Der Wochenmarkt gehört seit Jahrzehnten zum Stadtbild von Rottweil. Doch am Mittwoch wird es zunehmend ruhiger. Was sagen die Beschicker dazu?
Am Rottweiler Wochenmarkt auf der Oberen Hauptstraße ist es am Mittwoch überschaubar. Lediglich sechs Marktstände sind derzeit vertreten: ein Grillstand, ein Metzger, ein Bäcker, ein Geflügelhofladen, ein Gemüse- sowie ein Fischstand. Statt wie früher in der Fußgängerzone ein Spalier für die Kundschaft zu bilden, stehen die Wagen entzerrt voneinander nur noch auf einer Straßenseite.
Zwar ist es Winter, und Urlaubszeiten einzelner Beschicker spielen eine Rolle. Doch der Rückgang ist kein kurzfristiges Phänomen: Seit mehreren Jahren nimmt die Zahl der Marktstände kontinuierlich ab. Woran liegt das?
Die Gründe, die die Marktbeschicker im Gespräch mit unserer Redaktion nennen, ähneln sich. Hoffnung macht vor allem die enge Bindung zu den Stammkunden. „Die Leute wären traurig, wenn man nicht mehr kommen würde“, antwortet eine Mitarbeiterin vom Wurst- und Fleischwarenstand Jürgen Lepsch aus Bösingen auf die Frage, ob es sich das Geschäft noch lohnen würde.
Fachkräfte fehlen überall
Gleichzeitig spüre man deutlich, dass der Geldbeutel vieler Kunden knapper geworden sei. Immer häufiger orientierten sich diese an den Angeboten der Supermärkte. „Ein kleiner Betrieb kann da preislich kaum mithalten“, so die Mitarbeiterin. Hinzu komme der Personalmangel: Fachkräfte und Aushilfen seien schwer zu finden. Auch behördliche Auflagen und zahlreiche notwendige Genehmigungen stellten für kleine Marktstände eine zusätzliche Belastung dar.
Weniger Beschicker als früher
Seit zwei bis drei Jahren werde es zunehmend ruhiger, berichtet Monja Grathwohl vom Geflügelhof Schneckenburger aus Bergfelden. Nicht nur die Kundenzahl, auch die Anzahl der Beschicker habe deutlich abgenommen, was wiederum die Attraktivität des Marktes schmälere. Sorge bereitet ihr zudem die bevorstehende Eröffnung des neuen Rewe-Markts.
Wie sich diese zusätzliche Konkurrenz auf das ohnehin zähe Geschäft auswirken werde, sei schwer abzuschätzen. Auffällig sei mittwochs außerdem der hohe Altersdurchschnitt der Kundschaft. Einige langjährige Stammkunden schafften den Weg auf den Markt nicht mehr oder seien verstorben.
Vom Bodensee nach Rottweil
Ähnliche Beobachtungen macht Melanie Kroner vom Demeter-Gemüsestand Moosfeld aus Bohlingen im Landkreis Konstanz. „Es sind einfach zu wenige Stände, um neue Kundschaft anzulocken“, sagt sie. Seit den vergangenen Sommerferien habe sie einen spürbaren Rückgang bemerkt. Das Geschäft lebe vor allem von den Stammkunden und deren Bindung an den Markt. „Die Kunden freuen sich, wenn wir kommen, und sind froh darüber“, berichtet Kroner, schränkt aber ein, dass sich die Fahrt nach Rottweil für sie wirtschaftlich kaum noch lohne.
Guter Austausch zwischen den Ständen
Positiv heben die Beschicker den Zusammenhalt untereinander hervor. Man unterstütze sich, tausche sich in einer gemeinsamen Whatsapp-Gruppe aus und reagiere flexibel, etwa wenn ein Nachbarstand im Urlaub sei und entsprechend mehr Ware benötigt werde. Auch bei organisatorischen Fragen, etwa einer möglichen Verlegung des Marktes, stimme man sich ab.
Hoffnung auf den Sommer
Etwas optimistischer blickt Anna Gunst vom Stand Selected Seafood auf die Lage. Das Geschäft laufe nicht schlecht, auch wenn man auch von der Stammkundschaft abhängig sei. In den Sommermonaten sei der Absatz besser gewesen, und mit steigenden Temperaturen wachse die Hoffnung auf mehr Laufkundschaft.
Beschicker, die auch auf anderen Wochenmärkten vertreten sind, berichten von ähnlichen Entwicklungen. Rückgänge gebe es vielerorts – mit Ausnahme größerer Märkte, die weiterhin gut besucht und damit rentabler seien.
Wie sich der Rottweiler Mittwochsmarkt künftig entwickeln wird, bleibt offen. Eine Gemeinsamkeit gibt es jedoch: Keiner der derzeitigen Stände plant, dem Markt in absehbarer Zeit den Rücken zu kehren.