Es war der Traum der Selbstständigkeit, der für Gregor Schwanke auch lange funktionierte: Doch nun schließt er seinen Laden für Aquarien und Haustierbedarf zum Ende des Monats. Sein Traum sei ausgeträumt – Schuld gibt er sowohl der Bundes- als auch der Kommunalpolitik.
Im Januar 2022 kehrte in die Neckarstraße 56 wieder Leben ein – und nun schon wieder aus.
Der branchenbekannte Gregor Schwanke öffnete dort in einem ehemaligen Brautkleidgeschäft seinen Laden für Haustierbedarf Aqua Design Black Forest.
Durch die Eröffnung in der Neckarstraße wollte er sich mit der Ladenfläche in der Neckarstraße eigentlich vergrößern, sein Geschäft florierte. Doch jetzt ist Schicht im Schacht und der Aquarien-Experte zieht sich ganz aus der Selbstständigkeit zurück. Was ist passiert?
Das Geschäft florierte zunächst
Sein erstes Aquarium habe er mit sechs Jahren bekommen, erzählt Schwanke. Seit 2017 gab es sein „Aqua Design Black Forest“, vor dem Standort in Schwenningen, in Villingen und Vöhrenbach vertreten.
Die Räumlichkeiten in der Neckarstraße sollten Schwanke mehr Platz, mehr Möglichkeiten geben. Auch die Lage war für ihn ideal, quasi direkt am Bahnhof und an der Bundesstraße. Lange war bei „Aqua Design Black Forest“ nur Aquaristik-Bedarf beheimatet, durch den Laden in der Neckarstraße konnte er sein Geschäft auf 180 Quadratmeter im Obergeschoss jedoch auch auf Hunde- und Katzenbedarf ausweiten.
Wo die Corona-Pandemie für andere Branchen eher den Ruin bedeuteten, florierte das Geschäft im Heimtierbedarf. „Klar, die Leute waren zuhause und hatten Zeit, sich Gedanken um ihr Haustier zu machen“, so Schwanke.
Die Lage änderte sich schnell
Doch dann wendete sich das Blatt. Und die vergangenen, etwa anderthalb Jahre, musste er wirklich kämpfen, wie er erzählt. Die eigentlich immer starken Weihnachtsgeschäfte blieben 2022 und 2023 komplett aus und „mit dem Start des Krieges in der Ukraine änderte sich die wirtschaftliche Lage“, schaut Schwanke zurück. Mit dem Anstieg der Energiekosten sei es gewesen, „als hätte jemand vorne die Tür abgeschlossen“, drückt er es aus.
Die Kunden wurden weniger – der Eindruck, Aquarien würden im Unterhalt zu viel kosten, setzte sich durch, vermutet Schwanke. „Gleichzeitig sind einfach alle anderen Lebensbereiche auch teurer geworden, da bleibt nicht mehr viel fürs Haustier übrig“, so die Einschätzung.
Die Stimmung in der Bevölkerung ändert sich
Auf Förderungen konnte Schwanke nicht hoffen, denn „wir Kleinunternehmer bekommen eh nichts“, wie er erzählt. Bereits zu Corona-Zeiten habe man gemerkt, wie sich die Stimmung in der Bevölkerung veränderte, erzählt Schwanke. Doch mittlerweile sei eine völlige Verunsicherung spürbar. Und diese habe auch einen Grund, da ist sich Schwanke sicher: „Die Politik macht derzeit ein Fass nach dem anderen auf, ohne ein anderes zu schließen“, kritisiert er. Es komme nicht von ungefähr, dass Parteien wie die AfD immer mehr an Zulauf gewinnen würden, so schwierig die Thematik auch sei, überlegt Schwanke.
Er fühlt sich im Stich gelassen
Doch nicht nur von der Bundespolitik, auch von der Kommunalpolitik fühlt sich der Aquaristik-Experte im Stich gelassen. Die Leerstände seien in Schwenningen nicht mehr zu ignorieren. Nicht einmal habe er es selbst erlebt, oder von anderen Unternehmern in VS mitbekommen, dass man sich seitens der Stadt aktiv in Kontakt mit den Händlern begibt und das Gespräch sucht. „Da wird lieber auf einen Stadtstrand gesetzt“, moniert er. Auch beteuert er: „Den lokalen Händlern hier in VS wird es echt schwer gemacht“. Als Beispiel nennt er die Firmenläufe in Schwenningen, wofür regelmäßig die Neckarstraße gesperrt wird. „Wieso muss man den Lauf genau hier veranstalten, wo Händler ansässig sind? In diesen Stunden hatte ich überhaupt keinen Umsatz – obwohl ich offen hatte!“, schimpft Schwanke. Auf seine Kritik habe man seitens der Stadt nicht reagiert. Vieles, was in Villingen-Schwenningen passiere, werde nur für das Image nach außen gemacht, kritisiert Schwanke. „Auf die Unternehmen wird nicht geguckt.“
Räumungsverkauf findet statt
Seit Anfang Februar laufe in der Neckarstraße noch der Räumungsverkauf, auf die noch übrigen Waren gebe es Rabatte bis zu 70 Prozent. Was an Hunde- und Katzenbedarf noch übrig bleibt, werde an Tierheime gespendet.
Am 29. Februar heißt es dann: Abschied nehmen vom „Aqua Design Black Forest“ – Gregor Schwanke kehrt in seinen erlernten Beruf als Speditionskaufmann zurück. Unter den jetzigen Umständen, würde er „aber nie wieder zurück in die Selbstständigkeit gehen“, wie er sagt. Trotzdem sei ein „hart erarbeiteter Traum“ für ihn geplatzt. Es sei der Traum gewesen, der lange funktioniert habe – doch jetzt müsse er „damit Schluss machen, bevor es sich zum Alptraum entwickelt.“