Der SSC Tübingen feierte im Mai unter großem Jubel die Rückkehr in die Landesliga. Foto: Eibner

Die TSG Balingen spielt am Samstag (15.30 Uhr) beim SSC Tübingen im WFV-Pokal. Wir erklären, unter anderem mit Aussagen von Jonathan Annel, wieso dies ein besonderer Club ist.

1988 wurde der SSC Tübingen gegründet und hat damit noch keine 40 Jahre auf dem Buckel: Was sich aber in dieser Zeit auf dem „Tübinger Kiez“ – der Heimat des Vereins – abgespielt hat, ist bemerkenswert.

 

17 Jahre, davon 15 als Trainer, war Jonathan Annel selbst beim SSC aktiv und ist noch immer in der Sportlichen Leitung dabei. „Das ist durch die Aufgabe bei der TSG Balingen natürlich weniger geworden, aber ich bin alle drei Monate bei den Sitzungen dort und noch in sportliche Entscheidungen eingebunden“, so Annel im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Jeder ist Willkommen“

Wie viel ihm der SSC – den er als seinen Heimatverein bezeichnet – bedeutet, wird im Gespräch schnell deutlich. „Der Verein ist eine große Familie mit klaren Werten. Das Motto war schon immer, dass jeder Willkommen ist“, erklärt der A-Lizenz-Inhaber. Wie kaum ein Club steht der SSC für „Multikulti“, einst gab es den Integrationspreis der Stadt Tübingen.

Begonnen hat alles auf einem Sandplatz, Kabinen waren damals noch nicht vorhanden. Annel sagt: „Zu Beginn wurde man von anderen Vereinen aus Tübingen schon noch belächelt. Man ist aber seinen eigenen Weg konsequent gegangen.“ Die blau-roten Trikots seien beispielsweise eine Hommage an den FC Barcelona, der zu SSC-Gründungszeiten mit seinem „Dream Team“ und begeisterndem Fußball imponierte.

Die Nr. 2 in Tübingen

In die Sphären des katalonischen Weltclubs ist man selbstredend nicht vorgedrungen, die sportliche Entwicklung kann sich aber sehen lassen. Vergangene Spielzeit sicherte man sich in der Bezirksliga die Meisterschaft und spielt 2025/26 wieder in der Landesliga – zu Jonathan Annels Anfangszeiten war dies noch weit entfernt. „Wir haben zu Beginn noch gegen den SV 03 Tübingen II oder Derendingen gespielt. Mittlerweile hat man viele Clubs überholt und sich als die sportliche Nr. 2 in Tübingen etabliert“, erläutert Annel.

Zudem hat man auf seinem recht kleinen und engen Kunstrasen schon immer gerne für Pokalüberraschungen gesorgt. „Besonders sind definitiv auch die Zuschauer. Es sind meist 200 bis 300, bei speziellen Spielen auch mehr. Diese könnte man aber auch in einen Fanblock ins Stadion stellen, weil sie tolle Stimmung machen“, schwärmt Annel. Unter seiner Ägide gelangen zwei Aufstiege, es formte sich eine starke Mannschaft, von der mit den Griechen Markos Chatziliadis und Dimitrios Katsaras noch zwei Stützen im aktuellen Kader stehen.

Gemeinschaft im Vordergrund

Was Annel besonders freut: „Es hieß öfters, dass es nach meinem Abgang bergab geht. Man hat mit Steve Trevallion aber wieder einen A-Lizenz-Inhaber als Trainer. Tobias Hahn coacht die 2. Mannschaft, er war mein Co-Trainer und hat einen der größten deutschen Taktikblogs geführt. Es ist eine richtige Perspektive da, mit vielen jungen Spielern, die Lust haben in diesem Umfeld zu spielen.“ Geld ist im Mannschaftskontext nicht im Spiel, dafür bietet man den Akteuren trotzdem „Benefits“. „Wir haben schon in der Kreisliga A damals Videoanalyse gemacht und Waschmaschinen gekauft, so dass die Klamotten für die Spieler gestellt wurden. Es geht immer um die Frage, wie man die Gemeinschaft am besten unterstützen kann“; erklärt der heutige Balinger Geschäftsführer.

Mehrere Sparten

Außerdem wurde aus einem zunächst reinen Fußballverein ein Mehrspartenverein. Beim SSC wird auch American Football, Volleyball, Tanzen Cheerleading, Inklusions- und Kindersport sowie ein Lauftreff angeboten. So hat die Mannschaft auch einen Betreuer mit Down-Syndrom, der bei jedem Spiel umgezogen mit dabei ist. Annels Fazit: „Am Anfang war alles positiv verrückt, man hat sich mit der Zeit zu einem sportlich ambitionierten Verein entwickelt, der seine Werte und die markante Art aber behalten hat.“