Ein solcher Zug des Typs Coradia iLint mit Brennstoffzellenantrieb kommt ab Juli zu Testzwecken auf der Strecke Eyach-Hechingen zum Einsatz. Foto: Schwarzwälder Bote

Verkehr: Ursprünglich für Zollernbahn geplanter Testbetrieb ab Mitte Juli auf Eyachtalbahn

Ein mit Wasserstoff betriebener Zug des französischen Herstellers Alstom soll ab Juli im öffentlichen Verkehr an Wochenenden zwischen Eyach und Hechingen eingesetzt werden. Laut Bahnbetreiber SWEG soll die Alltagstauglichkeit der Technik geprüft werden.

Horb. Der Start eines Brennstoffzellenzugs war eigentlich am 1. Mai auf der Zollernalbbahn auf den Schienen zwischen Hechingen, Gammertingen und Sigmaringen vorgesehen. Er wurde dann auf Mitte Juli verschoben. Laut Verkehrsministerium habe sich die Wasserstoffversorgung verzögert.

Grundlage des Zugtests ist eine gemeinsame Absichtserklärung, unterzeichnet im Februar vom Verkehrsministerium mit den Unternehmen Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG, Betreiberin der Zollernbahn) und Alstom Transport Deutschland GmbH.

Mitte Juli soll der Versuch nun starten, aber nicht mehr auf den ursprünglich vorgesehenen Strecken, sondern im Eyachtal, zwischen Eyach und Hechingen. Das bestätigte eine Sprecherin der SWEG auf Anfrage unserer Zeitung. Bei den Testfahrten, die Wochenends stattfinden, können auch Fahrgäste zusteigen, es handelt sich um den gewohnten Wochenendverkehr.

Erfahrungen sammeln

Das landeseigene Verkehrsunternehmen SWEG wird für die Dauer des Probebetriebs einen Zug aus der derzeitigen Dieselflotte durch das Brennstoffzellenfahrzeug vom Typ Alstom Coradia iLint ersetzen.

Wie Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bei der Vorstellung des Projekts im Februar bekannt gab, können mit den Erfahrungen im Echtbetrieb alternative Antriebe weiterentwickelt und deren Marktreife verbessert werden. Brennstoffzellenzüge könnten eine klimafreundliche Alternative zum Dieselzug werden, wenn keine Oberleitung vorhanden ist.

Mit dem Einsatz des "iLint" im täglichen Betriebsalltag wolle man Erfahrungen sammeln, wie gut sich diese innovative Technik in die bestehenden Betriebsabläufe integrieren lasse, sagte der SWEG-Vorstandsvorsitzende Tobias Harms. Es gehe um den Nachweis der Alltagstauglichkeit dieser Technik – und die Frage, wie künftig in Regionalnetzen emissionsfreier Zugverkehr angeboten werden könne. "Als Infrastrukturbetreiber ist es wichtig zu erfahren, ob es fahrzeugseitige Alternativen zur klassischen Elektrifizierung des Schienenwegs gibt", so Harms weiter. Müslüm Yakisan, Präsident der Alstom-Region Deutschland-Österreich-Schweiz, erklärte: "Wir streben als Alstom ganz klar die Führung bei emissionsfreien Antrieben an. Mit unserem Coradia iLint sind wir mit Brennstoffzellentechnik bereits heute an dieser Position."

Zugantrieb ist emissionsfrei

Die Partner erwarten von dem Probebetrieb technische Erkenntnisse, die zur Weiterentwicklung und zur betrieblichen Optimierung des Zuges eingesetzt werden können. Zu diesem Zweck wird ein externer technischer Sachverständiger das Projekt begleiten.

Brennstoffzellenzüge sind, ebenso wie Batterie-elektrische Züge, lokal emissionsfreie Alternativen zum Einsatz von Dieselfahrzeugen auf nicht-elektrifizierten Eisenbahnstrecken – wie eben der Eyachtalbahn. Mögliche Einsatzgebiete sind somit Strecken, bei denen der Bau einer Oberleitung nicht wirtschaftlich ist und Strecken, für die eine Elektrifizierung vorgesehen, aber noch nicht umgesetzt ist ("Brückentechnologie"). Das Land Baden-Württemberg hat bereits über verschiedene Maßnahmen die Entwicklung dieser alternativen Antriebe gefördert und vorangetrieben.

Pläne auch für Tübingen

Auch die DB-AG will auf den Wasserstoffzug aufspringen, lässt sich aber Zeit: Ab 2024 soll im Raum Tübingen bis Horb (die Gäubahn ist elektrifiziert) einen Probebetrieb mit einem Wasserstoffzug starten. Die Bahn will in 30 Jahren klimaneutral unterwegs sein. Dafür müssen laut Angaben des Stuttgarter Verkehrsministeriums unter anderem 1300 Diesel-Triebzüge ersetzt werden. Denn 13 000 Kilometer Schiene haben keine Oberleitung, das sind 39 Prozent des Netzes.

Deutsche Bahn am Planen

Die Deutsche Bahn entwickelt eine neuartige Wasserstofftankstelle. Damit kann der Zug in derselben Zeit betankt werden wie ein Dieselzug. Der Wasserstoff wird in Tübingen von DB Energie mit Hilfe von Ökostrom produziert. Um den Zug warten zu können, wird das DB-Werk in Ulm entsprechend ausgerüstet.Während des für 2024 geplanten Probebetriebs zwischen Tübingen, Horb und Pforzheim wird der Zug einen dort fahrenden Dieseltriebwagen ersetzen. Der Wasserstoffantrieb werde dabei in einem Jahr etwa 330 Tonnen CO2 einsparen, so das Verkehrsministerium.

Alstom S.A. (bis 1998 GEC Alsthom) mit Sitz in Saint-Ouen-sur-Seine ist ein französischer börsennotierter Konzern, der eine führende Stellung im Transportbereich einnimmt (überwiegend in der Herstellung von Schienenfahrzeugen und -systemen). Seit der im Januar 2021 erfolgten Übernahme von Bombardier Transportation ist Alstom das weltweit zweitgrößte Unternehmen der Bahntechnik nach dem chinesischen Schienenfahrzeughersteller CRRC. Größter Aktieninhaber war bis 2006 der französische Staat.

Der Konzern ist nach Verkauf der Sparte Energie im Jahr 2014 ausschließlich im Bereich Transport tätig. Hauptsächlich werden Schienenfahrzeuge für den Fernverkehr (darunter der TGV), den Nahverkehr (zum Beispiel Coradia LINT, Coradia Continental, S-Bahn-Züge der DB), U-Bahn- und Straßenbahn-Fahrzeuge (Citadis) hergestellt. Das Unternehmen hat Tochtergesellschaften in etwa 100 Ländern weltweit; die Gesamtzahl der Beschäftigten beträgt nach Firmenangaben 70 000, davon 43 100 in Europa. Über 150 000 Fahrzeuge von Alstorm sind weltweit in Betrieb. Der Umsatz von 2018 bis 2019 wird mit 8,072 Milliarden Euro angegeben.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: