Der Ichenheimer Jahrmarkt bot zwar ein großes Warenangebot, blieb aber hinter den Erwartungen vieler Beschicker zurück.
Zusammen mit einer Freundin ist die Marktbeschickerin Christine Veilandics zum ersten Mal mit selbstgebastelten Sachen beim Ichenheimer Jahrmarkt am Start. Seit zehn Jahren sind die beiden auf Märkten der Region anzutreffen mit ihren selbstgemalten und -gebastelten Accessoires. „Wir dachten uns, warum sollen wir nicht mal nach Ichenheim gehen?“ Dass so wenig Betrieb war, verstand sie mit Humor zu nehmen. „Meine Freundin und ich sehen uns oft lange Zeit nicht – so haben wir die Gelegenheit, einen Tag miteinander zu verbringen“, sagt sie gegenüber unserer Redaktion.
Ein wenig mehr Verärgerung war hingegen bei den gewerblichen Händlern rauszuhören, die von den Einnahmen ihren Lebensunterhalt gestalten müssen. Robert Stabel von der Firma Feinkost-Luise war zwei Stunden aus Zweibrücken ins Ried gefahren, um seine vielfältigen Käsespezialitäten, zu 500-Gramm-Kugeln geformt, an den Mann und die Frau zu bringen. Zum ersten Mal sei er hier und vermutlich auch zum letzten. „Die Leute sind da und laufen auch am Stand durch, doch sie bleiben nicht stehen“, hat er beobachtet.
110 Verkaufsstände boten ihre Waren an
Das Angebot indessen war riesig, dicht an dicht zogen sich die gut 110 Verkaufsstände rund 700 Meter beidseits der Rheinstraße entlang. Markisen, hochwertige Staubsauger, Sonnenbrillen und Uhren, Kleider aller Art zum Einstiegspreis. Das Angebot an typischen und weniger typischen Marktwaren war immens. Wo es Essen oder Trinken gab, war immer Betrieb, während einige Händler vorwiegend damit zu tun hatten, ihre vom böigen Winde verwehten Unterlagen und Deko-Artikel wieder einzusammeln.
Schuhe, Kinderbücher, Hüte, Messer, Gabel, Schere, Nützliches und Unnützes säumen sich entlang der Rheinstraße. Ganz vorne stand Christian Höfner aus Karlsruhe, der seit mehr als 20 Jahren mit seinem Verkaufsstand in Ichenheim steht. Sonnenbrillen und Uhren hat er im Angebot, manche kommen zu ihm, um sich eine neue Batterie in die Uhr einsetzen zu lassen. „Es lief schon besser als heute“, ist sein Fazit am frühen Nachmittag. Und er hofft, dass zur Feierabendzeit gegen fünf noch einmal etwas Betrieb entsteht.
Auch Marktmeisterin Ulrike Schuhmacher hat beobachtet, dass die Besucherzahlen nicht an die vorherigen Jahre herankamen. „Da ist man teils ja förmlich geschoben worden“, erinnert sie sich. Eine Erklärung hat auch sie nicht bereitliegen, doch sie sucht nach Gründen. „Der Markt ist ja traditionell am vierten Mittwoch nach Ostern und fiel dieses Jahr unglücklich ans Monatsende. Vielleicht macht es tatsächlich etwas aus, wenn die Leute zu Monatsbeginn mehr Geld zur Verfügung haben.“ Sie selbst habe ein durchwachsenes Feedback gezogen. „Einige Stammkunden waren unzufrieden, bei anderen war es in Ordnung“, hat sie erfahren. Für Werbung sei der gleiche Aufwand betrieben worden wie in jedem Jahr, betonte Schuhmacher.
Im Lauf des Nachmittags zogen immer mehr Kinder und Jugendliche über den Markt, während vereinzelt Marktbeschicker bereits früher abbauten – aus Sicherheitsgründen des Windes wegen, denn je nach Stellplatz wirkte das eine oder andere Zelt nicht sonderlich standfest.
Info – Großes Jubiläum
Nun wartet ein großes Jubiläum auf Ichenheim und die Beschicker des Jahrmarkts: Beim Herbstmarkt am 28. Oktober wird das 250-jährige Jubiläum gefeiert. „Der Markt findet zu den gewohnten Zeiten statt, doch am Abend gibt es noch eine Flaniermeile mit Abendprogramm und Musik, verrät Ulrike Schuhmacher.