Nach Einbruch der Dunkelheit ist es ohne elektrisches Licht fast stockdunkel. Die Auswahl an Aktivitäten ohne Strom ist enorm begrenzt Foto: Moser

Elektrizität ist überall – sie sorgt dafür, dass der Fernseher läuft, Wasser aus dem Hahn kommt und die Heizung Wärme spendet. Ein Leben ohne Strom ist fast undenkbar. Und wenn es anders kommt? Wie sind 24 Stunden Stromausfall? Ein Selbsttest.

Es ist Samstagmorgen, 8:17 Uhr. Ich sitze in meinem Auto, in der Garage. Und ich fluche. Warum? Es ist das Garagentor, das mich vor eine unlösbare Aufgabe stellt. Vor nicht einmal zwölf Stunden, als ich am Freitagabend nach Hause kam, ließ es sich noch bequem vom Auto aus mit einem Druck auf die kleine Fernbedienung öffnen – und genauso spielend leicht mithilfe des Schalters in der Garage schließen. Doch jetzt stellt es für mich ein unüberwindbares Hindernis dar. Keine Chance also, mein Auto zu nutzen.

 

Immer noch kopfschüttelnd schnappe ich mir meine Tasche vom Beifahrersitz. Dann eben zu Fuß, denke ich, als ich wenige Momente später durch die Haustür trete. Zu spät dran sein werde ich trotz Stechschritts. Ein längerer Stromausfall – das lerne ich schnell – bringt meine Pläne ziemlich durcheinander.

Bundesnetzagentur: meist nur kurze Stromausfälle

Einen kurzen Stromausfall hat fast jeder schon einmal erlebt. Wenn Licht und ans Stromnetz angeschlossene Geräte ausfallen, dauert das meist nur einige Minuten, höchstens wenige Stunden. Statistisch gesehen war laut Bundesnetzagentur im Jahr 2021 jeder Deutsche fast elf Minuten ohne Strom. In Baden-Württemberg liegt der Durchschnitt mit gut zwölf Minuten sogar noch etwas höher. Trotzdem: Mit einem richtigen Blackout, bei dem tagelang flächendeckend der Strom ausfällt, ist das kaum zu vergleichen.

Schon die ersten 24 Stunden würden das alltägliche Leben in Teilen zum Erliegen bringen. Denn kaum etwas funktioniert heute noch ohne Strom. Eine Einsicht, die nicht sehr überraschend ist. Doch an diesem Tag lerne ich auf die harte Tour, was es bedeutet, auf einen so allgegenwärtigen und scheinbar selbstverständlichen Teil des Alltags verzichten zu müssen.

Mineralwasser mit Kohlensäure: nicht sehr zu empfehlen

Die Dusche am Morgen lasse ich sein – wenn überhaupt würde bei Stromausfall nur kaltes Wasser aus dem Duschkopf kommen. Und abhängig vom Wohnort wären Teile der Bevölkerung – besonders im ländlichen Raum – bereits einige Stunden nach Beginn des Stromausfalls von der Versorgung mit fließendem Trinkwasser abgeschnitten. Das zumindest hält das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für denkbar.

Ich simuliere den Ernstfall. Und so sichern eine Flasche kaltes Trinkwasser – leider Mineralwasser mit Kohlensäure, was nicht sehr zu empfehlen ist – und der gute alte Waschlappen an diesem Tag die Körperhygiene.

Keine Heizung, kein Kaffee – damit beginnt der Tag

Dann anziehen – und zwar warm. Die Heizung läuft ohne Strom natürlich nicht – auch nicht, wenn sie mit Gas oder Öl betrieben wird. Dicke Socken und Pullover sind daher ein Muss.

Die nächste Ernüchterung wartet wenige Minuten darauf in der Küche: Mein Finger berührt schon fast den Einschaltknopf der Kaffeemaschine, als ich mich eines Besseren besinne. Auch die ist ohne Elektrizität tot. Noch nicht mal einen warmen Tee könnte ich zubereiten, denn auch der Wasserkocher will ans Stromnetz angeschlossen werden. Also mache ich einen Kakao – kalt – und einen Schlachtplan.

