Lisa Hengstler gibt bei der Homestory Einblick in ihr Zuhause. Die offene Küche mit Esstisch und angrenzendem Wohnzimmer bietet hierfür einen gemütlichen Rahmen. Foto: Markus Reutter

Sie ist noch jung und in einer Männerdomäne tätig. Die 36-jährige Lisa Hengstler ist die einzige Frau in einem Bürgermeisteramt im Kreis. Eine zweite Amtszeit steht an.

Die Bürgermeisterwahl ist diesen Sonntag, 7. Dezember. Wobei das Ergebnis absehbar ist: Lisa Hengstler ist die einzige Bewerberin für den Chefposten im Gütenbacher Rathaus. Einer Wiederwahl steht nichts im Wege.

 

Wie tickt die 36-Jährige eigentlich? Einen mehr privaten Einblick ermöglichte sie unserer Redaktion bei einem Besuch bei ihr zuhause. Auch wenn sie schon viele Jahre in Gütenbach tätig ist – im Jahr 2017 fing sie in der dortigen Verwaltung als Hauptamtsleiterin an und gewann dann die Bürgermeisterwahl im Dezember 2017 –, wohnt sie doch in St. Georgen.

Bereits bevor sie ihr beruflicher Weg nach Gütenbach führte, war für sie und ihren Mann klar, dass sie gerne in St. Georgen wohnen bleiben wollen. Schließlich sei sie in St. Georgen groß geworden. Lediglich zwischen ihrem sechsten und 15. Lebensjahr sei die Familie mehrfach umgezogen, aber schließlich wieder in die Bergstadt zurückgekehrt.

In einer knappen halben Stunde in Gütenbach

Sie habe mit dem Gedanken gespielt, auch in Gütenbach eine Wohnung zu nehmen. „Aber das lohnt sich nicht von der Entfernung“, meint sie. In einer knappen halben Stunde fahre sie nach Gütenbach. Auch den Kindern wollte sie einen Umzug nicht zumuten. „Vom familiären Umfeld her hat das nicht gepasst.“

Im Jahr 2021 haben sie sich ein frei stehendes Haus mit Garten auf der Seebauernhöhe gekauft, das auch den beiden Kindern Platz zum Spielen und Rumtoben bietet. Paul ist jetzt drei Jahre alt. Im September 2024 wurde Maria geboren. Zwei Kinder sollen reichen in puncto Familienplanung, merkt die 36-Jährige an. Es sei schon hin und wieder eine Herausforderung, Familie und Bürgermeistertätigkeit unter einen Hut zu bringen. Doch mit einer guten Planung machbar. In die Planung sei auch ihr Mann einbezogen, der zu 70 Prozent bei der St. Georgener Stadtverwaltung arbeite, wo er für den Hochbaubereich zuständig sei.

Dankbar für die Hilfe

Im Gespräch bietet Lisa Hengstler Weihnachtsgebäck an. „Die hat mein Mann gebacken.“ Beim Kochen würden sie sich abwechseln. In den Betreuungsplan der Kinder sei auch ihre 66-jährige Mutter eingebunden. Sie wohne in der Einliegerwohnung im Haus. „Sie hilft noch viel im Haushalt mit“, meint Lisa Hengstler dankbar. Ihr Vater sei schon vor zehn Jahren verstorben. „Er ist bei einem Autounfall verunglückt.“

„Ich habe zuerst gedacht, das wärescherzhaft gemeint“

Neues Leben kam mit ihren beiden Kindern auf die Welt, die sie auch gelegentlich bei einem offiziellen Termin als Bürgermeisterin mitnimmt. „Wenn es passt“, fügt sie einschränkend hinzu.

