Aktuell stehen die Reben prächtig da. Am Ende geht es aber darum, ob der Oberschopfheimer Wein auch gekauft wird. Derzeit bricht der Markt ein, erklärt der Vorsitzende der WG Frank Erb. Foto: Bohnert-Seidel

Der Verkauf läuft nur schleppend, die Ernte 2024 fiel gering aus: Die Winzergenossenschaft Oberschopfheim ist nicht zufrieden.

Das Jahr 2024 war für nahezu alle Weinbaubetriebe ein sehr schlechtes Jahr. Die WG Oberschopfheim hat im Vergleich zu 2023 40 Prozent weniger Trauben abgeliefert.

 

Die Oberschopfheimer WG hat entschieden, beim Badischen Winzerkeller zu bleiben. Bei der Hauptversammlung haben alle Mitglieder für die Rücknahme des im Dezember 2023 abgegebenen Kündigungsschreiben gestimmt. Unerwartet kam die Abstimmung nicht. Vorsitzender Frank Erb hatte bereits in einem Brief an alle Mitglieder über die bevorstehende Abstimmung in der Versammlung informiert. Im Grunde bleibt die Rücknahme der Kündigung alternativlos. Mit zwei anderen Vermarktern habe der Vorstand über eine Zusammenarbeit gesprochen und von beiden erhielt die WG Oberschopfheim mit ihren knapp 45 Hektar Weinbaufläche eine Absage.

Mit dem Badischen Winzerkeller dürften die Oberschopfheim weiterhin gut fahren, zumal dieser lösungsorientiert an der Entwicklung des Unternehmens gearbeitet habe. „Natürlich lässt die Auszahlung auf Seiten der Winzer zu wünschen übrig, dennoch habe der Winzerkeller die Abwärtsspirale gestoppt“, erklärt Erb.

Schlechteres Weinjahr als zu Corona-Zeiten

Andere Betriebe befänden sich jetzt eher in dieser Form der Abwärtsspirale und die Sparmaßnahmen des Winzerkellers zeigten Wirkung. Die beiden Vertreter des Badischen Winzerkellers, Frank Wachenheim und Sarah-Lea Marcus, bedankten sich bei den Mitgliedern für das einstimmige Votum für den Verbleib.

„Der Weinmarkt ist sehr schwierig geworden und ist regelrecht eingebrochen“, erklärte Erb. Von einem deutlich schlechteren Weinjahr als zu Corona-Zeiten war sogar die Rede. In Corona-Zeiten sind durch den geringeren Verkauf von Weinen in der Ein-Liter-Flasche Weine mit einer geringeren Gewinnmarge weggebrochen. 2024 waren es jedoch die Weine in der Dreiviertelflasche, deren Absatz um 15,3 und sogar um 35 Prozent je nach Sorte zurückgegangen sei. Aktuell laufe der Verkauf nur schleppend und die WG ist mit dem Absatz nicht zufrieden. Aus diesem Grund wird die WG Oberschopfheim ihre Ausbaumengen für die Selbstvermarktung beim Badischen Winzerkeller drastisch reduzieren. Kosteneinsparungen sollen folgen und der Weinverkauf mit besonderen Aktionen angekurbelt werden. Neben Preisaktionen dürften vor allem die persönliche Empfehlung des Oberschopfheimer Weins Kunden überzeugen. Jedes der 107 Mitglieder sei dazu eingeladen, den Wein in aller Munde zu bringen.

Einsparungen sollen folgen und der Verkauf wird mit Aktionen angekurbelt

Erstmals seit Langem hat die WG Oberschopfheim einen Verlust in Höhe von 1125 Euro eingefahren, der über die Rücklagen ausgeglichen wird. Der Verlust sei auf den sehr schleppenden Weinverkauf zurückzuführen. Mit der jüngst auf dem Dach angebrachten Photovoltaikanlage und den damit verbundenen Kosten habe der Verlust nichts zu tun. Jedes Jahr dürfe die WG keinen Verlust einfahren, dann stünde auch die Selbstvermarktung im Winzerhüs auf dem Spiel. Normalerweise erhalten die Winzer bei guten Zahlen eine Sonderauszahlung in Höhe von zwei Cent pro Kilo abgegebener Weintrauben. „Um den Winzern in schlechten Zeiten auch einen Bonus zu geben, wird das auch für das Weinjahr 2024 geschehen, das als eines der schlechtesten in den vergangenen Jahrzehnten in die Geschichte der WG eingehen wird. Spätfrost hat im Jahr 2024 in einigen Lagen nahezu zu 100 Prozent Schäden geführt. Später im Jahr sorgten Niederschläge für Mehltau-Befall an den Trauben. „Das Wenige, was an Trauben am Stock hing, wurde noch weniger“, schildert Erb.

WG wird sich bei der Frie-Night beteiligen

Ortsvorsteher Michael Jäckle betonte die hohe Bedeutung des Winzerhüses auch für den Ort auf dem Rathausplatz. „Das Winzerhüs ist ein Schmuckstück“, so Jäckle und er freue sich auf die gemeinsamen Feste. Im vergangenen Jahr hat sich die WG Oberschopfheim erstmals nicht bei der Nova beteiligt, dafür jedoch zum dritten Mal bei der Frie-Night in Friesenheim. Veranstaltungen gelte es zu besetzen, um so den Bekanntheitsgrad des Oberschopfheimer Weins zu verbreiten.

Ehrungen und Termine

Ehrungen und Wahlen:
 Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurden geehrt: Bernhard Gißler, Max Gissler und Roland Stuber. Aus dem Aufsichtsrat verabschiedet wurde Uwe Reisser. Neu im Aufsichtsrat ist Stefan Kohler. Stefan Röderer ist als Mitglied des Vorstands wiedergewählt worden. Termine:
 Der Winzerhock „25 Jahre“ am Winzerhüs ist am 14. Juni. Weiter wird sich die WG bei der Frie-Night am 27. Juni, bei der Breisgau Spritztour am 20. Juli und bei der „Wein Sommernacht“ am Steinkreuz am 2. August beteiligen.  Weitere Infos: Die WG Oberschopfheim hat 107 Mitglieder mit 459 Geschäftsanteilen. 25 Winzer sind noch aktiv. Im Jahr 2024 wurden knapp 403 000 Kilo Trauben nach Breisach gefahren. 2023 waren es 675 000 Kilo.