Kleine Aufgaben werden zum großen Problem

Es gibt vieles, was ich an diesem Tag erledigen wollte. Doch ohne Strom ist nur ein Bruchteil davon möglich. Wäsche waschen – die Maschine braucht Strom. Putzen – der Staubsauger fällt schon einmal raus; kehren kann ich immerhin und auch einige Oberflächen reinigen.

Für alles, bei dem ich Wasser brauche, sieht es aber schlecht aus. Denn ich gehe davon aus, dass ich auf dem Land nicht lange versorgt würde – und mein Mineralwasser ist mir dann doch zu kostbar. Zum Kochen gehe ich um die Mittagszeit auf den Balkon. Dort steht der Gasgrill, der auch ohne Strom funktioniert. Ein warmes Essen ist gesichert.

Dafür stoße ich schon bei kleinen Aufgaben auf große Probleme: Das ausgeliehene Buch aus der Bücherei zum Beispiel, das dringend verlängert werden sollte. Normalerweise geht das bequem übers Internet. Doch WLAN hat man bei einem Stromausfall nicht – und auch das Mobilfunknetz schwächelt ziemlich schnell.

Die Langeweile ist der größte Gegner

Und so habe ich an diesem Tag vor allem einen Gegner: nicht die Kälte, über weite Strecken auch nicht das fehlende Licht oder der Mangel an fließendem Wasser, sondern die Langeweile. Die Eintönigkeit.

Wie verbringt man einen ganzen Tag – im schlimmsten Fall noch mehr – ohne Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen Menschen, ohne Internet, Radio, Fernsehen oder sonstige Berieselung? Die Antwort – zumindest in meinem Fall: hunderte Buchseiten und ein langer Mittagschlaf. Alles in allem ist es öde – und den ganzen Tag lang ungewohnt leise.

Unfreiwilliges Dinner bei Kerzenschein

Richtig langweilig wird es aber erst nach 19 Uhr. Dann ist die Sonne untergegangen – und es wird im Minutentakt dunkler. Noch vor 19:30 Uhr ist es stockdunkel, und ohne Kerzen- oder Taschenlampenlicht – beides sollte definitiv schon bereitliegen, damit man es bei einbrechender Dunkelheit nicht erst noch mühsam suchen muss – sieht man die Hand vor Augen nicht mehr. Das Abendessen wird zum unfreiwilligen Dinner bei Kerzenschein. Das funktioniert immerhin.

Zum Lesen reicht dieses Licht aber nicht mehr aus – und auch der mittlerweile angezündete Kaminofen ist grenzwertig. Meinem Handy, der einzigen Taschenlampe, die ich habe, geht so langsam der Akku aus. "Mir ist langweilig, keine Ahnung, was ich tun soll" – dieser Ausschnitt aus dem kleinen Notizheft, in dem ich meine Eindrücke des Tages festhalte, sagt alles. Also gebe ich ziemlich schnell auf. Noch einmal durchs düstere Badezimmer und mit Mineralwasser die Zähne geputzt – dann gehe ich so früh ins Bett wie schon seit Jahren nicht mehr.

Ein vorsichtiges Fazit: Auch wenn sich viele Experten einig sind, dass ein längerer Stromausfall oder Blackout in Deutschland und Europa unwahrscheinlich ist – zumindest ein bisschen vorbereitet zu sein, schadet wohl nicht. Aktuell haben einer Civey-Umfrage zufolge in Deutschland weniger als ein Drittel der Menschen mit Notvorräten und Ähnlichem vorgesorgt.

Trinkwasser in Flaschen, lange haltbare Speisen, die auch kalt gegessen werden können, Kerzen, Taschenlampen, warme Kleidung und ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio gehören laut BBK zur Grundausstattung. Weil Geldautomaten bei einem Stromausfall ebenfalls streiken, hilft auch etwas Bargeld. Und Unterhaltung, die ohne Elektrizität funktioniert. Ein Buch zum Beispiel – oder vier.

Eine Grundausstattung ist sinnvoll

Im Zweifel sind es Kleinigkeiten, die im Ernstfall den Unterschied machen. Noch besser natürlich, man muss die Notfall-Grundausstattung gar nicht erst anrühren.