Soldaten des Kommando Spezialkräfte bei einer Übung Foto: dpa/Marijan Murat

Beim Neujahrsempfang des Kommando Spezialkräfte Calw findet nicht nur der KSK-Kommandeur klare Worte. Russland bleibe die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit.

Das Kommando Spezialkräfte feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. In dieser Zeit ist viel auf der Welt passiert – und dennoch ist die aktuelle Lage noch einmal deutlich herausfordernder.

 

„Die Zeiten sind turbulent, der Wind weht aus einer anderen Richtung. Man weiß gar nicht mehr, woher der Wind eigentlich kommt.“ Nicht zuletzt deshalb stellte der KSK-Kommandeur, Brigadegeneral Andreas Kühne, das Wort „Veränderung“ in den Mittelpunkt des diesjährigen Neujahrsempfangs des Kommando Spezialkräfte.

„Unsere Welt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel“, so Kühne, der seit Oktober das Kommando Spezialkräfte führt, weiter. So setze sich Putins Angriffskrieg auf die Ukraine fort, ein Krieg, der in Europa real angekommen sei und „vor allem unvorstellbares menschliches Leid in Form von Toten, Kriegsversehrten, Flüchtlingen, insbesondere Frauen, Kinder und Alte, mit sich bringt“. Kühne sieht eine „weitgehende Entgrenzung hinsichtlich fast aller klassischen Kategorien“.

Modernste Elemente und Erster-Weltkrieg-Stil

Denn neben modernsten Elementen wie Drohnen und „Graben-/Stellungskrieg im Ersten-Weltkrieg-Stil“ kämen fast alle Aspekte der hybriden Kriegsführung zum Einsatz: Angriffe im Cyberspace, auf kritische Infrastruktur sowie die Versorgungssicherheit, Sticheleien in Form von kleineren und kurzfristigen Territorialverletzungen, Raketenbeschüsse auf Nato-Territorium, Sabotage, Spionage, Kampfstoffe vielfältiger Art, Desinformationen und Fake News, „denen auch unser Wertesystem, unsere Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft ständig ausgesetzt sind“, aber auch der Politik Entscheidungen abverlange und denen das Militär „glaubwürdig, fähig, stark und konsequent begegnen können muss“, so der Brigadegeneral weiter.

Dennoch schwinde nach seinem persönlichen Eindruck in einem Großteil der Bevölkerung die Betroffenheit und das Bewusstsein für einen Krieg in Europa „mit allen schrecklichen Erscheinungsformen, aber auch den möglichen Konsequenzen für Europa“. Damit habe man eine gegenläufige Entwicklung – zum einen eine relative Normalität in der Breite der Gesellschaft, „zum anderen eine direkte und große Betroffenheit in der Bundeswehr, die sich deshalb konkret auf Landes- und Bündnisverteidigung – also auf Krieg – vorbereitet“.

KSK-Kommandeur Brigadegeneral Andreas Kühne (Mitte) mit Ehrengästen beim Neujahrsempfang des Kommando Spezialkräfte Foto: KSK

Moskaus Fingerabdrücke an jedem Militärputsch

Deutsche Außenpolitik sei und bleibe Bündnispolitik, so Kühne weiter: „Die transatlantische Partnerschaft und Nato sind unverrückbare Säulen unserer Sicherheitsarchitektur. In dieser sich verändernden Welt richteten Staaten ihre Sicherheitsstrategien neu aus. Dazu gehörten auch die USA. Die Machtpolitik halte Einzug und Prioritäten würden eindeutig zunächst auf eigene nationale Interessen gelegt.

Kühne ging zudem auf die Lage im Gazastreifen und im Iran ein. Auch die Lage in Afrika habe sich drastisch verschlechtert, dort ließen sich „Moskaus Fingerabdrücke an jedem Militärputsch finden“ – und im Fernen Osten könnten im Gewässer um Taiwan die beiden Supermächte USA und China direkt aufeinandertreffen.

Russland größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit

Dies fordere auch von den Soldaten des KSK Enormes, „auch und insbesondere unter Zurückstellung eigener und privater Belange für das Wohl unseres Landes“. Für das KSK gelte unverändert: „jederzeit, weltweit und in allen Klimazonen einsatzbereit – der Wille entscheidet!“, zitierte Kühne das Motto seines Verbands.

„Russland wird auf absehbare Zeit die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im euroatlantischen Raum bleiben“, fand Kühne klare Worte. In der Nato gehe man „einhellig davon aus, dass die russischen Streitkräfte spätestens 2029 über ausreichend Mittel und teilweise erweiterte Fähigkeiten für einen möglichen Angriff gegen die Nato verfügen“. Die Folgerung sei: „Wir müssen jederzeit zum Kampf bereit sein.“

Auch deshalb entwickle sich der Standort Calw und die Bundeswehr plane, hier in den nächsten Jahren etwa 400 Millionen Euro zu investieren. Kühne gab ein klares Bekenntnis ab: „Der Standort Calw ist für das KSK alternativlos.“

Viel Lob fürs KSK gibt es aus Berlin

In Vertretung des Bundesverteidigungsministers war der parlamentarische Staatssekretär Sebastian Hartmann aus Berlin nach Calw gekommen. Von ihm gab es viel Lob für das KSK. Er erinnerte an die Gründung vor 30 Jahren, um die Aufgabe des Staates, deutsche Staatsbürger im Ausland zu retten, erfüllen zu können. Seither seien viele „Einsätze von herausragender Bedeutung“ dazu gekommen.

Die Schwelle in eine neue Welt der Großmächte sei überschritten. „Hier weht ein rauer Wind, unsere Errungenschaften sind erklärtes Ziel der russischen Angriffspolitik geworden“, so Hartmann, der anfügte: „Wer in der Welt bestehen will, muss wehrhaft sein.“

Der Krieg sei nach Europa zurückgekehrt, „wir konzentrieren uns auf Landes- und Bündnisverteidigung“.

Zum Abschluss seiner Rede gab es noch einmal Lob fürs KSK: „Sie haben Herausragendes geleistet, das darf nicht zerredet werden, egal von wem.“