Die Nordschwarzwälder haben abgestimmt. Foto: Schwenk

Was sagen die Kandidaten von SDP, CDU, Grüne, FDP, AfD und Die Linke zur Bundestagswahl im Nordschwarzwald? Welche Schlüsse sie aus dem Ergebnis ziehen.

Die Bürger im Nordschwarzwald haben gewählt. Nun ist es an der Politik, mit dem Ergebnis umzugehen und eine Regierung zu bilden. Wir haben mit den Direktkandidaten aus der Region über die Wahl gesprochen.

 

Saskia Esken, SPD

Saskia Esken Foto: Biermayer

Der ZDF-Reporter fragt Saskia Esken am Wahlabend direkt, warum sie als Co-Parteivorsitzende nicht gleich zurücktritt angesichts des desaströsen Ergebnisses für die Sozialdemokraten. Sie hätten bei der Wahl 2021 gemeinsam gewonnen, und es gemeinsam geschafft, die SPD neu aufzustellen, antwortet die Co-Bundesvorsitzende und Kandidatin im Wahlkreis Calw. „Wir können es auch schaffen, gemeinsam zu verlieren.“ Natürlich müssten sie die Partei neu aufstellen, auch personell. „Aber das machen wir gemeinsam und nicht am Wahlabend von einer Bühne herunter“, erklärt Esken.

Klaus Mack, CDU

Klaus Mack Foto: Biermayer

„Wir hätten uns natürlich eine Drei vor dem Ergebnis gewünscht“, meint Klaus Mack. „Aber wir sind die stärkste Kraft und Friedrich Merz wird der nächste Kanzler der Bundesrepublik. Das ist die wichtigste Botschaft des Abends.“ Selbstverständlich sei die Ausgangslage für eine Regierungsbildung mit einer so starken AfD nicht einfach, räumt Mack ein. „Das wird spannend.“ Er habe im Wahlkampf über die letzten Wochen kräftig Rückenwind gespürt. Das schlägt sich im Ergebnis nieder. Gegen 21 Uhr sagt Mack: „Die Tendenz sieht gut aus“ – er dürfte es wieder in den Bundestag schaffen.

Thuy Nga Trinh, Bündnis 90/Grüne

Thuy Nga Trinh Foto: Biermayer

Zufrieden könnten die Grünen nicht sein, sagt Trinh. Das Ergebnis zeige „dass wir deutlich mehr auf die Bedürfnisse der Bürger eingehen müssen“. Zweifelsohne habe man „in der letzten Regierung viel Vertrauen verloren“. Doch ob in der Opposition oder in der Regierung, die Grünen würden sich weiterhin mit ganzer Kraft für Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Persönlich habe sie nicht mit dem Einzug in den Bundestag gerechnet, deswegen sei sie auch nicht enttäuscht. „Ich habe im Wahlkampf viele Learnings für mein Leben mitgenommen.“

Thuy Nga Trinh, Bündnis 90/Grüne

Raimond Lamparter Foto: Biermayer

„Es ist ja noch nicht fertig“, antwortet der AfD-Kandidat gegen 20.45 Uhr, angesprochen auf das Ergebnis seiner Partei im Bund. Und dennoch ist die Tendenz „schon mal sehr positiv zu bewerten“, meint der 56-Jährige. Mit deutlich über 20 Prozent im Wahlkreis liegt er sogar über dem AfD-Bundesdurchschnitt mit seinen Ergebnissen. „Es ist doch positiv zu bewerten, dass viele Leute eine Wende wollen“, befindet der Freudenstädter. Das Wahlergebnis, das sich abzeichnet, entspricht seinen Eindrücken aus dem Wahlkampf. Er habe an allen Infoständen eine positive Resonanz erfahren.

Felix Stöffler, FDP

Felix Stöffler Foto: Biermayer

Zum Zeitpunkt des Gesprächs mit dem FDP-Kandidaten war noch nicht klar, ob den Liberalen der Wiedereinzug in den Bundestag gelingen wird. Stöffler zeigte sich aber optimistisch: „Ich denke, die 5,0 Prozent werden wir noch erreichen.“ Doch auch wenn das gelingen sollte, müsse seine Partei Konsequenzen ziehen, meint Stöffler. „Das kann sowohl eine inhaltliche Neuausrichtung sein, das können aber auch personelle Maßnahmen sein.“ Ob seiner Meinung nach die Parteiführung zurücktreten soll? Stöffler sagt klar: „Das werden wir intern diskutieren müssen.“

Thomas Hanser, Die Linke

Thomas Hauser Foto: Biermayer

Die Linke erlebt im Bund einen Höhenflug. „Das ist unglaublich, und ich kann mich auch nur bei allen Wählerinnen und Wählern bedanken“, sagt Linken-Kandidat Thomas Hanser. Auch wenn die Umfragen für seine Partei bereits gut aussahen, ist er überrascht, wie gut die Linken abschneiden. Den Rückenwind spürt er auch im Wahlkreis. Zum einen zeichnet sich früh am Abend ab, dass er sein Ergebnis im Vergleich zu 2021 wohl verbessert. Zum andern erzählt Hanser: „Es ist bei uns unglaublich.“ Zuletzt habe der Kreisverband Calw-Freudenstadt jeden Tag drei neue Mitglieder verzeichnet