Kai Aufrecht und Lucie Pfeiffer genießen die Sonne auf dem Dach ihres neuen Heims. Foto: privat

Der Ostdorfer Kai Aufrecht und seine Lebensgefährtin Lucie Pfeiffer aus Kornwestheim sind Anfang des Jahres nach Italien ausgewandert.

Balingen-Ostdorf - Am Westufer des Gardasees, in den Bergen über der kleinen Gemeinde Tignale, haben Pfeiffer und Aufrecht ein abgelegenes Haus mit vier Hektar Wald und Wiesen gekauft. Dort möchten sie ein möglichst autarkes Leben führen.

Kennengelernt haben sie sich vor zehn Jahren in Frankreich. Damals habten beide in Konstanz studiert, er Projektmanagement und Bauingenieurwesen, sie Sportwissenschaften und Sporttherapie. Unabhängig voneinander sind sie als Ski- und Snowboard-Trainer mit dem TV Konstanz nach La Plagne gefahren und sich durch ihre Leidenschaft zum Sport das erste Mal begegnet.

Nach dem Studium zogen die beiden nach Überlingen am Bodensee. Da ihnen dort die Berge zu weit weg waren, gingen sie für drei Jahre in die Schweiz in den Skiort Crans-Montana. Dort sei es auch sehr schön gewesen, sind sie sich einig, doch für ihr nächstes Vorhaben dauerte ihnen der Winter zu lange. "Wir haben einfach geschaut, wo es am besten, für das was wir geplant haben, passen könnte", erklärt Pfeiffer.

Schwieriger Umzug wegen der sich ständig ändernden Corona-Regeln

Berge zum Biken, ein See zum Windsurfen, ein bezahlbares Haus mit Wald und Wiese, sowie ein mildes Klima, das sich für ein mehr oder weniger autarkes Leben eignet – das seien ihre Kriterien gewesen. Auf verschiedenen Internet-Plattformen haben sie sich Gebäude in Frankreich und Italien angeschaut. "Da unser Budget nicht allzu groß war, hielt sich die Auswahl in Grenzen", so Aufrecht. Vergangenen Sommer hätten sie sich dann das eine Objekt, das all ihre Wünsche erfüllt habe, vor Ort begutachtet und es direkt gekauft.

Der Umzug habe sich aufgrund der sich ständig ändernden Corona-Regelungen etwas schwierig gestaltet: "Wir hatten immer nur sehr kurze Zeitfenster, um umzuziehen. Im Januar hatten wir nur zwei Tage, um zweimal mit einem Transporter an den Gardasee zu fahren", berichtet die 32-Jährige.

Auch spielte das Wetter nicht mit: Es habe soviel Schnee gelegen wie die vergangenen 50 Jahre nicht. Mit Schneeketten seien sie gerade so bis zur Auffahrt des Hauses gekommen. Die letzten 150 Meter hätten sie alle ihre Sachen mit dem Schlitten hochziehen müssen. "Da wir am nächsten Tag nochmal in die Schweiz mussten, um den Transporter zu beladen, und das mit dem Schlitten sehr langsam vonstatten ging, haben wir bis um 5 Uhr morgens die Sachen zum Haus hochgezogen und sind dann sofort wieder losgefahren", erzählt Pfeiffer.

Unterhaltungsprogramm für Besucher

"Im Moment sind wir auf der Suche nach einer Wasserader auf unserem Grundstück", sagt Aufrecht. Fließendes Wasser gebe es noch nicht: Bisher müssten sie ihr Wasser mithilfe von Tonnen an einer öffentlichen Trinkwasserquelle holen.

Im Frühling sollen die ersten Ziegen einziehen. Dann wollen die Auswanderer auch Gemüse anbauen. Im Garten soll noch ein Holzbackhäuschen entstehen. Das Holz für dessen Befeuerung und für die Heizöfen im Haus würden sie im eigenen Wald holen. Ein kleiner Luxus seien die Stromleitung sowie der Zugang zum Internet.

Ein Zubrot möchte sich das Paar mit der Vermietung einer Ferienwohnung und ein oder zwei Stellplätzen für Camper verdienen. Die Ferienwohnung sei eigentlich schon bereit zum Vermieten, doch "da einzelne Regularien, wie die Größe der Fenster, noch nicht exakt passen, sind noch Nachbesserungen nötig. Alleine die Genehmigungsphase dafür dauert bei den italienischen Behörden mindestens ein Jahr", weiß der gelernte Zimmerer und Bauingenieur Aufrecht. Daher dürften die ersten Gäste frühestens in einem Jahr kommen.

Auch für das Unterhaltungsprogramm der Besucher soll dann gesorgt werden: Neben Wander- und Moutainbike-Touren möchte Pfeiffer Yogastunden, Pilates und Personal Training anbieten. Vielleicht wird es irgendwann Eselreiten für Kinder geben.

Schon nach zwei Monaten in der neuen Heimat hätten sie sich bereits ein bisschen den Gewohnheiten des Landes angepasst und machen es so wie die Italiener sagen: "Piano, piano – immer schön langsam!" In Social Media wie Facebook und Instagram, kann man den zwei Auswanderern unter dem Stichwort "Piempdue" folgen. "Piemp" ist abgeleitet von ihrem Straßennamen "Via Piemp", und "due" ist schlicht die Hausnummer 2, so Aufrecht.

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