DHHN Vorsitzender Julian Kirschner leitete bereits viele Hilfsgütertransporte. Foto: Kirschner

Ungefähr 50 LKWs der Deutschen Humanitären Hilfe Nagold (DHHN) sind seit Kriegsbeginn in die Ukraine gefahren, voll beladen mit Hilfsgütern. Das war nicht immer ungefährlich.

„Und dann ist plötzlich sämtliches Licht an der Grenze ausgegangen und es hieß, wir dürfen uns nicht mehr rühren, bis die Sirenen wieder verstummt sind.“ Das sind Szenen, die für Julian Kirschner von der Deutschen Humanitären Hilfe Nagold e. V. (DHHN) mit Sitz in Spielberg wohl schon fast zu einer Art Normalität geworden sind.

 

Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine sind er und seine Helfer schon ganze 18-mal in das Land gefahren, um Hilfsgüter auszuliefern. Nicht weit von der ukrainisch-ungarischen Grenze betreibt der Partnerverein der DHHN, die Waisen- und Jugendhilfe Ukraine e.V., ein Waisenhaus in Uschgorod.

Die Hilfsgüter werden auf dem Gelände ebenjenes Waisenhauses in einer großen Lagerhalle zwischengelagert, wo sie dann von ukrainischen ehrenamtlichen Helfern abgeholt und in das Kriegsgebiet im Osten der Ukraine gebracht werden.

Zu Beginn des Krieges höhere Spendenbereitschaft

„Gerade fahren wir alle zwei bis drei Wochen in die Ukraine. Inzwischen nur noch mit zwei LKWs, am Anfang vom Krieg hatten wir aber zum Teil riesige Konvois mit acht LKWs. Damals haben auch viele Firmen aus der Umgebung gesagt, sie wollen mitfahren“, erzählt Kirschner.

Zu Beginn des Krieges sei die Spendenbereitschaft noch viel höher gewesen: „Wir bekommen zwar immer noch viele Sachen gespendet und werden toll unterstützt, aber am Anfang war das gewaltig“, erinnert sich der Transportleiter der Hilfsgütertransporte und Vorsitzende der DHHN zurück.

Alles ist stillgestanden

Anlässlich des traurigen Jahrestages des Ukraine-Krieges erinnert sich Kirschner auch an jene Momente zurück, in denen er und seine Helfer ernsthaft um ihre Sicherheit besorgt waren. „Einmal hatte unser Konvoi aus acht LKWs schon fast die ukrainische Grenze passiert, als auf einmal der Bombenalarm losging und laute Sirenen erklungen sind – die Sirenen gehen immer im ganzen Land los, da die Ukrainer ja nicht wissen, wo die Raketen hinfliegen. Einer unserer LKWs stand zu diesem Zeitpunkt noch vor der Grenze“, schildert Kirschner jene nervenzerreißenden Augenblicke.

Ein LKW der DHHN, der darauf wartet, die Grenze passieren zu dürfen. Foto: Kirschner

Nachdem das Licht an der Grenze ausgegangen war, war Kirschner zu den Zollbeamten zurückgelaufen. „Dort habe ich gefragt, ob der letzte LKW nicht auch noch hereindarf, aber es hat geheißen: ’Nein, sie dürfen sich nicht rühren, nichts machen, bis der Bombenalarm vorbei ist’.“ Für den Fahrer des besagten LKWs sei dies sicher ein sehr unangenehmes Gefühl gewesen, so Kirschner. An der Grenze herrschte dann erst einmal Stillstand.

Erst als die Sirenen dann nach ungefähr einer halben Stunde verklungen waren, konnte es wieder weitergehen. In unmittelbarer Nähe der Stelle, an der die DHHN die Hilfsgüter abliefert, sei glücklicherweise noch nie eine Bombe eingeschlagen. „Inzwischen sind wir an das alles gewöhnt und fühlen uns auch relativ sicher dort, obwohl man natürlich nie weiß, was kommt“, sagt Kirschner.

18-mal hat die DHHN seit Kriegsbeginn Hilfsgüter in die Ukraine gefahren. Foto: Kirschner

Während der Fahrt von hinten beschossen

Größeren Gefahren seien die ukrainischen Helfer ausgesetzt, die die Hilfsgüter von dem Zwischenlager in Uschgorod abholen und in den Osten fahren, so Kirschner. So sei einmal ein Kleinbus, gefüllt mit Hilfsgütern und auf dem Weg in das Kriegsgebiet, während der Fahrt von hinten beschossen worden. Der Fahrer hatte großes Glück, denn die Hilfsgüter haben die Kugeln aufgefangen. Ein anderer Kleinbus sei von einer Rakete getroffen worden. Der Fahrer sei ebenfalls unverletzt geblieben, weil er gerade außerhalb des Fahrzeugs einem dringenden Bedürfnis nachgekommen sei.

Auf der Homepage der DHHN findet man Videos und Reiseberichte der „Konvois der Hoffnung“.

Info

Die DHHN
Die Deutsche Humanitäre Hilfe Nagold e.V., kurz DHHN, ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein mit Sitz in Spielberg bei Altensteig. „Hilfe, die ankommt“ lautet der Leitspruch der Organisation, die im Jahr 2000 in der alten Furnierhalle der Firma Dieterle in Nagold den ersten Lastwagen auf Reisen schickte. Inzwischen ist die DHHN auf vielfältige Weise aktiv. Unter anderem hat die DHHN in der weißrussischen Stadt Minsk ein Zentrum für Drogen- und Alkoholabhängige eingerichtet, in der Ukraine ein Dorf-Krankenhaus in Ilawts finanziell unterstützt und unter Mithilfe des Jugend-, Missions- und Sozialwerks (JMS) in Uschgorod an der Grenze zu Ungarn ein Jugendhaus für ältere Waisenkinder eröffnet.