In den meisten Kinzigtalgemeinden – hier das Wahllokal in der Haslacher Stadthalle – gab es eine hohe Wahlbeteiligung. Foto: Reinhard

Die Analyse der Landtagswahl im Kinzigtal zeigt, wo die Stimmverluste besonders hoch oder niedrig waren. Und spiegeln sich Landestrends wider? Es gab Besonderheiten.

Deutliche Unterschiede bei der Wahlbeteiligung, klare Favoriten und Wechselstimmung. Die Ergebnisse der Landtagswahl im mittleren Kinzigtal unterscheiden sich teils deutlich vom Landesschnitt – eine Analyse.

 

Wo die „Bürgerpflicht“ hochgehalten wird: Insgesamt hat die Wahlbeteiligung deutlich zugenommen. Der Landestrend spiegelt sich auch im Wahlkreis Lahr und den Kinzigtalgemeinden wieder. Auffallend: In fast allen Gemeinden der Region liegt die Wahlbeteiligung nicht nur deutlich über dem Wahlkreisschnitt von 66,3 Prozent, sondern auch über dem Landesschnitt von 69,6 Prozent. Besonders hoch im Kurs stand die „Bürgerpflicht“ in den Gemeinden Oberwolfach (79,2 Prozent), Hofstetten (79,3 Prozent) und Fischerbach (79,5 Prozent). Einen Zuwachs der Wahlbeteiligung verzeichneten alle Gemeinden im mittleren Kinzigtal.

Hornberger und Hausacher zeigen weniger Interesse: Die beiden Gemeinden sind im mittleren Kinzigtal die Ausreiser in puncto Wahlbeteiligung. Hier liegen die zwei Kommunen zwar über dem Wahlkreis-, aber leicht unter dem Landesschnitt. In Hornberg lag die Wahlbeteiligung bei 67,7 Prozent, für Hausach betrug sie 66,7 Prozent. Damit spiegelt sich hier die Landtagswahl von 2021 wider. Schon damals waren die beiden Kommunen die Schlusslichter im mittleren Kinzigtal. Vor fünf Jahren beteiligten sich in Hausach 63,8 Prozent der Wahlberechtigten, in Hornberg 61,19 Prozent.

Der Heimvorteil gilt nicht für beide Kandidatinnen: Mit der Grünen-Politikerin Sandra Boser und Marion Gentges von der CDU war – und ist – das mittlere Kinzigtal im Landtag vertreten. Wurde die Grüne Boser vor fünf Jahren noch zur Stimmenkönigin gewählt, hat sich das Blatt gewendet. Selbst in ihrem Heimatort Wolfach blieb ihr nur Rang zwei. 28 Prozent der Erststimmen entfielen auf die Lokalmatadorin. Wahlkreissiegerin Gentges brachte es hier auf 42,1 Prozent der Stimmen. In Steinach, der Heimatkommune der CDU-Ministerin, lagen bei der vergangenen Wahl Gentges und Boser fast gleichauf. Nun ein mehr als eindeutiges Ergebnis: 50,2 Prozent der Erststimmen entfallen auf Gentges, 19,4 Prozent auf ihre Konkurrentin.

Zurück auf Konservativ: Das traditionell tiefschwarze Kinzigtal färbte sich unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann grün. Nach dieser Wahl hat sich das gedreht. Am „schlechtesten“ schneiden die Christdemokraten noch in Hausach ab, mit 32,6 Prozent der Zweitstimmen. Unangefochten an der Spitze im mittleren Kinzigtal steht Mühlenbach. Genau 50 Prozent der Zweitstimmen bekam die CDU.

Kein „Cem-Effekt“ im Kinzigtal: Mit Blick auf Umfragen hinsichtlich Sympathie und Bekanntheit der beiden Spitzenkandidaten Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) lag der Grünen-Politiker im Land vor seinem Konkurrenten. Die Kinzigtäler hätten sich jedoch einen klaren Regierungsauftrag für die Hagel-CDU gewünscht – anders als es das knappe Gesamtergebnis zu Gunsten der Grünen auf Landesebene vermuten lässt.

Die SPD verliert noch weiter an Boden: „Rot“ war das Kinzigtal noch nie – und dennoch haben sich die ohnehin niedrigen Zustimmungswerte der Sozialdemokraten in allen Gemeinden des mittleren Kinzigtals weiter verschlechtert. Einen besonders schweren Verlust an Stimmen verzeichnet die Partei dabei in Hornberg. War die Gemeinde bei der Wahl vor fünf Jahren mit 14,31 Prozent der Stimmen noch die „Hochburg“ der Sozialdemokraten im mittleren Kinzigtal, stehen sie nun nur noch bei 8,7 Prozent der Zweitstimmen – ein Verlust von 5,7 Prozent. Hier spiegelt sich beinahe der gleiche Verlust an Stimmen wie im Landesergebnis wider (minus 5,5 Prozent). Gleichzeitig liegt die SPD bei den Hornbergern mit 8,7 Prozent der Stimmen immer noch höher in der Wählergunst als auf Landesebene. Mit dem historisch schlechten Gesamtergebnis von gerade einmal 5,5 Prozent schafften die Sozialdemokraten nur noch knapp den Einzug in den Landtag.

Die AfD festigt ihren Stand im Kinzigtal: Die rechtspopulistische Partei verbesserte ihr Ergebnis um 9,1 Prozentpunkte. Diese Entwicklung zeigte sich auch in der Region. Die AfD verzeichnete hier deutliche Zuwächse. In sieben der zehn Gemeinden lag der Zuwachs sogar über dem Landesschnitt. Den größten Anstieg in mittleren Kinzigtal (11,4 Prozent) verzeichnete die AfD in Hofstetten (17,8 Prozent der Zweitstimmen). Das beste Ergebnis im mittleren Kinzigtal holte die Partei in Steinach und Hausach mit jeweils 18,6 Prozent der Zweitstimmen. In Gutach war die AfD mit 18,4 Prozent ähnlich stark.