Nach der Messerattacke am August-Ruf-Bildungszentrum sitzt der Schock in Ettenheim tief. Aus dem Umfeld der Schule hat unsere Redaktion Details zum Tathergang und zur Tatwaffe erfahren.
Schüler und Lehrkräfte wurden jäh aus dem Unterrichtsalltag gerissen: Am Ettenheimer August-Ruf-Bildungszentrum attackierte ein Jugendlicher einen Mitschüler am Dienstagvormittag mit einem Messer. Es sind „schwere Verletzungen“, erklärte Polizeisprecher Volker Olbrisch auf Anfrage unserer Redaktion. Ein Rettungshubschrauber flog den Schüler in eine Klinik.
Der mutmaßliche Angreifer habe sich von den angerückten Polizisten widerstandslos festnehmen lassen, hieß es vom Präsidium in Offenburg. Gegen 10.40 Uhr hatte die Schule die Polizei alarmiert. Polizeistreifen eilten daraufhin zu der Bildungseinrichtung in der Bienlestraße. Die genauen Hintergründe seien noch unklar. „Es handelte sich vermutlich um eine Streiterei“, so Polizeisprecher Olbrisch.
Provokation führt zur Eskalation
Nach Informationen unserer Zeitung besuchen die beiden beteiligten Schüler die neunte Klasse der Werkrealschule. In der Vergangenheit soll es mehrfach zu Mobbing zwischen ihnen gekommen sein. Am Dienstag, so war aus dem Umfeld der Schule zu hören, soll das spätere Opfer den mutmaßlichen Täter im Klassenzimmer provoziert haben, woraufhin dieser ein verbotenes sogenanntes Butterfly-Messer gezückt und dreimal auf den Oberkörper seines Gegenübers eingestochen habe. Der stark blutende Jugendliche schleppte sich noch auf den Flur, brach dort zusammen. Zunächst war unklar, ob durch die Messerattacke innere Organe verletzt wurden.
Besorgte Eltern eilen zur Schule
Laut Polizei waren in den Vorfall keine weiteren Schüler involviert. Auch gegenüber Lehrern und den eingreifenden Beamten habe es keine „bedrohliche Situation“ gegeben. Vor Ort wurde in Abstimmung mit allen Verantwortlichen ein Betreuungsangebot eingerichtet, erklärte die Polizei.
Viele besorgte Eltern waren nach dem Vorfall an die Schule im Ettenheimer Zentrum geeilt – mussten sich jedoch in Geduld üben. Die Kinder und Jugendlichen, die sich auf Anweisung der Lehrerschaft in der nahe gelegenen Stadthalle versammelt hatten, durften diese erst nach einer Registrierung wieder verlassen.
Schulaufsicht: „Vorbildlich reagiert“
„Nach der heutigen Gewalttat herrscht in der Schulgemeinschaft des Bildungszentrums eine große Betroffenheit“, hieß es am Abend vom zuständigen Regierungspräsidium in Freiburg. Aus Sicht der Schulaufsicht reagierten die Verantwortlichen vor Ort vorbildlich. Das Schulzentrum habe ein Krisenteam gebildet, in dem auch die umliegenden Schulen, die Schulaufsicht, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter vertreten seien.
Der Unterricht am August-Ruf-Bildungszentrum soll am Mittwoch wieder stattfinden, das bestätigte Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz. Er habe nach einer Sitzung des Städtetags in München von der Messerattacke erfahren. „Es herrscht große Betroffenheit. Alle sind schockiert und berührt“, schilderte Metz auf der Rückfahrt nach Ettenheim. Dass so eine Tat im „beschaulichen Ettenheim“ passiert ist, sei schwer zu begreifen.
Bürgermeister lobt Einsatzkräfte
„Ich habe ein gutes Lagebild bekommen“, lobte Metz die Arbeit der Einsatzkräfte, Verwaltung und der Schule. „Wir schauen uns jetzt natürlich alles an“, erklärte der Rathauschef. Über Konsequenzen oder etwaige Maßnahmen könne er aber so kurz nach der Tat noch nichts sagen. Es gehe um die richtigen Schlüsse und nicht um vorschnelle Maßnahmen.
Sicher ist: Alltagsprogramm wird es im August-Ruf-Bildungszentrum vorerst nicht geben. Schulpsychologen werden in den Klassen sein, sagte Metz. Für den Bürgermeister ist der Schritt, den Unterricht schnell wieder aufzunehmen, richtig: „Was wäre die Alternative?“ So könnten alle gemeinsam versuchen, die Ausnahmesituation zu verarbeiten.
Kripo übernimmt
Die Schulleitung sei sehr getroffen, berichtet Metz über den Kontakt mit der Schule. Die leiste grundsätzlich viel, etwa im interkulturellen Bereich. Der Bürgermeister verweist auch auf die Präventionsarbeit, die am August-Ruf-Bildungszentrum einen wichtigen Stellenwert habe. Die Arbeit der Schule gehe weit über das rein Schulische hinaus.
Derweil hat die Kripo die Ermittlungen übernommen.
900 Schüler an zwei Standorten
Das August-Ruf-Bildungszentrum ist eine Verbundschule. Nach Schulangaben besuchen knapp 900 Schüler eine der drei Schulformen. Die Jüngsten gehen in die Grundschule in der Freiburger Straße. Die Werkreal- und Realschule befindet sich wenige Meter weiter in der Bienlestraße.