Szene aus „Der Trafikant“ im Theater der Altstadt Foto: Theater/Facebook

Zwischen Zeitungsstapeln und Gestapomännern: Robert Seethalers „Der Trafikant“ wird im Stuttgarter Theater der Altstadt temporeich durch die Weltgeschichte gejagt.

Seine Hände sind zu zart. Nichts für die Arbeit im Wald. Also schickt die Mutter ihren Franz schweren Herzens vom Salzkammergut nach Wien. In die Trafik eines Ex-Liebhabers, also zum Verkaufen von Rauchwaren, Zeitungen und „zärtlichen Magazinen“. „Wichsheftln halt“, sagt Otto Trsnjek, der Trafikant, der um nichts herumredet und ein Plakat von Karl Marx im Laden hängen hat. Der Franz weiß erst gar nichts, wird von Trsnjek ins Zeitungsgeschäft und in die Politik eingeführt, von der Böhmin Anezka in die Liebe und von Sigmund Freud ins Nachdenken darüber. Bis das Weltgeschehen, „die Pestbeule“, die im Jahr 1938 in Österreich „platzen und ihren Eiter ausgießen wird“, wie Freud es sagt, der Trafik und den Trafikanten ein Ende macht.

 

Darüber hat Robert Seethaler ein Buch geschrieben. Der Autor war selbst einmal Schauspieler und hat 2016 auch eine Bühnenfassung seines Romans „Der Trafikant“ erstellt. Es sind oft nur sehr kurze Szenen, die bei der Aufführung im Theater der Altstadt zu sehen sind. Schlaglichter, die Franz (Chris Irslinger) beim Bummel mit Anezka (Stefanie Friedrich) über den Prater zeigen, beim Quickie in der Hausecke und kurz danach im Gespräch mit dem Erfinder der Psychoanalyse. Reinhard Froboess bleibt als Freud allerdings ein wenig steif, so wirken manche der Weisheiten eher wie Kalendersprüche: „Die Liebe versteht keiner“, sagt er, nachdem Franz ratlos ist, ob er jetzt seine Anezka einfach vergessen oder wiederfinden soll.

Susanne Heydenreich ist die Mama von Franz

Regisseur Gerhard Weber hat viele Wechsel eingebaut in diese Geschichte eines jungen Toren, der zum Mann wird. So werden die Bänke, die die Bühne strukturieren (Ausstattung: Thomas Mogendorf) ständig neu drapiert – zur Couch, zum Eingang ins Gestapo-Hauptquartier, zum Wirtshaus. Dazu spielt Ulrich Schlumberger Akkordeon, die Bühne bleibt im Dunkeln, die Geschichte gerät ins Stocken. Aber es sind auch sehr schöne Bilder darunter: Wenn etwa Susanne Heydenreich als Mama von Franz die Postkarten ihres Sohnes vorliest, dazu Postkarten von der Decke hängen und sie aus den kargen Sätzen die Zwischentöne herausliest. Auch der maskierte Chor aus Statisten, der eben keinen Wiener Schmäh verbreitet, sondern die Bosheit in Volksliedern zelebriert, setzt passgenau schräge Akzente in einer einfallsreichen Inszenierung.

Der Trafikant. 27. bis 30. April, jeweils um 19.30 Uhr, weitere Termine im Mai