Das Krimi-Konzert der Musikkapelle Rust sorgte für eine volle Rheingießenhalle. Foto: Decoux

Die Musikkapelle wagte sich für ihren Frühjahrsauftritt an eine Premiere. Nicht nur die Musik, auch ein Kriminalfall stand im Mittelpunkt.

Auch Krimifans kamen beim Frühjahrskonzert der Musikkapelle Rust (MKR) voll auf ihre Kosten. Gleich zu Beginn ereignete sich dort nämlich ein „Mord“ vor den Augen des Orchesters. Das war allerdings so geplant, denn der Abend stand unter dem entsprechenden Motto: „Der Tote mit der Trommel“.

 

Es fing ganz harmlos an per „Sound of Crime“ von Stefan Schwalgin mit dramatisch schrägen Tönen samt gruseligen Intermezzi unter Eulenrufen, Friedhofsglocken, gellendem Schrei und Klappbrettschuss – viel Platz für Fantasie. Nicht minder faszinierte ein außergewöhnliches Totenrequiem von Guiseppe Verdi „Dies Irae“ mit anfänglichen Paukenschlägen gefolgt von wilden, panischen Ausbrüchen zur Untermalung des Jüngsten Gerichts als apokalyptischer Vision.

Das hätte auch einem spannenden Kriminalfilm die gehörige Horrorstimmung verliehen. Die beiden Ansager des Abends waren Querflötistin Stefanie und ihr Ehemann Wolfgang Engel, der schon angetrunken nach passablem Trommelsolo prompt tot um-fällt. Eilends wird er von der Bühne geschleppt – damit das Konzert weitergehen kann. Nämlich mit einem von Johan de Meij arrangierten Medley bekannter James-Bond-Filmmelodien von Goldfinger bis Dr. No. Auch das beherrschte die Kapelle unter Leitung von Andreas Vetter blendend mit großer Ausdruckskraft, bevor nicht minder beeindruckend Heike Bachmann als Querflöten-Solistin den Song „Thriller“ von Michael Jackson eindrucksvoll interpretierte.

Verdächtige werden bei Verhörrunden in die Mangel genommen

Mit dem „Godfather Waltz“ aus dem Kino-Paten im langsamen Takt blieb es musikalisch vorübergehend begräbnis-bedächtiger, ebenso bei J.S. Bachs getragenem Bläser-Choral „Komm süßer Tod“.

Mittlerweile war ein Polizeikommissar zu fortan eingestreuten Verhör-Runden eingetroffen (ebenfalls Profi-Schauspieler Christian M. Schulz, nun im Trenchcoat statt protziger Moderatorenjacke), um die drei ermittelten Tatverdächtigen häppchenweise in die Zange zu nehmen. Nämlich Ansagerin Stefanie, die schüchterne Schlagzeugerin Silke und die verführerische Trompeterin Katharina, ebenso professionell im Klamotten- und Perückenwechsel von Nicole Djandji-Stahl filmreif prächtig dargestellt. Derweil begeisterte das Orchester weiterhin mit de Mejis Medley zum rosaroten „Pink Panther“ und vor verdienter Pause auch noch einer turbulent-dynamischen Blasmusikfassung der Titelmelodie von „Mission Impossible“.

Professionelle Schauspieler aus Freiburg standen auf der Bühne der Rheingießenhalle. Foto: Decoux

Derweil arbeiteten sich der Kommissar und seine Verdächtigen Damen zwischendurch auch mit zeitlichen Rückblicken („Schnitt!“) ermittlerisch weiter voran. Ganz so wie im „Tatort“, dessen legendäre Titelmelodie symphonisch im Arrangement von Luc Rodenmacher mal nicht ins Kino, sondern hoch dynamisch mit allen Registern nun vor die Fernsehschirme führte.

Begeisternd pfiffig und effektreich bis zu orientalischem Anhauch kam „Sherlock Holmes“ von Hans Zimmer daher, während das „Omens-Secret Symbols“ von Otto Schwarz in die Welt der Mystik und Geheimbünde entführte, während es mit „Hummel gets the Rockets“ den Soundtrack zum Film über das berüchtigte Felsengefängnis Alcatraz zum Besten brachte.

Info – Die Schauspieler

Für das Krimi-Konzert arbeitete die Musikkapelle Rust mit der Freiburger Theatergruppe Freistil zusammen. Während das Krimi-Konzert für die Ruster Musiker eine Premiere war, haben die Freiburger das Stück schon mit anderen Orchestern auf die Bühne gebracht. Geprobt haben die Ruster unter anderem mit den vorab bereitgestellten Skripten.