„Zieh dich aus, wir ziehen dich an.“ So lautete die Einladung des spanischen Modelabels Desigual. Um neun Uhr fanden sich etwa hundert Modebegeisterte auf der Königstraße ein – nur in Unterwäsche.
Stuttgart - Weihnachts-Shopping war gestern, außergewöhnlich einkaufen am Freitag. Zieh dich aus, wir ziehen dich an. So lautet die Einladung des spanischen Modelabels Desigual. Alle, die ein wenig exhibitionistisch angehaucht seien und gerne schoppen, sollen um spätestens um 9 Uhr halbnackt vor den Laden in der Königstraße stehen. Natalie (36) und Angelique (32) kaufen gerne ein, aber bei Minustemperaturen im Slip und BH auzuharren, setzt heiße Leidenschaft für Desigual voraus. „Wir stehen hier seit zwei Uhr“, sagt Natalie, „aber das ist es uns Wert. Wir sind die Ersten.“ Für einen verfrorenen Hintern und sieben Stunden Geduld bekommen sie zwei neue Teile der alten Kollektion. Das reizt auch Stefanie (25) aus Waiblingen. Nachdem sie in den Stuttgarter Nachrichten von der Halbnackt-Atypical-Marketing-Aktion gelesen hatte, war klar: „Da muss ich hin.“
Mit ihr kamen etwa hundert andere zu dieser Einkaufs-Party, mit der Desigual schon in Paris, Barcelona und anderen Großstädten die Unerschrockenen anlockte. Alle, die bisher dabei waren, also über ihren Schatten und aus den alten Klamotten hüpften, waren begeistert. So kommt auch ein neugieriger Reporter nicht drumherum, an dieser Show teilzunehmen. Ausgestattet mit der Nummer 85 beginnt um 8.50 Uhr der Striptease auf der Königstraße. Wahrscheinlich ist die Aufregung, vielleicht auch die Scham: Aber die Eiseskälte macht einem im ersten Moment nichts aus. Die zehn Minuten Schockfrosten vergehen wie im Flug. Und als über Megafon der Countdown zum Start gezählt wird, verdrängen die Glückshormone bei den meisten ohnehin alle anderen Gefühle.
Das Einkaufserlebnis bringt den Kick: Nie war es schöner, hemmungslos zu wühlen. Nie war es unkomplizierter etwas zu finden. Denn ohne lange Wahl gibt es auch keine Qual. Wer nicht schnell zugreift, hat Pech gehabt. Ruckzuck sind die teuren Jacken weg. Dennoch macht die Sache riesig Spaß. Links neben einem tanzen die netten Verkäuferinnern mit ihren schrill-bunten Perücken, rechts tänzelt eine Blondine in feiner Wäsche vorbei. Das Beste ist: Keiner muss an überfüllten Umkleidekabinen Schlange stehen. Man(n) probiert direkt am Ständer. Und wird schnell fündig: innnerhalb von zehn Minuten ist klar: die schwarze Hose (98,10 Euro) und der Strickpulli (109 Euro) sind es.
Nie war Einkaufen so prickelnd.