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Der Plagiate-Jäger unter Druck

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Von Peter Zschunke Berlin. Guttenberg, Koch-Mehrin, Chatzimarkakis – das sind die prominentesten Opfer der Plagiate-Jäger im Netz. Einer von ihnen, der Gründer der Plattform VroniPlag, hat sich "geoutet": Martin Heidingsfelder ist 46, Selbstständiger und SPD-Mitglied.VroniPlag hat jetzt ein Gesicht: Der Gründer der Plagiate-Plattform im Internet ist der 46-jährige Internet-Unternehmer Martin Heidingsfelder aus Erlangen bei Nürnberg. Unter dem Pseudonym "Goalgetter" hat er zusammen mit anderen die Dissertationen von Politikern wie Silvana Koch-Mehrin (FDP) und Georgios Chatzimarkakis (FDP) unter die Lupe genommen – beiden wurde der Doktortitel aberkannt.

"Anonymität war für mich persönlich nicht so wichtig, ich habe mich weder gefürchtet noch geschämt für die Arbeit, die wir da machen", sagt Martin Heidingsfelder. "Die Arbeit ist richtig und sinnvoll." Einer der Betreiber des GuttenPlags, ein Doktorand, begründet die Anonymität damit, dass das Projekt nicht das Werk einer Einzelperson, sondern einer breit angelegten Community sei. Außerdem wolle er anonym bleiben, weil er weiter in der Wissenschaft tätig sein wolle und bei einer namentlichen Nennung persönliche Nachteile befürchten müsse.

Nach dem "Outing" des VroniPlag-Gründers hat sich Chatzimarkakis gemeldet. In einem Interview der "Bild" warf er dem SPD-Mitglied Heidingsfelder vor, aus parteipolitischen und kommerziellen Interessen gehandelt zu haben. Als der 46-Jährige davon hört, ist er empört: "Herr Chatzimarkakis soll sich an die eigene Nase fassen. Unerhört finde ich, dass er als überführter Plagiator, der den Doktortitel verloren hat, an seinem Mandat festhält, obwohl er seine Karriere auf diesem Titel aufgebaut hat." Um Parteipolitik sei es ihm ebenso wenig gegangen, versichert der Internet-Unternehmer aus Erlangen. Er sei nur ein einfaches Parteimitglied, und "die Plattform ist sicherlich keine Gliederung der SPD". Er sei schon immer politisch interessiert gewesen, sagt Heidingsfelder.

Bei GuttenPlag habe er am Anfang nur helfen wollen. "Jemand im Chat hatte um Unterstützung gefragt. Da haben sie mir die Dissertation geschickt, und da habe ich auf Anhieb einen Treffer gefunden. Dies hat mich fasziniert." Weil das GuttenPlag-Wiki nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vom Amt des Verteidigungsministers keine weiteren Fälle bearbeiten wollte, gründete Heidingsfelder das VroniPlag-Wiki – benannt nach einer Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, deren Dissertation unter die Lupe genommen wurde. "Fast im Wochenrhythmus kamen neue Fälle hinzu."

Heidingsfelder studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg, später mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Seit 1988 arbeitet er als Selbstständiger, entwickelt Online-Befragungen für Marktforschungsinstitute und Unternehmensberatungen, interessiert sich darüber hinaus für Web-2.0-Projekte. "Ich führe eine kleine Ein-Mann-Firma, sitze zu Hause und programmiere", erklärt Heidingsfelder.

Die öffentliche Aufmerksamkeit um seine Person ist dem Franken eher unangenehm. "Es gibt über 20 regelmäßige Mitarbeiter bei VroniPlag. Allein deswegen ist meine Bedeutung eher gering." Keiner könne bei VroniPlag allein entscheiden, welcher Fall behandelt werde und welcher nicht. Das "Outing" hat für Heidingsfelder einiges verändert. "Jetzt befürchte ich auch Nachteile und persönliche Angriffe, aber es kommt auch viel Anerkennung."

 
 

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