Horbs OB Peter Rosenberger (CDU) spricht beim Jahresempfang in der Hohenberghalle von seinem letzten Arbeitstag in Horb. Foto: Juergen Lueck /Juergen Lueck

Jahresempfang 2024 in der Hohenberghalle Horb. OB Peter Rosenberger (CDU, will Landrat in Esslingen werden) spricht von seinem letzten Arbeitstag in Horb: „Ich bin auf Zeit gewählt.“

Klingt das schon nach Abschied? Auf dem Jahresempfang in der Hohenberghalle lagen nach dem Programm „Merci“-Tafeln auf den Sitzen. Und OB Peter Rosenberger spricht vom letzten Arbeitstag.

 

Die Hohenberghalle. 42 Tage vor der Kommunalwahl, 89 Tage vor der Wahl des neuen Landrats in Esslingen. Horbs OB Rosenberger will dort gewählt werden.

Die Musiküsschen der Musikschule Horb begeistern die Zuhörer. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

In seiner programmatischen Rede geht es in der Hohenberghalle um Demokratie. Die Kommune als Kern. Rosenberger sagt: „Ich habe mich in den vergangenen 15 Jahren mit ganzer Kraft und Überzeugung für unser Horb eingebracht. Das werde ich auch an meinem letzten Arbeitstag in Horb tun. Egal, wann dieser Tag sein wird. Sei es, dass ich meinen letzten Arbeitstag hier selbst bestimme. Sei es, dass Sie mich nicht wiederwählen. Ich bin Demokrat aus tiefstem Herzen. So verstehe ich auch mein Amt - ich bin auf Zeit gewählt.“

Die Zuhörer lauschen gespannt. Eutingens Bürgermeister Markus Tideman (SPD), Wolfgang Fahrner (Bürgermeister Freudenstadt), Annick Grassi (Bürgermeisterin Waldachtal), Reinhard Geiser (erster Landesbeamter). Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Ein Abschied? Die Halle rätselt. Fakt ist: Die Garde der Narrenzunft Dettingen und die städtische Musikschule Horb haben den Jahresempfang zur Gala gemacht. Die Musiküsschen mit der tollen Geigerin Alexandra stimmen ein. Bestgelaunt werfen die Mädels der Garde Lächeln, Schwung und Freude am Tanz in die Halle. Das Streichorchester brilliert mit der „ Barcarolle“, und OB Rosenberger sagt: „Wir haben 1200 Musikschüler in der ganzen Stadt.“

Steffen Jäger, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, lobt Horb: „Hier wird der Wumms gelebt.“ Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Steffen Jäger, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Gemeindetags Baden-Württemberg: „Was ich hier heute in Horb gelernt habe – zu dieser Musikschule kann man nur gratulieren. Ein Kompliment an alle Künstler. Der Wumms, der hier gelebt wird, hat eine positive Wirkung auf die Gesellschaft.“

Bringen jede Menge gute Laune in die Hohenberghalle: Die Garde der Narrenzunft Dettingen. /Juergen Lueck

Die Jungen. Das Ehrenamt. Genau das, was Jäger als Vertreter von über 1000 Kommunen im Ländle erhalten will: „Den Gemeinden ist die spezifische demokratische Funktion zur Stabilität und zum Gelingen unseres Staates. Diese Aufgabe wurde mit dem Grundgesetz vor 75 Jahren den Gemeinden übertragen. Horb und die anderen Gemeinden dürfen sich auf die Schulter klopfen – Baden-Württemberg ist eines der wohlständigsten Länder auf diesem Erdteil!“

So erfrischend ist unser Ehrenamt: Die Garde der Narrenzunft Dettingen. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Die Aufgabe der Kommune: In einer geschickten Kombination zwischen Ehrenamt, guter Verwaltung und klugem Haushalten das Wohl der Bürger vor Ort zu sichern. Jäger: „Wann waren Sie eigentlich das letzten Mal auf dem Rathaus und haben sich bedankt?“ Gelächter. Jäger: „Das waren wohl die aus dem Rathaus.“

Jäger bemängelt, dass die Kommunen inzwischen durch EU, Bund und Land weit über das verpflichtet worden sind, was faktisch leistbar sei: „60 bis 70 Prozent der Kämmerer sagen uns, dass sie für dieses Jahr keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorlegen können. Wir müssen wieder anpacken und die Ärmel hochkrempeln. Wir müssen raus aus der Komfortzone.“

OB Rosenberger stimmt auf Sparen, aber auch auf die Zukunft von Horb ein. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Rosenberger: „Trotz knapper Kassen und damit enger Spielräume bin ich überzeugt, dass die bei der Kommunalwahl Gewählten Möglichkeiten zum Gestalten haben werden.“ Ortsdurchfahrt, Stadion und Stadionhalle, Umgestaltung der Kernstadt.

Rosenberger: „Ich warne davor, auf eine Null-Gewerbeflächen-Strategie zu setzen. Ohne solche Flächenbevorratung verpuffen Chancen in Zukunft wie Schall und Rauch.“ Sein Beispiel: Der geplante Umzug von Georgii Kobold ins Industriegebiet.

Sven Gnass als Dirigent formt die Harmonie der Musik beim Jahresempfang in der Hohenberghalle. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Der OB geht noch einmal auf den umstrittenen Beschluss zur Windkraft in Horb ein. Ein Veto gegen das Rexinger „Waldjuwel“ Großer Hau wurde vom Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt. Rosenberger: „Knallende Türen und Unmut mussten die Gemeinderäte ertragen, die sich ihre Entscheidung schwer gemacht haben. Ich finde weder die eine noch die andere Art der Beschlussfassung verwerflich. Als Demokrat ist immer anzuerkennen, dass andere Mandatsträger andere Gewichtungen vornehmen.“

Wie emotional dürfen die Nachwehen der Windkraft-Debatte sein?

Horbs OB Rosenberger weiter: „Ob es klug ist, als Naturschützer denen Beifall zu klatschen, die den Wald – und übrigens alle Fläche – vor Windrädern schützen wollen, aber gleichzeitig den menschengemachten Klimawandel leugnen, lasse ich mal dahingestellt. Gefährlich wird es, wenn zur Durchsetzung der eigenen Position Grenzen überschritten werden. Das Beschimpfen von Gemeinderäten und Mandatsträgern gehört dazu.“

Der OB: „Unser Spielraum bei den Einnahmen ist begrenzt, die Ausgaben steigen ständig. Ist es in dieser Zeit verwerflich, auf Erträge aus erneuerbaren Energien zu hoffen?“

Klare Worte. Definitiv ein Bekenntnis zur Kommune. Zu den eigenen politischen Zielen. War das schon ein Abschied?

Hinterher sagt OB Rosenberger: „Nein. Das verstehe ich nicht als Abschiedsrede.“ Fügt schmunzelnd hinzu: „Dann wäre das hier dann eine Party.“