Deutschland und Großbritannien wollen in Verteidigungsfragen stärker zusammenarbeiten. Eine gute Nachricht, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.
Boris Pistorius bot seinem britischen Gast einen herzlichen Empfang. Der Bundesverteidigungsminister begrüßte seinen neuen Amtskollegen John Healey – den „lieben John“ – aus dem Vereinigten Königreich zum Antrittsbesuch in Berlin. Auch Healey tat sein Bestes, um sich als guter Gast zu präsentieren und lobte Deutschland für die Unterstützung der Ukraine. Londons neue Labour-Regierung versucht wieder stärker auf die Europäer zuzugehen. Das ist eine gute Nachricht. Und Deutschland sollte die ausgestreckte Hand ergreifen. Denn Großbritannien mag nicht mehr Teil der EU sein, Teil Europas und Teil der Nato es weiterhin – und so hat man viele gemeinsame Interessen.
Pistorius und Healey unterzeichneten auch ein Abkommen, mit dem man die Beziehungen auf ein „neues Fundament“ stellen wolle. Dabei geht es um mehr Kooperation im Verteidigungsbereich: gemeinsame Rüstungsprojekte, vertiefte Zusammenarbeit und abgestimmte Hilfe für die Ukraine.
Diese Absichtserklärung sind zunächst nur freundliche Worte. Doch Healey betonte, dies sei nicht das Ende, sondern der Beginn einer stärkeren Zusammenarbeit. Den Briten scheint es ernst mit der Annäherung. Pistorius berichtete, das Team von Healey sei bereits vor dessen offiziellen Amtsantritt auf ihn zugekommen, um das Abkommen vorzubereiten.
Mit der Regierungsübernahme in der Downing Street scheint in London die Einsicht eingekehrt zu sein, die man bei den Brexit-begeisterten Torys lange nicht wahrhaben wollte: Die Länder in Europa können den Herausforderungen der Zukunft am effektivsten begegnen, wenn sie zusammenarbeiten. Eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre wird es sein, auf Russlands aggressive Außenpolitik zu reagieren. Gut, wenn die Europäer hier eng zusammenstehen.