Der „Malerfürst“ Markus Lüpertz stellt sich selbst gern als Genie und Meister alten Schlags dar. Am 25. April wird er achtzig– Zeit zum Feiern bleibt wenig, denn Lüpertz arbeitet gerade an einer großen Kunstaktion in Karlsruhe.
Stuttgart - Vielleicht ist es sogar gut, dass derzeit keine großen Partys möglich sind. Denn Markus Lüpertz ist im Stress. Seit Wochen ackert er im Akkord und bearbeitet den feuchten Ton. In den nächsten Tagen müssen mehr als hundert Keramikplatten gebrannt und bemalt werden. Die Zeit ist knapp, im November soll „Genesis“ eingeweiht werden, so nennt sich das Kunstprojekt, das Markus Lüpertz für die neuen U-Bahn-Stationen in Karlsruhe fertigt.
Und nun kommt sein Geburtstag dazwischen. An diesem Sonntag, 25. April, wird der Maler achtzig Jahre alt – und bei einem Künstler seines Formats ist ein solcher Anlass mit besonders viel Ruhm und Ehre verbunden. Lüpertz ist einer der bekanntesten deutschen Künstler. Nicht nur die Liste seiner Ausstellungen und Auszeichnungen ist lang, er hat geschafft, was den wenigsten vergönnt ist: Sein Name ist auch in der breiteren Bevölkerung bekannt. Von Lüpertz, den die „Bild“-Zeitung gern als „Malerfürsten“ bezeichnet, hat so ziemlich jeder schon mal etwas gehört.
Der Maler ist nie um einen markigen Spruch verlegen
Seine Prominenz begründet sich weniger in der heftig-expressiven Malerei, sondern hat viel mit der exzentrischen Persönlichkeit zu tun. Lüpertz versteht es, sich zu inszenieren. Man sieht ihn meist in exquisiten Anzügen, mit Weste, Einstecktuch und Pelzkragen, mit Ohrring und Gehstock mit Totenkopf-Knauf. Er erfüllt sämtliche Klischees und Sehnsüchte rund um den Künstlermythos – und hat mit seinen markigen Thesen auch schon manche Schlagzeile provoziert. „Ein Künstler, der viel Geld für seine Bilder bekommt, muss nicht unbedingt schlecht sein“, sagt er kokett. Oder: „Die Leute verblöden, sie können ihre Fantasie nicht mehr mobilisieren, wenn sie Kunst sehen.“
Als junger Mann hatte er zu nichts Talent
Damit hat es Lüpertz zu etwas gebracht, dabei war er eigentlich einer, dem zunächst nichts gelingen wollte. 1941 wurde er im böhmischen Reichenberg geboren. Als er sieben war, zog die Familie ins Rheinland. Schon als Kind wollte er Künstler werden. „Es gab keine Alternative“, hat er erzählt. „Ich habe nichts gelernt, keine Schule zu Ende gemacht, habe kein Abitur, nix. Ich musste Künstler werden.“ Die Lehre zum Maler von Weinflaschen-Etiketten musste er abbrechen, weil er kein Talent besaß. Das Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie endete jäh nach einer Schlägerei. Lüpertz ging zur französischen Fremdenlegion, um doch bald wieder zu desertieren.
Die Karriere von Lüpertz nahm in Baden-Baden ihren Lauf
Es war Klaus Gallwitz, Direktor der Kunsthalle Baden-Baden, der ihm eine Chance gab und seine Kunst 1969 bei der Ausstellung „14 x 14“ zeigte. 1974 wurde Lüpertz Professor für Malerei an der Karlsruher Kunstakademie – und ist der Stadt bis heute verbunden. Deshalb war es für viele ausgemachte Sache, dass Lüpertz die Gestaltung der neuen Karlsruher U-Bahn-Stationen übernehmen soll, was aber stark polarisierte und Diskussionen auslöste. Ohne öffentliche Ausschreibung oder Wettbewerb bewilligte der Gemeinderat schließlich das Projekt – auch, weil es privat finanziert wird.
Ende vergangenen Jahres hat Lüpertz am Kronenplatz die erste von 14 Installationen präsentiert. Die Keramik zeigt unter anderem einen Mann, dessen Hand auf einem Totenschädel ruht. Thema des U-Bahn-Projekts ist die Schöpfungsgeschichte. Lüpertz ist ein gläubiger Mann, der zum katholischen Glauben konvertierte – wenn auch aus einem eher ungewöhnlichen Motiv heraus. Er fühle sich in den kulturellen Leistungen, die die Kirche hervorgebracht habe, zu Hause, sagt Lüpertz. „Ich glaube an die Kirche, nicht unbedingt an Gott.“
Ein Genie, das nie zufrieden mit sich ist
Die U-Bahn-Keramiken werden sicher nicht jeden überzeugen, so, wie auch seine Malerei immer umstritten war. Die heftigen, energischen Pinselstriche wecken Aufmerksamkeit, während die Motive doch eher abweisend wirken und sich oft nicht erschließen. Den Kunstmarkt schert das freilich nicht, denn der Mythos rund um einen Künstler ist oft mehr wert als das künstlerische Werk selbst. Und Markus Lüpertz lässt nicht nach, sich als Genie zu stilisieren und als großer Meister, der sich von seinen Studierenden früher auch selbstverständlich in den Mantel helfen ließ und sie, wie er gern betont, zu „Opfern“ machte. Er selbst ist allerdings auch nie zufrieden mit sich und seinen Arbeiten. Aber auch das gehört letztlich zum Künstlermythos, ewig zu hadern und zu ringen – und am Ende, wie Lüpertz sagt, „grandios zu scheitern“.
Kunst in U-Bahn-Stationen
Karlsruher Keramik
Im November sollen die 14 Installationen offiziell eingeweiht werden, die Markus Lüpertz für die neuen U-Bahn-Stationen in Karlsruhe geschaffen hat. Initiator des Projekts ist Anton Goll, der ehemalige Geschäftsführer der Karlsruher Keramikwerkstatt Majolika, der die Werbetrommel gerührt und Unterstützer gesucht hat für die Kunstwerke aus Keramik.
Kunst
Lüpertz gehört zu einer Künstlergeneration, die mit einer neo-expressiven Malerei nach dem Nationalsozialismus einen künstlerischen Neubeginn einleiten wollten.