Ein wichtiges Detail im Bau-Turbo, damit die Hochbrücke Horb so früh wie möglich fertig wird: die Bauarbeiten an der Rauschbart-Seite. Foto: Jürgen Lück

Die Baufirma Porr hatte an der Hochbrücke Horb versprochen: „Wir legen den Turbo ein.“ Am Rauschbart ist jetzt der Beweis zu sehen.

Nach der Schock-Ansage der Baufirma Porr, dass die Hochbrücke erst im Jahr 2030 fertig wird, kam im Frühjahr 2025 die Entwarnung. Der Baukonzern versprach: Wir optimieren den Bau, legen den Turbo ein. Damit das Bauwerk im Jahr 2028 fertig wird.

 

Alles leere Versprechen? Im Gegenteil. An der Rauschbart-Seite sieht man, wie die beiden 750 Tonnen-Autokräne zwei rote Querbalken zwischen die Betonpfeiler hängen. RP-Bauaufseher Jörg Pfeifle: „Die Baufirma Porr installiert hier ein konventionelles Traggerüst. Sie wollten nicht warten, ehe das blaue Verschiebe-Traggerüst zur Verfügung steht. Damit es aus Richtung Rauschbart so schnell wie möglich weitergehen kann. Das blaue Gerüst wäre frühestens in zwei Monaten bereit gewesen.“

Jörg Pfeifle erklärt die Bauarbeiten am Pfeiler am Sportplatz – der sogenannten „Achse 40“. Foto: Jürgen Lück

Denn: Das blaue Verschiebe-Traggerüst, welches deutlich „schief“ unter der Hochbrücke hängt, wird an der sogenannten Achse 40 gebraucht. Ausgerechnet an dem Pfeiler, an dem das Kranseil gerissen ist und drei Bauarbeiter in der Arbeitsgondel an der Hochbrücke Horb zu Tode stürzten.

In der nächsten Woche wird im Dunkeln gearbeitet

In der nächsten Woche wird eine Nachtschicht eingeschoben. Jörb Pfeifle: „An der Achse 50 (Pylon am Kleintierzuchtverein) ist die Bewehrung fast fertig, die Rohre für die Verankerungen der Stahlseile sind auch montiert. In der kommenden Woche kommt hier der erste Beton rein.“

Ein prächtiger Anblick: Die Baustelle der Hochbrücke Horb bei Nacht. Am ersten Pylon (V-förmig) wird nächste Woche im Dunkeln gearbeitet. Foto: Jürgen Lück

Sein Kollege Rainer Gumz: „Da werden 520 Kubikmeter Beton vergossen.“ Pfeifle: „Da ist auch ein ständiger Vermesser dabei, der kontrolliert, dass an allen Stellen gleich viel Beton vergossen wird.“ Ein Balanceakt in über 60 Meter Höhe.

Das heißt: In der nächste Woche (8. bis 12. Dezember) wird an der Hochbrücke auch im Dunkeln gearbeitet. Gumz: „Als an der Achse 40 am Sportplatz vor zwei Wochen betoniert wurde, kamen dort 850 Kubikmeter Beton hinein. Das hat von 6 Uhr morgens bis 4 Uhr nachts gedauert.“

Vor dem Pylon am Kleintierzuchtverein sind die Bauarbeiter dabei, alles für die Betonierung vorzubereiten. Die Hülsen für die Stahlseile sind schon montiert. Foto: Jürgen Lück

Bisher steht Dienstag, 9. Dezember, als Betoniertermin im Baustellen-Kalender der Hochbrücke.

Im Frühjahr 2026 gibt es was an der Hochbrücke zu feiern

Im neuen Jahr kommt dann die nächste Betonfuhre auf die Hochbrücke. Danach kommt ein Baustellenhighlight. Bauleiter Pfeifle setzt seinen Fuß lässig auf riesige, weiße Rohre: „Die Leerrohre für das Stahlseil sind schon da. Sie sind weiß, damit man sie auch im Dunkeln sehen kann. Wenn der Beton bis zur Achse 40 gegossen ist und die Fertigteile für die Fahrbahn liegen, können die Seile eingezogen werden.“

RP-Bauaufseher Jörg Pfeifle Foto: Jürgen Lück

Und dann, so Pfeifle, kann man das erste Stück komplett fertige Hochbrücke sehen. Mit Pylon, Spannseilen und Fahrbahn. Ohne Traggerüste. Zwischen dem Pfeiler am Sportplatz und dem Pfeiler am Kleintierzuchtverein. Pfeifle: „Das wird irgendwann im Frühjahr so weit sein.“

Macht Porrs Bau-Turbo Hoffnung auf schnelle Hochbrücken-Eröffnung?

Erik Lang, Referatsleiter Straßenbau Süd des Regierungspräsidiums: „Viele Sachen an der Hochbrücke werden zum ersten Mal gemacht. Wie beispielsweise das Spannen der Seile. Bisher haben wir die Erfahrung gemacht: Beim ersten Mal dauert es länger als im Bauablauf geplant. Dafür geht es beim zweiten oder dritten Mal viel schneller.“

Er fügt noch hinzu: „Alle Beteiligten sind froh, wenn wir die Eröffnung 2028 wirklich schaffen. Dieser Brückenbau ist hochanspruchsvoll.“

So ist der aktuelle Stand an der Hochbrücke Horb

Schlichtungsverfahren.
  Baufirma Porr und das RP Karlsruhe sind sich uneinig Vertragsdetails zu Bezahlung und Leistungen. Erik Lang: „Das Schlichtungsverfahren läuft noch. Bisher hat es mehrere Gespräche gegeben. Ein Zeithorizont für ein Ergebnis ist noch nicht abzusehen.“

Konsequenzen aus tödlichem Unfall
 Lang: „Das Gutachten der Staatsanwaltschaft liegt vor. Es hat weder am Kran noch an der Baustelle gelegen. Von uns aus sind keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen geboten.“ Porr hatte Sicherheitsmaßnahmen und Kranfahrerschulungen nach dem Unfall nachjustiert.

Weihnachtspause
Lang: „Letzter Arbeitstag ist der 18. Dezember. Am 7. Januar 2026 gehen die Bauarbeiten weiter.

BIM Läb
Bauaufseher Jörg Pfeifle: „Seminare finden statt in dem Pilotprojekt am Neckarufer für die Digitalisierung von Baustellen . Die Drohne ist in einer Garage auf dem Dach. Sie macht Baustellenkontrollen aus der Luft und kann auch die Bauarbeiter zählen.“ Der Bund führt das BIM 2026 ein, das Ländle 2027. Pfeifle: „Das kommt auch auf die Kommunen zu.“ Das Rathaus Horb hatte schon angekündigt, eine Schulung im BIM-Läb zu machen.