Volker Schoch hat einigen Anteil am Aufstieg der Steelers Bietigheim in die DEL, doch der Geschäftsführer stand schon massiv in der Kritik. Er hat sich ein breites Kreuz antrainiert.
Bietigheim-Bissingen - Erfolg hat viele Väter. Misserfolg oft nur einen. Volker Schoch kennt den Spruch und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. „Wenn es bei den Steelers nicht läuft, bin ich schuld“, sagt der Geschäftsführer des Eishockey-Clubs aus Bietigheim. Wenn man im Zentrum der Kritik steht, muss man standhaft sein wie das Zugspitzmassiv, um nicht von der Landkarte geblasen zu werden. Diese Eigenschaft kann Schoch für sich beanspruchen.
Im Frühjahr 2018 war er von vielen als „Totengräber der Steelers“ geschmäht worden, weil er den Vertrag mit Kevin Gaudet nicht verlängert hatte. Der Erfolgstrainer, der den Club zu zwei DEB-Pokalsiegen sowie zwei Zweitliga-Meisterschaften geführt hatte, belastete die Kasse so schwer, dass die Kosten rund ums Team hätten zur Insolvenz führen können.
Die Sparmaßnahmen taten weh, aber langsam ging es wieder aufwärts. Als den Steelers im Sommer 2020 die Lizenz für die DEL 2 verweigert worden war, prasselten noch bösartigere Worte wie ein Starkregen auf den Manager ein. „Es war der schwerste Schlag, den ich in diesem Club verkraften musste, seit ich mein Amt 2013 angetreten habe“, erzählt der 56-Jährige, der betont, dass die Ursachen für die Lizenzverweigerung außerhalb seines Machtbereiches gelegen hatten. Aber: Er war derjenige, der die Scharte auswetzte. Schoch besorgte die nötige Bürgschaft – und der Club aus dem Ellental feierte kein Jahr nach der Lizenzaffäre den Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga (DEL). „Trotz der Lizenzwirren, trotz zweier Team-Quarantänen und andern Corona-Begleiterscheinungen haben wir unbeirrt an unserem Leitfaden festgehalten“, betont Schoch, „sicher brauchten wir auch Glück, aber selbst das muss man sich verdienen.“
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Das ist der Kader der Steelers
Nun bestreiten die Steelers an diesem Dienstag beim Test in der Schweiz gegen Erstliga-Aufsteiger HC Ajoje ihr erstes Match als DEL-Mitglied, für den Geschäftsführer ist es die sportliche Bestätigung seines wirtschaftlichen Schaffens. Der Schwabe kommt nicht aus dem Dunstkreis des Eishockeys, er kommt aus dem Maschinenbau und der Elektrotechnik, hat elf Jahre bei Trumpf in Ditzingen gearbeitet und sich danach in den Bereichen technische Gebäudeausstattung und Sicherheitstechnik selbstständig gemacht. Finanziell ist er nicht vom Amt bei den Steelers abhängig, es ist für ihn dennoch weit mehr als eine Aufgabe. Es ist eine Berufung. Aus der Wirtschaft hat er die Grundzüge seiner Philosophie mitgebracht. „Man muss einen Sportverein wie ein Unternehmen führen“, sagt er, „man hat ein Produkt, das man herstellen und vermarkten muss. Dazu benötigt man eine gute Ausstattung bei Personal und den Arbeitsmitteln sowie eine leistungsfähige Organisation.“
Schoch hält alle Fäden in den Händen
Das hat sich der Geschäftsführer in acht Jahren um sich herum aufgebaut, was nicht bedeutet, dass er als Supervisor nur alle Fäden in den Händen hält und seine Mitarbeiter dirigiert. Natürlich kümmert sich Volker Schoch um die strategischen Aufgaben, um die Verträge bei der Steelers Spielbetriebs GmbH und darum, dass die Profis Wohnungen und Autos sowie eine Ausrüstung erhalten – oder er erklärt den ausländischen Spielern, wie das Gesundheitssystem funktioniert und empfiehlt Neuzugängen mit Familien eine Kita oder Schule.
Doch er vertraut in seiner „gut strukturierten Organisation“ darauf, dass die von ihm zugewiesenen Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit erfüllt werde. „Es geht darum, wertschätzend mit Menschen umzugehen“, sagt der Manager, „darin kenne ich mich aus. Dafür muss man nicht Eishockey spielen können.“ Als Beleg nennt er, dass kein Profi während des Lizenzwirrwarrs den Club verlassen hat, obwohl er es hätte problemlos tun können, und dass sich viele Ehrenamtliche seit Jahren für die Steelers einsetzen, sei es beim Erstellen des Stadionblattes oder beim Aufstellen der Tore auf dem Eis. Dass so viele Menschen ihre Freizeit für den Club opfern, sei ein Indiz für den Bestand einer „Steelers-Familie“.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Deshalb erhielten die Steelers die DEL-Lizenz
Schlechte Zeiten, gute Zeiten. Volker Schoch hat sie in dem Bietigheimer Club erlebt, er liebt die Herausforderung, sich (und seinem Umfeld) zu beweisen, dass man auch im Kleinen Großes schaffen kann. „Ich habe gelernt, niemals aufzugeben und auch nicht alles an mich heranzulassen“, sagt der Geschäftsführer. Seit 2013 hat er sich ein breites Kreuz antrainiert und sich Nehmerqualitäten angeeignet. Die braucht man im Eishockey nicht nur als Profi auf dem harten Eis, sondern auch als Manager auf dem bequemen Bürosessel. Falls es irgendwann einmal nicht mehr ganz so gut läuft wie gewünscht.