Der Mond wird während der Finsternis im Juli rot erscheinen. Foto:  

Im Juli wird der Mars zum hellsten Gestirn am Nachthimmel – erst 2035 wird er der Erde wieder so nah kommen. Zudem steht eine Rekord-Mondfinsternis ins Haus.

Stuttgart - Zwei herausragende astronomische Ereignisse bietet uns der Sternenhimmel im Juli: Am 27. findet die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts statt. Am gleichen Tag überholt die Erde den Mars, wobei es zu einer extremen Annäherung an unseren äußeren Nachbarplaneten kommt. Mars wird dabei zu einem auffälligen hellen Gestirn, das die gesamte Nacht über sichtbar ist.

 

Die Vollmondphase tritt am 27. um 22.20 Uhr im Sternbild Steinbock ein. An diesem Tag erreicht der Mond schon morgens seinen erdfernsten Bahnpunkt. Ihn trennen dann 406 220 Kilometer von uns. Deshalb sieht man abends den kleinsten Vollmond des Jahres. Um 20.24 Uhr tritt der Mond in den Kernschatten der Erde. Von 21.30 bis 23.14 Uhr hält er sich vollständig im Kernschatten auf. Mit einer Stunde und 44 Minuten Totalfinsternis ist dies die längste Mondfinsternis im 21. Jahrhundert. Sie wird erst von der Mondfinsternis am 9. Juni 2123 übertroffen, deren Totalität zwei Minuten länger dauert.

Auch die totale Mondfinsternis vom 16. Juli 2000 war um drei Minuten länger als die diesjährige, was die totale Phase betrifft. Sie war die letzte im 20. Jahrhundert, das am 31. Dezember 2000 endete. Mit Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde um 0.19 Uhr am 10. Juli endet der sichtbare Teil der Finsternis. Der Vollmond geht am 27. in Deutschland erst nach Beginn der Mondfinsternis auf – in Stuttgart ist dies um 21.01 Uhr.

Erdnähe führt zu Springfluten

Neumond wird am 13. um 4.48 Uhr erreicht. Am gleichen Tag kommt der Mond mit 357 430 Kilometer in Erdnähe, was wiederum zu Springfluten und Spannungen in der Erdkruste führt. Außerdem bedeckt der dunkle Neumond fast ein Drittel der Sonnenscheibe, es ereignet sich eine partielle Sonnenfinsternis. Sie ist lediglich im Eismeer südlich von Australien, südöstlichen Gebieten des Indischen Ozeans und südwestlichen Teilen des Pazifik sowie in einem schmalen Küstenstreifen der Antarktis und an der Südostküste Australien sowie in Tasmanien zusehen.

Ein wenig südlich des verfinsterten Vollmondes strahlt am 27. Juli in einem rötlichen Licht Mars, der an diesem Tag der Sonne am irdischen Firmament genau gegenübersteht. Der Astronom spricht von Oppositionsstellung. Durch die weit südliche Position von Mars im Sternbild Steinbock gibt die Erdatmosphäre eine zusätzliche Rotfärbung, ähnlich wie Sonne und Mond bei Auf- und Untergang rötlich verfärbt erscheinen.

Wegen der elliptischen Bahnen von Erde und Mars wird die geringste Entfernung erst am 31. Juli erreicht. An diesem Tag beträgt die Marsdistanz nur 57,6 Millionen Kilometer. Dies entspricht etwa einem Drittel der Entfernung Erde – Sonne. Noch näher kam Mars Ende August 2003 mit nur 55,8 Millionen Kilometern. Erst am 15. September 2035 wird der Rote Planet mit 56,9 Millionen Kilometern wieder in extreme Erdnähe kommen.

Mars dominiert den Nachthimmel

Von Monatsbeginn bis Ende Juli nimmt die Marshelligkeit nochmals kräftig zu. Mars wird damit zum dominierenden Gestirn des Nachthimmels. Er leuchtet deutlich heller als Jupiter, der noch in der ersten Nachthälfte zu sehen ist. Am 1. Juli geht Mars eine halbe Stunde vor Mitternacht auf. Am Monatsende überschreitet er schon um halb zehn Uhr abends die südliche Horizontlinie.

Saturn im Sternbild Schütze ist noch bis weit nach Mitternacht zu beobachten. Die Helligkeit des Ringplaneten nimmt leicht ab. Seine Untergänge verfrühen sich von 5.14 Uhr am Monatsanfang auf 3.07 Uhr Ende Juli. Venus spielt nach wie vor ihre Rolle als Abendstern. Schon bald nach Sonnenuntergang kann man sie am westlichen Firmament erkennen. Venus nimmt leicht an Helligkeit zu. Allerdings verkürzt sie ihre Sichtbarkeitsdauer um rund eine Stunde. Ende Juli geht sie kurz nach halb elf Uhr abends unter.

Frühlingssternbilder im Untergang

Der Fixsternhimmel zeigt nun sommerlichen Charakter. Die Frühlingssternbilder wie Löwe und Jungfrau sind im Untergang begriffen. Nur Arktur, der orange Hauptstern des Bootes, steht noch unübersehbar hoch im Westen. Das Sommerdreieck mit den hellen Sternen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler hat den Südhimmel erobert. Die lichtschwachen Sternbilder Herkules und Schlangenträger mit der Schlange passieren die Mittagslinie. Knapp über dem Südhorizont erkennt man einen hellen, roten Stern: Er heißt Antares und ist der Hauptstern des Skorpions. Dem Skorpion folgt der Schütze, in dem zurzeit Saturn steht. Der Große Wagen hat mit seinem Abstieg begonnen. Seine Deichsel zeigt nach oben, der Wagenkasten hängt nach unten. Das Himmels-W, die Kassiopeia beginnt im Nordosten mit ihrem Aufstieg zum Zenit.

Die Erde passiert am 6. abends ihren sonnenfernsten Bahnpunkt. Ihr Abstand vom Tagesgestirn beträgt dabei 152 Millionen Kilometer. Die Tageslänge schrumpft in Stuttgart um 59 Minuten, die Mittagshöhe der Sonne nimmt um fünf Grad ab.