Noch heute ist das Palais Vischer ein Zeichen des großen Reichtums der Familie Vischer. Foto: Jana Heer

1,4 Millionen Gulden, Palais und Holzhandelsmonopol – die Calwer Familie Vischer zählte zu den Reichsten ihrer Zeit.

Heute würde man den Kaufmann Johann Martin Vischer, am 21. August 1751 in Calw geboren und dort am 29. Dezember 1801 gestorben, als Superreichen bezeichnen.

 

Zusammen mit den beiden anderen führenden Köpfen der Calwer Handelsherren, Johann Jakob Doertenbach (1726-1794) und Johann Martin Notter (1735-1802), beides Onkel von Vischer, brachten es die drei finanzkräftigsten Gesellschafter der Calwer Compagnie auf ein Vermögen von 1,4 Millionen Gulden.

Mit Privileg ausgestattet

Das mag in der heutigen Zeit, in der Vermögen reicher Menschen nach Milliarden bemessen werden, als nicht allzu viel erscheinen. Dazu muss man wissen, dass zu Vischers Lebzeiten ein tüchtiger Handwerker nicht mehr als 100 Gulden im Jahr verdiente. Nur wenige Spitzenverdiener brachten es auf 1000 Gulden. Hinzu kommt: Von einem breiten Wohlstand konnte im damaligen Herzogtum Württemberg nicht die Rede sein. Ein Großteil der Bevölkerung war bitterarm.

Von Vischers Reichtum zeugt noch heute „das vornehmste und kostbarste Haus in Calw.“ So bezeichnet der Stuttgarter Philosoph und Schriftsteller Frank Ackermann das Palais Vischer in seinem Buch über die Geschichte der Familie. Das zwischen 1787 und 1791 erstellte prachtvolle Gebäude soll 40 000 Gulden gekostet haben. Es beherbergt heute das Museum der Stadt Calw.

Vischer wurde schon in eine wohlhabende Familie hineingeboren. Sein gleichnamiger Vater (1718-1760) und dessen Bruder Jakob Christoph (1713-1794) hatten zusammen mit 25 Kaufleuten die Holzhandelsgesellschaft Vischer & Co. gegründet. Zudem trug zum für die damaligen Zeiten sagenhaften Reichtum der Calwer Compagnie bei, dass Vischers Unternehmen durch Herzog Carl Eugen von Württemberg mit einem Privileg ausgestattet wurde, das dem Unternehmen das Monopol für den Transport und Export von Holzstämmen sicherte. Sie wurden von Flößern vom Nordschwarzwald über Nagold, Enz, Neckar und Rhein in die Niederlande gebracht.

Geringe Lebenserwartung

Von der geringen Lebenserwartung und der hohen Kindersterblichkeit im 18. Jahrhundert war auch Johann Martin Vischer betroffen. Im Jahr 1794 verlor er innerhalb weniger Wochen seinen Schwiegervater, seine 14-jährige Tochter und seine erste Ehefrau. Er selbst wurde nur 50 Jahre alt.

In zweiter Ehe war Vischer mit der Stuttgarterin Emilie Feuerlein (1776-1816) verheiratet. Sie war eine Nichte des Architekten Reinhard Fischer, der das Palais Vischer geplant hatte. Eine seiner Töchter, die ebenfalls Emilie hieß (1799-1881), heiratete den Dichter und Politiker Ludwig Uhland (1787-1862). Ihr väterliches Erbe ermöglichte ihrem Ehemann eine Existenz in finanzieller Unabhängigkeit.