisch, an dem ich den Fragebogen ausfülle. Ein Strichcode darauf bestimmt, ob mein Blut verwendet werden darf.
Der anonyme Selbstausschluss ist eine Möglichkeit, sein Blut bei Unsicherheiten für eine weitere Verwertung auszuschließen.
So läuft der Gesundheitscheck ab
Anschließend geht es in den Wartebereich für den Gesundheitscheck. Temperatur, Blutdruck und Hämoglobinwert werden geprüft. Ein kurzer Stich in den Finger – „alles im Normbereich“, sagt der Arzt, was mich beruhigt. Danach folgt das kurze Beratungsgespräch.
Bei sehr niedrigem Blutdruck oder wenn vorher zu wenig getrunken wurde, kann es zu Schwindel kommen. Eine Ohnmacht ist aber die absolute Ausnahme und trifft weniger als ein Prozent der Blutspender. Die Mitarbeiter sind auf alles vorbereitet.
Eine Rückfrage habe ich noch: „Muss man als Frau bei einer Blutspende Bedenken haben, wenn man seine Periode hat?“, frage ich. „Das ist nicht optimal, aber grundsätzlich spricht nichts dagegen.“ Ich gehe in den Wartebereich für die Blutspende.
Der Ablauf der Blutspende und Nachsorge
Nach kurzer Zeit wird eine Liege frei, ein Mann lässt mir den Vortritt. Die Ärztin begrüßt mich freundlich und weist mir einen Platz zu. Ich mache meinen Arm frei, atme tief ein und spüre ein leichtes Gefühl der Unbehaglichkeit.
Die Ärztin setzt die Nadel an der Vene unterhalb der Ellenbeuge an. Kurz spüre ich den Einstich, dann fließt auch schon das Blut. Erst wird der Testbeutel mit 250 Millilitern gefüllt – „das machen wir bei Erstspendern immer, um das Blut zu testen“, anschließend der größere Beutel mit einem halben Liter.
Ich beobachte, wie Milliliter für Milliliter in den Beutel fließen. Nach etwa fünf Minuten ist die Spende abgeschlossen. Anschließend werde ich zur Ruheliege gebracht. Zehn Minuten soll ich liegen bleiben, um sicherzustellen, dass es mir gut geht.
Nach der Ruhephase hole ich mir einen Kaffee vom Kuchenbuffet und setze mich an einen großen Gemeinschaftstisch. Am Ausgang stehen Getränke und eine kleine Lebensmitteltüte bereit, die sich die Spender anschließend mitnehmen dürfen.
„Das hier ist meine 48. Spende“
Alles ist gut organisiert und gibt den Spendern Sicherheit. Ich komme mit einer Frau ins Gespräch, die mir gegenüber sitzt: „ Das ist meine 48.Spende.“
Die Frau erzählt mir, dass sie seit ihrem 18. Lebensjahr Blut spenden geht. „Durch die Blutspende wird das Blut erneuert – mit positiven Effekten für meinen Körper“, erzählt sie begeistert.
Mehrere Studien, darunter eine Studie unter Beteiligung des DRK-Blutspendedienstes, zeigen, dass sich regelmäßiges Blutspenden positiv auf die Gesundheit und Fitness des Körpers auswirken kann.
Wer regelmäßig Blut spendet, profitiert zudem von wiederholten Gesundheitschecks: Vor jeder Spende wird das Blut auf Infektionen wie HIV, Hepatitis B und C sowie Syphilis getestet. Außerdem werden wichtige Blutwerte kontrolliert, darunter Hämoglobin (Eisenwert) und Hämatokrit (Anteil der roten Blutkörperchen).
Die Regeneration der Flüssigkeit von Wasser und Eiweißen im Blutplasma wird sehr schnell, oft innerhalb von 24 bis 48 Stunden, ersetzt. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) werden im Knochenmark neu gebildet und sind nach etwa zwei Wochen wieder im Blutkreislauf.
Dafür habe ich vom Arzt vor Ort Eisentabletten bekommen, um die Regeneration zu unterstützen. Nach weiteren zehn Minuten informiert mich ein Mitarbeiter des DRK, dass ich nun gehen darf.
Als ich die Schwarzwaldhalle verlasse, nehme ich vor allem eines mit: Jeden Tag werden in Deutschland 15 000 Blutspenden benötigt.
Jede dritte Person ist im Laufe ihres Lebens auf eine Blutspende angewiesen. Wer bisher gezögert hat, sollte sich den Schritt überlegen. Der persönliche Aufwand ist gering, der Nutzen ist immens. Und letztendlich kann eine Blutspende auch positive Auswirkungen auf den eigenen Körper und Psyche haben.
So geht es mit der Blutspende weiter
„Die Blutbeutel werden nach Baden-Baden transportiert“, erklärt mir ein DRK-Mitarbeiter. Das dortige Institut stellt die Versorgung von mehr als 35 Krankenhäusern in Baden-Württemberg mit Blutprodukten sicher.
Das Blut wird zentrifugiert und in seine Bestandteile aufgeteilt. In Blutplasma, aus dem auch Arzneimittel zum Beispiel für die Krebstherapie hergestellt werden. In rote Blutkörperchen (Erythrozyten) für die Versorgung der Körperzellen bei zum Beispiel hohen Blutverlusten. Und in Blutplättchen (Thrombozyten), die wichtige Aufgaben bei der Blutgerinnung haben.
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) werden aus den Blutprodukten entfernt, da sie nicht eingesetzt werden können.
Dadurch, dass aus einer Blutspende bis zu drei Blutpräparate entstehen, kann ein Blutspender mit nur einer Spende bis zu drei Menschen helfen.
Nach der ersten Spende erhält jeder einen Blutspendeausweis mit der Blutgruppe. Im Notfall kann das wertvolle Zeit sparen.
Blutprodukte haben unterschiedliche Haltbarkeiten: Gefrorenes Plasma hält bis zu drei Jahre, Erythrozyten 28 bis 49 Tage und Thrombozyten nur etwa vier Tage.
Die DRK-Blutspendedienste sind als gemeinnützige GmbH (gGmbH) organisiert und arbeiten kostendeckend und nicht gewinnorientiert. Nach dem deutschen Transfusionsgesetz soll eine Blutspende in erster Linie unentgeltlich erfolgen.