Die Darsteller verkörperten vorbildlich ihre Rollen. Foto: Conzelmann

„Der verkaufte Großvater“ in der Inszenierung des Melchinger Theaters Lindenhof gastierte in der Ebinger Festhalle, die wohl nicht für alle Stücke gemacht ist.

Der Umgang mit Senioren, dezente Kapitalismuskritik, Liebe auf den ersten Blick und viel schwäbisches Gebruddle: „Der verkaufte Großvater“ in der Inszenierung des Melchinger Theaters Lindenhof gastierte in der Ebinger Festhalle.

 

Das in der schwäbischen Fassung von Franz Xaver Ott in den 60er-Jahren angesiedelte Stück wurde 1939 vom Österreicher Anton Hamik verfasst. Von Beginn eine Geschichte, bei der schnell klar wird, wie sie sich entwickeln wird –wegen der zahlreichen Interpretationen, die schon auf der Bühne und im Film gezeigt wurden, ist die Story auch manchem bekannt.

Alle haben sich schon am „Verkauften Großvater“ versucht

Ob Komödienstadel, das Kölner Millowitsch Theater oder das berühmte Ohnsorg-Theater in Hamburg – alle haben sich schon am „Verkauften Großvater“ versucht. Jeweils in der entsprechenden Mundart, und davon lebt auch diese Melchinger Variante.

Von Beginn an wird viel geschimpft und gebruddelt, vor allem über den knitzen Großvater mit seinen vielen Streichen. Der „hondsliadrige“ Großvater soll gefälligst im Herrgottswinkel sitzen und „Mucka fanga“, statt der Magd tote Ratten ins Bett zu legen und das Salatöl mit dem Spiritus auszutauschen.

Voller Einsatz der Darsteller Foto: Conzelmann

Da erscheint es zunächst wie ein Geschenk des Himmels, dass der reiche Bauer und Rosshändler Haslinger, wunderbar großkotzig und hinterlistig gespielt von Franz Xaver Ott selbst, dem verarmten Bauern Kreithofer den Großvater abkaufen will – als Dekoration für die heimische Ofenbank.

Der Titel des Stücks ist also durchaus wörtlich zu nehmen, der Großvater selbst kommt zu den Preisverhandlungen hinzu und treibt seinen Preis – „I lass me it verramscha“ – auf 10 000 Mark hoch.

Denn der Großvater ist alles andere als ein alter, hilfloser Tor und weiß die Situation zu seinem eigenen Vorteil zu wenden. Verwöhnen lässt er sich von vorne bis hinten, verkuppelt nebenbei den vermeintlich armen Enkel mit der Tochter des reichen Haslingers und führt alles zu einem guten Ende – selbst der Gerechtigkeit wird zuletzt Genüge getan.

Den Senior nimmt man Biesinger durchaus ab

Eine Freude ist es, Berthold Biesinger als Großvater zuzuschauen. Im Stück spielt der 1962 geborene Biesinger einen 70-Jährigen und ist damit jünger als sein Schwiegersohn, der von Stefan Hallmayer verkörpert wird.

Den Senior nimmt man Biesinger aber durchaus ab – in den 60er-Jahren gehörte man als 70-Jähriger sicher mehr zum Alten Eisen als heutzutage – er schlurft mit zitternden Händen durch das spärliche Bühnenbild und hat es dennoch faustdick hinter den Ohren.

Die von Biesinger gezogenen Grimassen sind ein Fest für jeden Zuschauer. Doch auch der Rest des Ensembles muss sich nicht hinter der Titelfigur verstecken. Dass sich Haslingers Tochter Ev und Kreithofers Sohn Alois auf den ersten Blick unsterblich verlieben, nimmt man den Akteuren Hannah Im Hof und Luca Zahn ohne weiteres ab.

Ärgerlich ist das Bühnenbild

Carola Schwelien glänzt als arrogante Bauersfrau, und Stefan Hallmayer kann, wenn es die Szene erfordert, seinen Kopf auf Wunsch rot anlaufen lassen. In den Nebenrollen agieren Anne-Julia Koller als Magd Zenz und Elias Popp hat als Knecht Martl eine kleine, aber für den Verlauf des Stückes wichtige Rolle.

Dennoch zieht sich die Inszenierung des Regisseurs Siegfried Bühr etwas in die Länge, und ärgerlich ist das Bühnenbild. Zumindest für die Zuschauer, welche Sitzplätze an den Rändern erhalten haben: Vor allem zu Beginn spielt sich vieles im Türrahmen ab, dieser und die offene Tür, die sich am hinteren Ende des Podiums befinden, verdecken sehr oft die Gesichter der handelnden Personen. Sicherlich ist dieser Umstand auch den Gegebenheiten der Festhalle geschuldet – sie ist nun mal leider kein Theater, das allen Besuchern eine vergleichbar gute Sicht erlaubt.