Automobiler Alltag zu DDR-Zeiten: links ein Trabi, rechts ein Wartburg. Foto: dpa

Vor 35 Jahren sind die letzten Autos der Marke Wartburg fabriziert worden.

Ein halbes Jahr nach der DDR endete auch deren automobile Geschichte. Im April des Jahres 1991 liefen die letzten Vehikel der Marken Trabant und Wartburg vom Fließband. Die nach Luthers Asyl im Thüringer Wald benannte Marke bezeichnete die Nobelkarossen des real existierenden Sozialismus. Führende Genossen bevorzugten freilich Citroën oder Volvo als Staatslimousinen.

 

Der letzte Wartburg wurde vor 35 Jahren fabriziert: Der Bestseller dieser Marke mit der Typenbezeichnung 353 W hatte einen Ein-Liter-Motor unter der Haube, der bis zu 50 PS auf den holprigen Asphalt brachte und das Gefährt auf Tempo 130 beschleunigen konnte. Damit hat er den Trabant 1.1, Volkswagen der DDR, der nur 125 Sachen schaffte, glatt abgehängt.

DDR-Volkswagen: den Wartburg 353 gab es auch als Kombi. Foto: dpa-tmn

Die Fahrzeugfabrik Eisenach, wo der Wartburg zusammengeschraubt wurde, gab es seit 1896. Damals wurden dort unter dem einschlägigen Markennamen Kopien des französischen Decauville hergestellt. 1928 hat BMW den Wartburg geschluckt. BMWs wurden in Eisenach bis 1951 produziert – dann untersagten die Bayern der sozialistischen Konkurrenz, ihren Markennamen weiter zu nutzen.

Der letzte Wartburg mit der Typenbezeichnung 1.3 war mit dem Motor eines VW Polo unterwegs. Dabei hatten die Automobilisten in Eisenach 1972 selbst einen Viertaktmotor mit 82 PS entwickelt. Doch der passte nicht ins Konzept der sozialistischen Staatsführung. Ungeachtet des Zweitaktergeknatters wurden zigtausende Wartburgs schon zu DDR-Zeiten exportiert – nicht nur nach Ungarn und Polen, sondern auch ins westliche Ausland. Als die DDR schrottreif war, fuhren 760 000 ihrer Staatsbürger mit Autos dieser Marke durch Ostdeutschland. Inzwischen sind noch knapp 9000 als Oldtimer unterwegs.