Freiburg und Glamour? Zwei Begriffe, die normalerweise nicht in einem Atemzug genannt werden. Eben genau diesen Glamour-Faktor bringt Chiara Bouziane aber seit Sommer herein. Dabei war es für sie ein langer Weg in den beschaulichen Breisgau.
Auf ihrer kleinen persönlichen Deutschlandkarte kann Bouziane schon jetzt mit 25 Jahren das ein oder andere Kreuz setzen. Dabei ist auffällig: Für die in Mainz geborene Neu-Freiburgerin ging es immer weiter in den Süden. "Das ist eher Zufall", lacht die 25-Jährige. Das Fußballspielen hat Bouziane in ihrem Heimatort Nackenheim, rund zehn Kilometer von Mainz entfernt, gelernt. Bis zur U17 hat sie dann in unterschiedlichen Vereinen der Region bei den Jungs mitgespielt. Und nicht nur das: Bouziane konnte in den verschiedenen Altersklassen durchweg überzeugen.
"Zu dem gemacht, was ich heute bin"
"Das hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich konnte da immer mithalten. Jedes Mädchen muss das für sich selbst entscheiden, aber ich kann es nur sehr empfehlen", sagt die 25-Jährige im Gespräch. Damit schlägt sie in dieselbe Kerbe wie die Waldmössingerin Saskia Meier, die erst vor kurzem mit unserer Redaktion über ihre bewegte Karriere gesprochen hat.
Im Jahr 2012 wechselte die damals 15-Jährige dann zum TSV Schott Mainz in die Zweite Bundesliga. Rückwirkend für Bouziane sicherlich eine sehr prägende Zeit. Hat sie doch währenddessen ihren heutigen Ehemann kennengelernt. "Wir sind seit nun mehr sechs Jahren zusammen. Wir haben uns damals in der Stadt getroffen", erinnert sich die Neu-Freiburgerin.
Ihr Ehemann, der französische Fußballspieler Mounir Bouziane, hat damals die Schuhe für die Zweitvertretung des FSV Mainz geschnürt - beide spielten also in derselben Stadt. Bis heute ist es den beiden jedoch nicht gelungen, für ein und denselben Verein aufzulaufen und das obwohl ihr Mann auch schon die ein oder andere Station in seiner Vita aufzuweisen hat. Ironischerweise spielte Mounir Bouziane dabei auch schon für den SC, doch bereits vor gut zehn Jahren. Nach einer Station beim Regionalligisten FC 08 Homburg ist er derzeit vereinslos.
Auch wenn ihre bessere Hälfte aktuell nicht aktiv auf dem Rasen steht, ist Fußball selbstverständlich das vorherrschende Thema bei den beiden, wie die 25-Jährige auf Nachfrage erklärt. "Es geht Zuhause auch meist nur um Fußball. Da wird dann auch immer viel analysiert."
Als Chiara Loos einen Namen gemacht
Groß geworden ist die junge Frau mit ihrem Mädchennamen Loos. So sprach das "Elfen Magazin" vor einigen Jahren beispielsweise von einer der spannendsten Spielerinnen im deutschen Frauenfußball. "Natürlich ist es schön zu hören, wenn sowas gesagt wird", gibt die Offensivspielerin zu. Damals lief Bouziane noch für den SC Sand auf, nachdem sie zwischen 2018 und 2020 für zwei Jahre im Diensten des 1. FC Saarbrücken stand. Die beiden Saisons beim "Dorfklub" aus dem Ortenaukreis sollten dann keinsfalls leicht für die 25-Jährige sein. Nachdem es im ersten Jahr noch ein kleines Wunder gebraucht hatte, um die Klasse zu halten, folgte in der vergangenen Saison schließlich der Abstieg. "Das war schon schmerzhaft, weil Sand von den Fans lebt und es ist natürlich traurig ist, den Verein so zu verlassen", erklärt Bouziane.
Seit Sommer wirbelt die junge Frau nun im Breisgau. Eine Entscheidung, die die 25-Jährige bisher auch nicht bereut hat. "Ich hatte schon länger Kontakt mit Birgit Bauer-Schick (Anm. d. Red. Abteilungsleiterin der Mädchen und Frauen beim SC Freiburg). Die Bedingungen hier mit dem Dreisamstadtion findet man nicht oft. Es ist der perfekte Ort, um mich weiterzuentwickeln."
Verletzung bremst Chiara Bouziane aus
Die ersten Monate in ihrer neuen Heimat bewertet Bouziane dabei überwiegend positiv und das obwohl der Beginn denkbar unglücklich verlief: "Ich hatte eine gute Vorbereitung. Leider hab ich mich dann aber nach dem DFB-Pokalspiel verletzt." Aus diesem Grund verpasste die 25-Jährige auch den Saisonstart gegen den SV Meppen. Gegen Eintracht Frankfurt am zweiten Spieltag folgte dann aber das Erfolgserlebnis. Nur fünf Minuten nach ihrer Einwechslung traf Bouziane zum ersten Mal für ihren neuen Klub - von einer Eingewöhnungszeit hat sie offenbar noch nicht viel gehört.
"Ich will auf jeden Fall Tore schießen und mich zeigen", sagt die 25-Jährige zu ihren persönlichen Zielen. Nach drei Startelfeinsätzen an den darauffolgenden Spieltagen musste Bouziane zuletzt wieder auf der Bank Platz nehmen. Doch das hält die Offensivspielerin nicht davon ab, Tore zu erzielen. So stellte sie gegen Potsdam erneut ihre Jokerqualitäten unter Beweis - mit Jokern kennt man sich in Freiburg ja bekanntermaßen aus.
Aktuell rangiert Freiburg in der Tabelle auf Platz fünf. Damit sind auch die Champions League Plätze noch in Reichweite. Ein Traum, den sich Chiara Bouziane auf jeden Fall noch erfüllen möchte. Auch die Nationalmannschaft hat die 25-Jährige weiterhin im Blick, doch bis dahin sei es noch ein weiter Weg, gibt sie zu. Mit ihren Qualitäten will sie nun aber erstmal den SC weiterbringen. Die Mainzer Rhein-Zeitung hat ihr aufgrund ihres dynamischen Spielstils einmal den Spitznamen "Blonder Blitz" verpasst. Darauf angesprochen, lacht die Neu-Freiburgerin: "Also blond bin ich immer noch. Meine Stärken liegen auf jeden Fall im Eins-Gegen-Eins."
Mode ist eine Leidenschaft
Wenn Bouziane einmal nicht an Fußball denkt, fährt sie oft nach Hause, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Ein wichtiger Ansprechpartner dabei: ihre Mutter. "Ich geh gerne mit ihr shoppen. Mode ist schon ein wichtiges Thema für mich", erklärt die junge Frau, die auf ihrem Instagram-Kanal immer wieder private Eindrücke teilt und die Fans an ihrer Leidenschaft teilhaben lässt. Angesprochen darauf, ob sie einen gewissen Glamour-Faktor in den Breisgau bringt, sagt sie: "Wenn man das so sieht, nehme ich das schon als Kompliment. Ich schminke mich ja auch bewusst beim Fußball."
Schafft es der "Blonde Blitz" zur WM?
Sie hofft nun, dass der Hype um den Frauenfußball durch die vergangene Europameisterschaft auch weiterhin anhält und die Spielerinnen dadurch mehr wahrgenommen werden. Die nächste Bewährungsprobe dafür ist im kommenden Jahr, wenn die Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland stattfindet. Und wer weiß, vielleicht hat sich der "Blonde Blitz" bis dahin ins Schaufenster der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gespielt.