Bei einer Betriebsversammlung der Straßberger Firma Schotter-Teufel soll die Stilllegung des Steinbruchs verkündet worden sein. Holcim dementiert; Bürgermeister Markus Zeiser will Rechtsansprüche prüfen lassen.
Ein gewaltiger Paukenschlag kurz vor Weihnachten hat die Gemeinde Straßberg und Mitarbeiter der Firma Schotter-Teufel erwischt: Der Betrieb des Steinbruchs soll zurückgefahren beziehungsweise eingestellt werden. Das soll die Belegschaft im Rahmen einer Betriebsversammlung erfahren haben.
Die Firma Schotter-Teufel wurde 2021 von der Firma Holcim übernommen. Deren Pressesprecherin Sabine Schädle erklärt auf Anfrage, dass der Steinbruch-Betrieb nicht stillgelegt werden soll, sondern die Firma „eine strategische Neuausrichtung, mit dem Ziel, nachhaltige Innovationen voranzubringen“ durchlaufe.
Und weiter: „Im Zuge dieser Transformation wird Schotter-Teufel den Betrieb des Steinbruchs und die Schotterproduktion in Straßberg stufenweise neu aufsetzen.“
Zu Details hält sich Holcim derzeit noch bedeckt
Im Rahmen dieser Neuausrichtung wird sich Schotter-Teufel auf „zentrale strategische Bereiche“ konzentrieren: dazu gehören etwa ressourcenschonender Beton, das Recycling von Bauschutt und die Verfüllung von mineralischem Aushub.
Zudem soll die Nutzung erneuerbarer Energien ausgebaut werden, in dem die Bioenergie Zollernalb weiterentwickelt wird.
Die Pressesprecherin versichert, dass Holcim mit den betroffenen Mitarbeitern in Kontakt steht und sie während des Prozesses aktiv unterstützen wird. Zu weiteren Details hält sich die Pressestelle derzeit bedeckt – Holcim ist aber der Mitteilung zufolge mit Firmen im Gespräch, die Interesse an Arbeitskräften gezeigt haben.
Diese Zuversicht wird bei weitem nicht von jedem geteilt: „Wir stehen immer noch unter einer Art Schockstarre“, sagt Straßbergs Bürgermeister Markus Zeiser; er hatte die Nachricht am Donnerstag erhalten.
Seine Gedanken sind vor allem bei den betroffenen Mitarbeitern, die kurz vor Weihnachten diese Hiobsbotschaft erhalten haben. „Früher war es so, dass jeder Dritte im Ort beim Schotter-Teufel gearbeitet hat“, erzählt er – und auch heute noch kennt Zeiser viele Mitarbeiter und ihre Familien persönlich.
Bis 2026 muss eine Lösung gefunden werden, so Zeiser
Die Gedanken des Bürgermeisters ruhen aber auch auf der Frage, welche Konsequenzen sich für die Gemeinde Straßberg ergeben: „Für jeden abgebauten Stein und jede Auffüllung des Alt-Steinbruchs erhalten wir zusätzliche Einnahmen aus dem Pachtvertrag“, erklärt Zeiser.
Wird der Steinabbau ganz oder teilweise zurückgefahren, fließen auch weniger Pachteinnahmen in die Gemeindekasse.
Seinen Informationen zufolge soll der Steinabbau bis 2026 eingestellt und nach der Umstrukturierung wieder hochgefahren werden – aber in welchem Umfang ist derzeit ebenso unklar wie die finanziellen Verluste der Gemeinde.
Für Markus Zeiser ist klar: Bis 2026 muss eine Lösung gefunden werden; bis dahin läuft auch der aktuell gültige Pachtvertrag aus.
Ferner geht er davon aus, dass Holcim durchaus Interesse an einer Verlängerung des Pachtvertrages hat: „Der Kalkstein und Schotter sind wertvolle Ressourcen, auf die das Unternehmen auch weiterhin Zugriff haben will.“
Dennoch will sich die Gemeinde Straßberg rechtlich beraten und etwa klären lassen, welche Ansprüche sie gegenüber Holcim geltend machen kann.