Der Heimatverein hat ein neues Ziel: Den Brauch des „Pfingst-Dreck“ zurückbringen, bei dem damals jährlich der Winter aus dem Dorf getrieben wurde.
Gut gelaunt begrüßte Martina Neubert als Vorsitzende des Münchweierer Kultur- und Heimatvereins 20 Mitglieder im Nebenzimmer des Gasthauses Rebstock. Sie hatte allen Grund zur Freude, denn schon im Vorfeld der anstehenden Wahlen hatten sich für einige Wechsel im Vorstand neue, junge Kandidaten gefunden. „Wir verjüngen uns damit etwas“, so Neubert.
Dass der im Vorjahr abermals sehr rührig gewesen war, listete sie in ihrem Bericht mit vielen Fotos zu insgesamt zwölf Veranstaltungen und Aktionen auf. 2024 begann im Januar mit einem Bildervortrag von Gerd Blattmannn über alte „Münchweierer Ansichten“, zu dem gleich beide Nebenzimmer mit Bürgern gefüllt waren. Den Fasentsumzug im Februar kommentierten Blattmann und Neubert als Moderatorenpaar, kurz drauf bestritt Blattman einen weiterem Bilderabend über frühere Münchweierer Fasent-Geschehen vergangener Jahrzehnte. Im März wurde eine Wanderung zum Gedenkstein der heiligen Gertrude unternommen, samt Zwischenstation am Friedhof-Kriegerdenkmal. Kurz drauf fand am Gertrude-Stein, den der Verein vor zwölf Jahren für die Schutzpatronin der Wanderer und Landwirte auf Feld und Flur gestiftet hatte, ein Arbeitseinsatz statt.
Der Verein zählt derzeit 90 Mitglieder
Bald danach war der Verein auch bei der Pflanzenbörse des Obstbauvereins an der Winzerhalle wieder mit dabei, pflegte dann im Mai arbeitseinsatzmäßig den Moser-Bildstock – in Erinnerung an einen 1806 dort erschlagenen armen Schweinehirten.
Beim vorjährigen Ettenheimer Mühlenwandertag hatte die beliebte Grill- und Getränkestation des Vereins besten Zuspruch erfahren. Schließlich führte ein Bus-Tagesausflug zahlreiche Mitglieder nach Messkirch zum dortigen „Campus Galli“, wo nur dank mittelalterlicher Handwerkskunst eine karolingische Klosteranlage mit Werkzeugen des neunten Jahrhunderts nach und nach wieder aufgebaut wird. Beschlossen worden war das Berichtsjahr 2024 von einem bestens nachgefragten Adventsliedersingen im Gemeindehaus. Und weil das schon länger her ist, wurde nun beschlossen, den Turnus der Hauptversammlungen künftig auf April vorzuverlegen.
Verein hat beruhigende Rücklagen
Die langjährige Schriftführerin Martina Klimmt berichtete überdies von einigen Vorstandssitzungen mit diversen Themen. Dank vier neuer Beitritte zählt sie aktuell 90 Mitglieder. Rechner Uwe Busch hatte ebenfalls nur Gutes zu vermelden. Bei stattlichen Beitrags- und Veranstaltungseinnahmen blieb trotz höherer Ausgaben (etwa für eine benötigte Baumpflege-Astschere) ein sehr beruhigendes Guthaben übrig. Das lobte denn auch Ortsvorsteherin Charlotte Götz, dankte dem Verein samt Vorstand für seine unverzichtbare Arbeit zu den historischen Wurzeln im Ort und bei laufender Landschaftspflege. Für die Vereinsgemeinschaft lobte sie dann auch noch das besondere Engagement des Vereins zu den Fasent-Zeiten.
Alt-Ortsvorsteher erinnert sich noch an den Brauch
Nach dem formellen Tagesordnungspunkten präsentierte Martina Klimmt schließlich einige ausgewählte Fotos – nicht nur früherer Vereinsaktivitäten, sondern auch aus dem immer weiter wachsenden Bilder-Fundus des Vereins. So etwa zum früheren Brauch des „Pfingst-Drecks“, der 1993 vom Verein gleich nach seiner Gründung erstmals wiederbelebt worden war. Da werden Burschen komplett in Buchenzweige pyramidenförmig eingebunden und müssen so als Pfingstbutz oder -ochs durchs Dorf streifen, um die letzten Reste des Winters auszutreiben. Bei Alt-Ortsvorsteher Herbert Andlauer wurden dabei noch lebhafte Erinnerungen aus den 1950er-Jahren wach. Künftig soll jetzt der „Pfingst-Dreck“ dank der Vereinsmitglieder wieder jährlich durch die Dorfgassen streifen.
Info – Wahlen
Der komplette Vorstand wurde einstimmig entlastet, samt Verabschiedung des nun nach zwölf Jahren als Beisitzer ausscheidenden Martin Junker. Ihm war dafür ein „Kirschbäumle“ zum Abschied besorgt worden. Martina Neubert und ihr Stellvertreter Heiko Blattmann sowie Rechner Busch wurden in ihren Ämtern bestätigt, neuer Schriftführer ist jetzt Florian Suba. Seine Vorgängerin Martina Klimmt wechselte auf eigenen Wunsch auf einen der Beisitzerposten, hier im Kreise von Anneliese Duffner, Andreas Kern, Markus Neubert und neu Joachim Duffner sowie Daniel Grant.