Der Gedanke, Bürgermeisterin in Gütenbach zu werden, wurde schon früh an sie herangetragen. Kaum habe sie dort als Hauptamtsleiterin 2017 begonnen, habe es aus den Reihen des damaligen Gemeinderats einige Monate später entsprechende Anfragen gegeben, ob sie sich das Bürgermeisteramt vorstellen könne. „Ich habe zuerst gedacht, das wäre scherzhaft gemeint. Aber dann doch gemerkt, das war ernst.“ Sie habe sich das lange gut überlegt, sich dann auch des Rückhalts im Gemeinderat versichert und schließlich beworben. Auch damals, bei der Wahl im Dezember 2017, sei sie die einzige Kandidatin gewesen. Die Wahlbeteiligung sei mit rund 60 Prozent erfreulich hoch gelegen. Für ihre zweite Amtszeit und die Wahl diesen Sonntag wünscht sie sich auch eine gute Wahlbeteiligung. „So 40 bis 45 Prozent erhoffe ich mir schon.“

Bei ihrem Wahlkampf habe sie Flyer an die Haushalte verteilt, sei dabei auch ins Gespräch mit vielen Gütenbachern gekommen. „Das waren durchweg positive Gespräche“, freut sie sich über den Rückhalt in der Bevölkerung.

Im Moment „kommt nichts anderes in Frage“

Dass sie für eine zweite Amtszeit kandidiert, war für sie ganz natürlich. Die Arbeit mache ihr Freude. „Für mich kommt im Moment nichts anderes in Frage.“ Außerdem wolle sie Projekte zu Ende bringen und habe schon Ideen für Neues. „Ein Traum“ geht für sie in Erfüllung mit der Schaffung des neuen Gemeindezentrums, in dem Feuerwehr und Rathaus untergebracht sind. Die Feuerwehr sei bereits im November dort eingezogen. „Das war ein sehr schöner, bewegender Moment.“ Für Januar sei der Umzug der Verwaltung ins Gemeindezentrum geplant. Bereits zur Wahl am Sonntag werde im Gemeindezentrum das Wahllokal sein, in dem die Bürger zwischen 8 und 18 Uhr ihre Stimmen abgeben können. Um 19 Uhr tage der Gemeindewahlausschuss und werde dann das offizielle Wahlergebnis bekanntgeben. Es gebe eine „kleine Wahlparty“ im Gemeindezentrum, lädt Lisa Hengstler zur Teilnahme ein.

Wie Lisa Hengstler tickt

Persönlich
schätzt sich Lisa Hengstler als ehrgeizig ein. Das zeige sich auch an ihren sportlichen Ambitionen. Eigentlich sei sie sportlich eher „ungeschickt“. Aber dank ihrer Disziplin und dem Einhalten von Regeln bleibe sie sportlich aktiv, trainiere beim Tauchsportclub St. Georgen und gehe gerne joggen. „Ich bin eher weltoffen und interessiere mich für andere Kulturen.“ Dabei erwähnt sie, dass sie zwischen Ausbildung und Studium ein halbes Jahr in Australien „alleine rumgereist“ ist. Außerdem habe sie während ihres Verwaltungsstudiums in Kehl drei Monate in Südafrika verbracht und dort in Townships gearbeitet. „Das war im Prinzip wie Unterricht für Kinder, die dort keinen Zugang zu Bildung haben.“ Bei ihrer Arbeit als Bürgermeisterin pflege sie einen „mehr kooperativen“ Stil. „Etwas gemeinsam entwickeln, macht mir Spaß.“ Außerdem betont sie: „Ich würde niemals einen Mitarbeiter anschreien oder beleidigen.“ Und weiter: „Ich schrecke auch nicht davor zurück, mir mal professionelle Unterstützung geben zu lassen“, zeigt sie sich offen für Coaching für Personen in Führungspositionen. Ein großes Lob zollt sie den Mitarbeitern der Gemeinde, spricht von einem „tollen Team“. Auch der Gemeinderat sei eine „gute Mannschaft“. „Das würde für mich gar nicht in Frage kommen, da jetzt rauszugehen“, freut sie sich auf die nächsten achte Jahr als Bürgermeisterin von Gütenbach.