Eine von mehr als 1500 Photovoltaik-Anlagen in Lahr ist auf dem Dach des Arena-Einkaufsparks installiert. Foto: E-Werk Mittelbaden

Die Stadt Lahr hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden. Der Ausbau von erneuerbaren Energien, vor allem Wind- und Solarkraft, soll dabei helfen. Doch wie weit ist die Stadt damit? Ein Blick in das Marktdatenstammregister gibt Aufschlüsse.

Das Ziel der Klimaneutralität hatte OB Markus Ibert Ende 2021 im Gemeinderat ausgerufen. Inwiefern die Stadt tatsächlich bereits von Energieträgern wie Gas und Öl weggekommen ist, hat unsere Redaktion recherchiert.

 

Mehr als 2000 Erzeugungseinheiten: Insgesamt gibt es laut Marktstammdatenregister 2024 verschiedene Erzeugungseinheiten in Lahr. Diese teilen sich auf in Photovoltaikanlagen, Windräder, Wasserkraftwerke, Stromspeicher und Kraftwerke für Öl, Gas und Biomasse. Die Nettonennleistung, das heißt die maximale Leistung, aller Anlagen in Lahr beträgt rund 44,6 Megawatt.

Photovoltaik als Spitzenreiter: Mehr als drei Viertel der Erzeugungseinheiten sind in Lahr Photovoltaikanlagen. 1551 sind im Marktstammdatenregister vermerkt. Diese liefern eine Nettonennleistung von 27,2 Megawatt. Mit der geplanten, riesigen Photovoltaik-Anlage auf dem Flugplatz würde die Stadt die Erzeugung von Solarstrom beinahe verdoppeln. Sie soll eine Leistung von 23 Megawatt erbringen und bis zu 10 000 Haushalte versorgen. Geht man von einer ähnlichen Effizienz der bestehenden Anlagen aus, wird derzeit in Lahr Strom für rund 12 000 Haushalte produziert. Die beiden größten PV-Anlagen mit einer Leistung von 748 und 726 Kilowatt werden laut Register von der Firma Grohe betrieben. Auch die Recyclingfirma Remex, Vogel-Bau oder der Schwarzwald-Eisenhandel haben große Solarmodule. Die größte Anlage auf einem öffentlichen Gebäude ist mit 248 Kilowatt auf der Mehrzweckhalle im Bürgerpark.

Erdgas spielt noch eine große Rolle: Mit einer Nettonennleistung von 3,3 Megawatt ist das Blockheizkraftwerk (BHKW) Mauerfeld 3.0 der insgesamt leistungsstärkste Stromerzeuger in Lahr. Dort wird verbrannt. Weitere große BKHWs betreiben die Firma Grohe (901 Kilowatt) und das Ortenau-Klinikum (776 Kilowatt). Insgesamt stehen in Lahr 50 Erdgas-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 7,2 Megawatt – etwa ein Sechstel der Gesamtleistung.

Öl nur für den Notfall: Öl wird in Lahr nur noch in sieben Anlagen verbrannt. Die beiden mit Abstand größten: das Netzersatzaggregat am Lahrer Klinikum (970 Kilowatt) und das Notstromaggregat am Herzzentrum (224 Kilowatt). Die weiteren fünf Anlagen werden von Privatpersonen betrieben und haben eine deutlich geringere Leistung.

Sechs Wasserkraftanlagen: Auch aus Wasser wird in Lahr Strom gewonnen, wenn auch mit insgesamt 140 Kilowatt Leistung nur sehr wenig im Vergleich zu den anderen Energieträgern. Die größte Anlage steht in Kuhbach an der Schutter bei einem Hobelwerk.

Windräder auf Lahrer Gemarkung: Einen wesentlich höheren Anteil an der Stromversorgung haben die beiden Windräder, die auf dem Langenhard auf Lahrer Gemarkung stehen. Sie bieten laut dem Register eine Leistung von 1500 und 3000 Kilowatt.

Auch Biomasse im BHKW: Erdgas ist nicht der einzige Energieträger, der im Blockheizkraftwerk im Mauerweg genutzt wird. Die Firma Badenova-Wärmeplus verbrennt dort auch Biomasse. Damit wird eine Höchstleistung von 1999 Kilowatt, also knapp zwei Megawatt, erzeugt.

Speicher sind beliebt: Zusätzlich aufgeführt im Marktstammdatenregister sind in Lahr 407 Stromspeicher – überwiegend von Privatpersonen. Speicher werden vor allem bei Photovoltaikanlagen eingesetzt, um die erzeugte Energie zu einem späteren Zeitpunkt nutzen zu können. Die Speicher in Lahr haben eine Gesamtleistung von 2248 Kilowatt.

Über das Register

Im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, das öffentlich einsehbar ist, sind alle Strom- und Gaserzeugungsanlagen registriert. Mit diesem Register sollen Meldepflichten vereinheitlich werden, um Unternehmen und Bürger, die eine Anlage zur Stromgewinnung betreiben, zu entlasten.