Das Gasthaus Elsäßer Hof in Kappel mit Inhaber Mathias Arenz (stehend) ist. Foto: Decoux

Kappel-Grafenhausen ist beim Orts-Check auf Platz zwölf gelandet und hat in fast allen Punkten schlecht abgeschnitten. Bürgermeister Jochen Paleit denkt, dass viele eine falsche Wahrnehmung haben, auch weil die Verwaltung eher im Stillen arbeitet.

„Die Platzierung wird der Lebensqualität in Kappel-Grafenhausen nicht gerecht“, kommentiert Paleit das Abschneiden seiner Gemeinde. Mit dem „schönsten Naturschutzgebiet Badens, in dem Tausende Orchideen blühen“ oder kurzen Wegen ins Elsass, nach Straßburg und in den Schwarzwald kenne er „keinen Ort, der vielseitiger ist“.

 

Dennoch: Die Umfrage-Teilnehmer sehen einigen Verbesserungsbedarf. In elf der 14 Kategorien landete Kappel-Grafenhausen unter dem Durchschnitt.

Besonders schade findet der Bürgermeister, dass seine Gemeinde beim Thema Immobilien auf den unteren drei Plätzen gelandet ist. „Es ist unser großes Anliegen, Wohnraum zu schützen“, sagt Paleit. Die Gemeinde reguliere beziehungsweise verbiete Ferienwohnungen in bestimmten Gebieten und schaffe Wohnfläche im Bestand. „Wir tun alles dafür, den Immobilienmarkt und auch den Mietwohnungsmarkt zu entzerren“, sagt Paleit. Unter anderem entstehen im Mühlenareal 60 neue Wohnungen.

Die Regulierung der Ferienwohnungen nimmt viel Arbeit in Anspruch

Vor allem die Regulierung der Ferienwohnungen sei enorm viel Arbeit, von der jedoch die Kappel-Grafenhausener nur wenig mitbekämen. Paleit vermutet, dass dies auch ein Grund für das schlechte Abschneiden im Orts-Check ist. Solche Verwaltungsarbeit werde generell weniger gesehen, als wenn man symbolträchtig „alle zwei Wochen ein Band durchschneidet“, um beispielsweise ein Neubaugebiet zu eröffnen.

Sehr positiv bewertet haben die Kappel-Grafenhausener die Gastronomie. Mit Rang vier erreicht die Doppelgemeinde dabei ihre beste Platzierung. „Die Einschätzung trifft voll zu“, sagt Paleit. Er freue sich darüber, dass der „Elsäßer“ in die Zukunft investiert, dass der „Engel“ sich neu aufgestellt hat und dass man über eine „liebenswerte Pizzeria“ verfügt. Auch das „Schiff“ hebt Paleit als zuverlässiges Restaurant hervor. „Die Angebotspalette passt einfach“, sagt der Bürgermeister. Solche traditionsreichen Gaststätten seien der „Kern für die Identität des Orts“. Paleit erkennt aber auch, dass diese Gastronomie in Kappel-Grafenhausen nur so dargeboten werden kann, weil viele Gäste in die Doppel-Gemeinde kommen.

Kappeler wünschen sich mehr Einkaufsmöglichkeiten

Deutlich weniger zufrieden sind die Bürger, wenn es um Waren des täglichen Bedarfs geht. Dabei landet die Gemeinde unter dem Durchschnitt, wenn auch nur knapp. „Es ist schade, dass ein Ort wie Kappel keine Einkaufsmöglichkeiten hat“, schreibt auch etwa ein Umfrage-Teilnehmer. Paleit sieht jedoch einen Supermarkt in Kappel als nicht realistisch an und verweist auf den Edeka in Grafenhausen, der „revitalisiert“ und Ende 2021 neu eröffnet wurde. „In jeder Stadt sind die Distanzen größer“, sagt er. Mit dem Vollsortimenter bekomme man in Kappel-Grafenhausen alles.

Knapp über dem Durchschnitt haben die Kappel-Grafenhausener ihre Gemeinde beim Thema Kinder und Familie bewertet. Der Bürgermeister zeigt sich überzeugt von einer „kleinteiligen Betreuungsstruktur“, bei der auf jedes Kind individuell eingegangen werden könne. Am anderen Ende des Altersspektrums – bei den Senioren – ist Kappel-Grafenhausen dafür auf dem vorletzten Platz. „Das kann ich nicht teilen“, meint Paleit. „Wir haben ein neues Pflegeheim im Ort, betreutes Wohnen und alles, was man im Alter braucht“.

Die „Wilden Weiden“ im Naturschutzgebiet Taubergießen stehen für die Klimaschutzbemühungen der Gemeinde. Foto: LEV/ThomasKaiser

Ebenfalls Vorletzter ist die Gemeinde beim ÖPNV. „Ja, das ist derzeit schlecht“, gesteht Paleit ein und verspricht: „Es wird besser, ich kümmere mich darum“. Mitte April wurde bekannt, dass die sechs Bürgermeister der Kommunen in der südlichen Ortenau an einem Konzept feilen, um den Nahverkehr entscheidend zu verbessern. Fünf Linien im festen Stundentakt für alle Gemeinden sind vorgesehen. Diese Zusammenarbeit habe Paleit initiiert.

Stolz ist der Bürgermeister auch auf den Klimaschutz der Gemeinde. Der Auwald mit hochwasserresistenten Baumarten sei der „einzige klimastabile Wald weit und breit“. Mit den „Wilden Weiden“ sei man führend bei der Transformation zu klimastabilen Lebensräumen. Diesen Aspekt honorieren die Umfrage Teilnehmer. In der Kategorie „Digitalisierung/Energie/Klima“, fährt Kappel-Grafenhausen mit Platz sechs ihr zweitbestes Ergebnis ein.

Bürgermeister sieht dieVereinswelt in seiner Gemeinde gut aufgestellt

Angemerkt wurde von einigen Teilnehmern, dass sie sich mehr Unterstützung für die örtlichen Vereine wünschen. Sie äußerten Sorge, das Dorfleben könne erlahmen. Einen der schlechtesten Werte erreichte die Gemeinde auch beim Thema Kultur. Der Rathauschef sieht jedoch das Vereinsleben, vor allem mit den Musikkapellen, gut aufgestellt. Die Pandemie sei gut überstanden worden. Beim Thema Kultur möchte Paleit den Ball gerne zurückspielen, denn die Bürger müssten das Angebot auch annehmen oder selbst dafür sorgen. Über nur 60 Besucher beim Theater Baal im vergangenen Jahr war Paleit enttäuscht.