Für viele Gläubige war es eine Überraschung: Die Kardinäle haben in ihrer Konklave Robert Francis Prevost zum Papst gewählt. Die Kinzigtäler Katholiken hoffen, dass der Amerikaner die Arbeit seines Vorgängers fortführt – in die Richtung einer modernen Kirche.
Der neue Papst heißt mit bürgerlichen Namen Robert Prevost; als Oberhaupt der katholischen Kirche will er Leo XIV. genannt werden. Er ist der erste Amerikaner, der zum Papst gewählt wurde. Aber auch wenn US-Präsident Donald Trump darüber zunächst frohlockte, unterscheiden sich die Werte der Beiden anscheinend massiv. Prevost gilt unter Experten als Kritiker der Migrationspolitik Trumps und als diplomatischer Pragmatiker, der sich den armen Menschen zuwendet. Dies liegt wohl auch an seiner früheren Tätigkeit als Missionar in Peru. Die Kinzigtäler Gläubigen zeigen sich über die Wahl des 69-Jährigen aus Chicago erfreut.
Das sagt der Leiter der Kirchengemeinde Haslach: Pfarrer Michael Lienhard, Leiter der katholischen Kirchengemeinde Haslach gibt im Gespräch mit unserer Redaktion zu, dass Prevost ihm vor der Konklave unbekannt war. „Er war nicht in der ersten Reihe der Favoriten und dementsprechend hat mich seine Wahl überrascht“, berichtet Lienhard. Damit war er nicht der einzige: „Im Vorfeld haben viele gemeint, dass ein Amerikaner niemals Papst werden wird“, gibt der Pfarrer wieder. Sein erster Eindruck von Papst Leo sei positiv gewesen: „Sehr sympathisch und es war interessant, dass er seine erste Messe mit den Worten ,Friede sei mit euch!’ begonnen hat“, meint Lienhard, denn Frieden sei gerade in der heutigen Zeit wichtig. Im Gegensatz zu Trump sei Leo XIV. den armen Menschen zugewandt, was sich vielleicht darin zeige, dass er in seiner ersten Rede ausschließlich Italienisch und ein paar Worte Spanisch gesprochen habe.
Ein „diplomatischer Pragmatiker“ sei Lienhards Meinung jemand, der der katholischen Kirche definitiv gut tun würde. „Um eine ganze Weltkirche zusammenzuhalten, braucht es jemanden, auf den alle gut hören“, sagt der Pfarrer.
Prevost hält er für einen „Mann der Mitte“, der die Arbeit seines Vorgänger Franziskus fortführen wird – wenn auch mit anderer Note. „Sicherlich wird es nicht in eine vollkommen andere Richtung gehen, aber Leo wird auch keine Kopie“, ist sich der Pfarrer sicher. Er glaubt, dass Leo ein sehr menschlicher Papst sein wird, der gut zuhören wird. Insgesamt sei er erfreut über die Wahl. „Ich bin zuversichtlich, dass er der richtige Mann für unsere Zeit ist.“
Es besteht die Hoffnung, dass Prevost die Arbeit seines Vorgängers fortführt
Das sagt die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Hausach-Hornberg: Ähnlich positiv gestimmt ist Monika Tschersich, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der Seelsorgeeinheit Hausach-Hornberg. „Ich finde die Wahl gut. Prevost kommt aus einem vielschichtigen Milieu und war lange Zeit Missionar in Peru. Ich erhoffe mir vom Papst dementsprechend einen offenen Blick auf die Welt“, fasst sie zusammen. Auch dass er Amerikaner ist, empfindet sie als vorteilhaft. Während US-Präsident Trump gerade die Weltpolitik aufmischt, stelle Prevost mit seinen zum größten Teil widersprechenden Einstellungen ein Gegengewicht dar. „Es wäre gut, wenn der Papst Einfluss auf die Politik Trumps nehmen würde“, findet Tschersich.
Aber sie gibt auch zu: „Der neue Papst ist gegen das Frauenpriestertum. Ich hätte mir da eine andere Einstellung von ihm gewünscht, aber so weit sind wir eben leider noch nicht.“ Insgesamt hoffe sie, dass Leo XIV. den Weg Franziskus’ weiterführt und sich für die Soziallehre der Kirche einsetzt.
„Wir müssen sehen, was die Menschen um uns herum brauchen und die Regeln dementsprechend anpassen“, führt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus. Die Gläubigen der Welt lebten in unterschiedlichen Bedingungen und Kulturen. „Die Menschen in Afrika und Amerika brauchen zum Beispiel andere Regeln als wir in Europa bezüglich beispielsweise Zölibat und Verhütung.“
Einen Diplomaten und Pragmatiker brauche es laut Tschersich, denn „es gilt, die Kirche mit all ihren Strömungen zusammenzuhalten“, meint sie. Ihre Hoffnung auf Progression innerhalb der katholischen Kirche sei jedoch begrenz, gibt sie zu. „Solche Dinge gehen in der Kirche nur sehr langsam voran“, weiß sie.
Freude über positive Bilder in den Medien
Das sagt der frühere evangelische Schulpfarrer mit Verbindungen nach Rom: Etwas skeptisch zeigt sich auch der ehemalige evangelische Schulpfarrer Hans-Michael Uhl. Zwar ist er nicht Mitglied der katholischen Kirche, aber er hat einige Jahre im Vatikan verbracht und bis heute Verbindungen dorthin. Positiv sei auf jeden Fall, dass mit der Papstwahl in Verbindung mit Kirchen und Religion wieder schöne Bilder durch die Welt gehen, sagt er vorweg. „Leute, die sich gemeinsam über den neuen Papst freuen und jubeln“, beschreibt er. Allerdings: „Ein Papst ist auch nur ein Bischof, wenn auch der höchste, und er kann das Rad der Zeit nicht schneller drehen“, meint Uhl. Er erwarte nicht, dass Leo XIV. sehr viel überarbeite, „aber ich hoffe, dass der ökumenische Grundeinstellung bestehen bleibt und da keine großen Bremsklötze nach Deutschland wirft.“
Eine weitere Hoffnung Uhls ist, dass der neue Papst seine diplomatischen Möglichkeiten wahrnimmt und den begonnen interkulturellen Dialog fortführt. „Ich wünsche mir, dass er das Gespräch sucht, weiß aber, dass er da noch nicht vorbereitet ist. Doch er ist ja noch recht jung und kann dazulernen.“ Positiv findet er, dass das neue Kirchenoberhaupt nicht auf einer Linie mit Trump liegt. „America first ist nicht das, wonach der neue Papst arbeiten wird“, meint Uhl. Leo XIV. müsse angesichts einer unter Spannung stehende Kirche nicht nur diplomatisch nach innen agieren, sondern nach außen. „Und da traue ich ihm einiges zu“, sagt der Protestant.
Zur Person
Leo XIV. heißt bürgerlich Robert Francis Prevost und ist 69 Jahre alt. Er war vor seiner Wahl zum Papst Kurienkardinal, von 2001 bis 2013 Generalprior des Augustinerordens sowie von 2015 bis 2023 Bischof des Bistums Chiclayo im Nordwesten Perus. Am 30. Januar 2023 wurde er von seinem Vorgänger Papst Franziskus zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe ernannt. Leo XIV. ist als erster Staatsbürger der USA Papst geworden und durch seine zweite Staatsbürgerschaft zugleich der erste Papst Perus. Er ist außerdem der erste Papst, der dem Augustinerorden angehört.