Mit fein bösem Wiener Humor: Lisa Wildmann und Nikolaus Büchel setzen einem gefeierten Kabarett-Duo im Theater der Altstadt ein würdiges Denkmal.
Ein paar steingrau lackierte Holzstelen auf der Bühne des Theaters der Altstadt genügen, um das Publikum der Uraufführung von „Der Nowak, die Torte und der Vorderzahn“ glauben zu lassen, man sei auf dem Wiener Zentralfriedhof. Hierhin kommt die greise Sängerin Cissy Kraner (Michaela Schausberger), um am Grab ihres Mannes Hugo Wiener (Sebastian Schäfer) alte Zeiten Revue passieren zu lassen. Ohne Musik und Gesang gibt’s aber keine Revue, also muss der Verstorbene für einen Abend aus der Grube fahren, um für Cissy und das Publikum hinter einem Grabstein in die Tasten zu hauen.
Der Wiener Humor ist fein böse, aus dem Morbiden zieht er besonderen Charme. Darauf hat sich auch das Regie-Duo Lisa Wildmann und Nikolaus Büchel für seine Kabarett-Revue über das Künstler-Ehepaar Cissy Kraner und Hugo Wiener besonnen, das sich 1938 auf einer Tournee nach Lateinamerika kennen lernt und bis zu Wieners Tod 1993 zusammen bleibt. Die Biografie des Paars ist teils traurig und vom Faschismus überschattet. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft muss Wiener im Exil leben, seine Familie wird von den Nazis ermordet. Cissy Kraner eröffnet mit Hugo Wiener in Caracas eine Musikbar für Exilanten, bis sie in den 1950er Jahren zusammen nach Österreich zurück kehren. In der Nachkriegszeit interpretiert Cissy als Diseuse die kabarettistischen Lieder ihres Mannes, während Hugo sie am Klavier begleitete. Michaela Schausberger und Sebastian Schäfer spielen nach, wie die beiden Zeitgeist und Alltagsbeobachtungen in komischen Miniaturen verpackten.
Das Musikalische nimmt den größten Raum ein, besonders am Anfang brauchen Lisa Wildmann und Nikolaus Büchel als Autoren ein bisschen zu lange, bis sie den Sprung von den musikalischen Nummern zur biografischen Spielhandlung schaffen. Später sind Chansons und Spielszenen gut miteinander verwoben. Die Lyrik Wieners reicht voll aus, um das Kopfkino in Gang zu setzen, die schöne Inszenierung ist Zugabe. „Der Wiener ist wie ein Punschkrapferl, außen rosa, innen braun“, ätzt Cissy einmal. Erstaunlich, dass die alten Lieder und Sprüche bis heute nicht aus der Mode sind und zuweilen auch in Deutschland gelten.
Der Nowak, die Torte und der Vorderzahn. Weitere Aufführungen vom 18. bis 21. und am 31. Dezember